„Mehr Takt, mehr Platz, mehr Komfort“ – unter diesem Motto steht der Fahrplanwechsel 2022/23 im Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) am 11. Dezember. Es ist die größte Fahrplan-Erweiterung seit Bestehen des VBB. Entsprechend groß war auch das Aufgebot an Prominenz zur Vorstellung des neuen Fahrplans am Montagvormittag im Technikmuseum Berlin.
Zu Bettina Jarasch, Senatorin für Umwelt, Mobilität, Verbraucher und Klimaschutz des Landes Berlin und Guido Beermann, Brandenburgs Minister für Infrastruktur und Landesplanung, hatte sich Dr. Lydia Hüskens, Ministerin für Infrastruktur und Digitales des Landes Sachsen-Anhalt gesellt. Das vierte Land im Bunde, Mecklenburg-Vorpommern, musste seine Teilnahme kurzfristig absagen.
Pressekonferenz zum Fahrplanwechsel 2022/23: Guido Beermann (CDU), Minister für Infrastruktur und Landesplanung des Landes Brandenburg, und Berlins Mobilitätsenatorin Bettina Jarasch (Bündnis90/Die Grünen)
Pressekonferenz zum Fahrplanwechsel 2022/23: Guido Beermann (CDU), Minister für Infrastruktur und Landesplanung des Landes Brandenburg, und Berlins Mobilitätsenatorin Bettina Jarasch (Bündnis90/Die Grünen)
© Foto: Jörg Carstensen/dpa
Ab dem 11. Dezember nehmen das Netz Elbe Spree und das Netz Lausitz den Betrieb auf. Die Ostdeutsche Eisenbahn GmbH (Odeg) und die DB Regio Nordost bringen dann gemeinsam sechs Millionen Zugkilometer mehr und höheren Komfort auf die Schiene. Längere Züge und mehr Direktverbindungen gibt es zum Beispiel auf der Regionalexpresslinie RE1 zwischen Brandenburg und Frankfurt (Oder), zwischen Berlin und Cottbus sowie in Richtung Nauen, Bad Belzig und Ludwigsfelde. Darüber hinaus sind mehr Verbindungen am Wochenende und am Abend geplant – vor allem in der Lausitz. Und nicht zuletzt gehen fünf neue PlusBus-Linien sowie verbesserte Busanbindungen zum Schienenpersonennahverkehr in Brandenburg an den Start.

1,4 Milliarden Euro fließen in das Schienennetz und die Bahnhöfe

Um das Schienennetz und die Bahnhöfe in Berlin und Brandenburg zu verbessern, wurden in diesem Jahr rund 1,4 Milliarden Euro in die Region investiert. Es werden damit rund 125 Kilometer Gleise, 165 Weichen sowie 25 Brücken modernisiert und erneuert. Für den VBB-Bereich investieren die Länder Berlin und Brandenburg neben dem Ausbau der Schieneninfrastruktur gemeinsam mit den Eisenbahnverkehrsunternehmen zudem in Taktverdichtungen und neue Fahrzeuge.
Der neue Triebwagenzug Desiro HC: hier ein Blick in das Fahrradabteil
Der neue Triebwagenzug Desiro HC: hier ein Blick in das Fahrradabteil
© Foto: Odeg
Damit Züge länger sein und pünktlicher fahren können, gehen zudem erste Maßnahmen des Infrastrukturprojektes i2030 in die Umsetzung. Einige Bahnsteige zwischen Erkner und Frankfurt (Oder) wurden in einer ersten Stufe verlängert, sodass dort die sechsteiligen Züge der Linie RE1 halten können. In einer zweiten Stufe ist die Verlängerung weiterer Bahnsteige für den Einsatz von achtteiligen Zügen geplant.
Mit dem Wiederaufbau der Brücke über die Wetzlarer Bahn kann auch der Streckenabschnitt Beelitz-Stadt – Ferch-Lienewitz für den Schienenverkehr reaktiviert und die RB 33 von Jüterbog direkt nach Potsdam-Hauptbahnhof angeboten werden.

