Es waren etwa 350 Tonnen an toten Fischen, die im Spätsommer 2022 auf deutscher und polnischer Seite aus der Oder geborgen werden mussten. Die Umweltkatastrophe an dem Grenzfluss zwischen Deutschland und Polen hat in diesem Jahr mediale Aufmerksamkeit weit über die Grenzen von Brandenburg hinaus erregt.
Mit dem Negativpreis „Dinosaurier des Jahres“ zeichnet der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) in diesem Jahr bereits zum 30. Mal die Umweltsauerei des Jahres aus. Preisträger des Jahres 2022 ist die Oder. Das teilte der Nabu am Mittwoch (28.12.) mit.

Online-Aktion gestartet

Mit der Vergabe des „Dinosaurier des Jahres“ vor dem Bundesrat in Berlin startet der Nabu eine Online-Aktion, die die Umweltministerinnen und Umweltminister der Bundesländer auffordert, die Flüsse besser zu schützen.
Stark salzhaltige Abwässern und die geringe Menge des Wassers in der Oder aufgrund der langen Trockenperiode hatten zu einer hohen Schadstoffkonzentration und Versalzung des Flusswassers auf einer Länge von rund 500 Kilometern geführt. Daraus wuchsen giftige Brackwasseralgen, die schließlich für massive ökologische Schäden am Flussökosystem sowie ein weiträumiges Sterben zahlreicher im Wasser lebender Artengruppen, wie beispielsweise Fische und Muscheln auslösten, hieß es vom Nabu.
Schätzungen zufolge sind etwa die Hälfte der Fische in den kontaminierten Oder-Abschnitten betroffenen. Der ohnehin nicht gute ökologische Zustand der Oder habe die Schäden zusätzlich negativ beeinflusst. Es werde mehrere Jahre dauern, bis sich die Bestände im Fluss wieder auf das Vorniveau erholt haben, hieß es in der Mitteilung.

Größte Umweltsauerei des Jahres 2022

Nabu-Präsident Jörg-Andreas Krüger erklärte am Mittwoch (28. Dezember) bei der Verleihung des Negativpreises: „Wer in diesem Jahr nach der größten Umweltsauerei sucht, hat sofort die Umweltkatastrophe an der Oder vor Augen. Wir zeichnen deshalb in diesem Jahr die Oder mit dem ,Dinosaurier des Jahres‘ aus. Sie steht stellvertretend für die kritische Situation an vielen anderen Flüssen in Deutschland.“
Der Nabu forderte, dass alle schädlichen Umwelteinflüsse an deutschen Flüssen sofort gestoppt werden und ein Moratorium sowohl für den Ausbau als auch für instandsetzende Unterhaltungsmaßnahmen an der Oder. Seit Jahren wird über den Ausbau des Grenzflusses verhandelt.

Salzgehalt in der Oder ist weiterhin zu hoch

Die Salzfrachten in der Oder sind unvermindert hoch, wie kürzlich neue Untersuchungen des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) ergaben. Das Fischsterben hatte zu Verstimmungen im Verhältnis zwischen Deutschland und Polen geführt. Polen pocht auf einen Ausbau der Oder, Deutschland will einen Stopp.
Momentan ruhen die Arbeiten. Die Bauarbeiten am polnischen Ufer des Grenzflusses mussten gestoppt werden, weil das zuständige Verwaltungsgericht in Warschau einer Klage mehrerer Naturschutzorganisationen, darunter dem BUND Brandenburg, gegen den Umweltverträglichkeitsbeschluss zum Ausbau der Grenzoder recht gegeben hatte.
Auch der Nabu hatte sich an der Klage beteiligt, um die grenzüberschreitenden Auswirkungen von Baumaßnahmen auf geschützte Arten und Lebensräume zu verhindern. „Es gilt einen möglichst naturnahen Zustand von Flüssen durch eine natürliche Ufergestaltung, Wiederanbindung von verzweigten Altarmen und Überschwemmungsflächen wiederherzustellen“, hieß es vom Nabu. Dadurch entstünden wertvolle Auen in denen eine Versickerung in das Grundwasser stattfinden kann. Es würden wertvolle Lebensräume geschaffen und zugleich wirksamer Hochwasserschutz praktiziert.
Der Preis "Dinosauerier des Jahres" wird seit 1993 vergeben.
Der Preis „Dinosauerier des Jahres“ wird seit 1993 vergeben.
© Foto: Nabu/Klemens Karkow
Mit dem „Dinosaurier des Jahres“, einer 2,6 Kilogramm schweren Nachbildung einer Riesenechse, zeichnet der Nabu seit 1993 Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens aus, die sich durch besonders rückschrittliches öffentliches Engagement in Sachen Natur- und Umweltschutz hervorgetan haben. Seit 2020 werden nicht mehr Personen, sondern konkrete Projekte als Umweltsauerei des Jahres ausgezeichnet. Preisträger 2020 war das Autobahnprojekt A26 Ost, im Jahr 2021 wurde das Baugebiet Conrebbersweg in Emden stellvertretend für den Flächenfraß in ganz Deutschland ausgezeichnet.