Netz Elbe-Spree

● Das neue Netz Elbe-Spree bringt 30 Prozent mehr Angebot auf die Schiene. Es werden insgesamt 28 Millionen Zugkilometer auf 17 Linien inklusive dem Flughafen-Express (FEX) gefahren.
● Auf den neu in der Hauptverkehrszeit fahrenden „Expresszügen“ werden zwei vierteilige Desiro HC in Doppeltraktion mit jeweils rund 800 Sitzplätzen eingesetzt. Diese ermöglichen auf der RE1-Linie drei Fahrten je Stunde zwischen Brandenburg/Havel und Frankfurt (Oder) und dabei einen 20-Minuten-Takt zwischen Erkner und Werder.
● Bei den anderen Fahrten setzt die Odeg sechsteilige Desiro-HC-Züge mit 637 Sitzplätzen und 49 Fahrradabstellplätzen ein.
● In die neuen Desiro-HC-Fahrzeuge können Rollstuhlfahrer selbstständig und gut ein- und aussteigen – unabhängig von der Bahnsteighöhe. Ein Mittelwagen (Vierteiler) beziehungsweise zwei Mittelwagen (Sechsteiler) bieten ab sofort zwei unterschiedliche Einstiegshöhen an. Der jeweils passende Ein- und Ausstieg wird am Zug außen und innen angezeigt.
● Wie bislang halten zwei RE1-Züge pro Stunde am Bahnhof Fangschleuse. Der Neubau des Bahnhofs mit langen Bahnsteigen ist in Planung und wird voraussichtlich bis 2026 fertiggestellt. Dann können am neuen Bahnhof Fangschleuse, der nach Westen in Richtung des Werks verschoben wird, alle RE1-Züge im 20-Minuten-Takt halten.
Mit dem Fahrplanwechsel wird auch der Regionalverkehr zum Flughafen BER neu strukturiert und vor allem in den Tagesrandzeiten ausgeweitet. Neben dem halbstündigen Flughafenexpress (FEX) werden künftig die Linien RE8 aus Wismar beziehungsweise Wittenberge und RB 23 aus Potsdam über die Berliner Innenstadt zum Flughafen BER fahren. Sie ersetzen die bisherigen Linien RE7 und RB 14, sodass auch weiterhin vier Züge pro Stunde ab Berlin-Hauptbahnhof und Berlin-Ostkreuz zum Flughafen BER angeboten werden.

Rund-um-die-Uhr-Verbindung zum Flughafen BER

Ab dem 11. Dezember wird der Flughafen BER auch erstmals täglich rund um die Uhr mit Zügen aus und in Richtung Berliner Innenstadt angebunden. Die Linie RE8 fährt dann im 24-Stunden-Betrieb stündlich zwischen Berlin-Charlottenburg und dem BER. Zusätzlich bestehen ab Berlin tagsüber sechs Fahrten pro Stunde mit den S-Bahn-Linien S45 und S9 sowie eine zweistündliche Intercity-Verbindung.
Potsdam und Königs Wusterhausen sind mit der RB22 weiterhin stündlich direkt an den Flughafen angebunden. Neue Direktverbindungen zum BER gibt es aus Ludwigsfelde mit der Linie RB32 zum Terminal1-2 sowie aus Eberswalde (RB24) und Oranienburg (RB32) zum ehemaligen Terminal 5 in Schönefeld. Von dort zum Terminal 1-2 stehen verschiedene Buslinien sowie die S-Bahn zur Weiterfahrt zur Verfügung. Sobald die Dresdner Bahn in Berlin in Betrieb genommen wird – das soll Ende 2025 der Fall sein – werden die Züge aus Eberswalde und Oranienburg auch zum Terminal 1-2 fahren und dann nach Wünsdorf-Waldstadt (RB24) beziehungsweise Ludwigsfelde (RB32) durchgebunden.

Netz Lausitz

● Das Angebot auf den Linien des Netzes wird um 15 Prozent ausgeweitet, mit jetzt 4,3 Millionen Zugkilometern, mit neuen Direktverbindungen in der Lausitz und einem Halbstundentakt zwischen Cottbus und Senftenberg mit dem RE 13.
● In den Tagesrandzeiten und am Wochenende wird das Angebot auf der Linie RB 49 deutlich verbessert. So werden unter anderem Bad Liebenwerda und Lauchhamer bereits ab kurz nach 4 Uhr und bis nach 22 Uhr bedient. Zwischen Cottbus und Senftenberg gibt es eine spätere Abfahrt an Wochenenden.
● Mit den nach Frankfurt (Oder) verlängerten Linien RE10 und RB43 entfällt ab Fahrplanwechsel der Umstieg in Cottbus-Hauptbahnhof.
● Die neue Linie RE11 bietet eine beschleunigte Verbindung zwischen den sächsischen Städten Leipzig und Hoyerswerda. Davon profitieren auch die Zwischenhalte in Brandenburg wie beispielsweise Bad Liebenwerda und Elsterwerda.
● Im Zusammenhang mit der Einführung der neuen Linie RE11 Hoyerswerda–Leipzig-Hauptbahnhof werden die Fahrpläne der Linien RE15, RE18 und RB49 um eine Stunde getauscht.