Flugverkehr
: Mit Chip gegen Gepäck-Verlust

Damit Gepäckverlust der Vergangenheit angehört, soll nun jeder Koffer – dank smarter Technologie, auffindbar sein.
Von
Nina Jeglinski
Berlin
Jetzt in der App anhören

Verloren: Weltweit wollen Fluggesellschaften den Verlust von Koffern deutlich reduzieren und dafür jedes Gepäckstück künftig mit einem über Funkwellen lesbaren RFID-Chip versehen.

dpa/Daniel Maurer

Jeder Passagier hat wohl schon einmal auf dem Flughafen gestanden und nach der Gepäckaufgabe gedacht: Hoffentlich kommt der Koffer zusammen mit mir an. Damit Gepäckverlust der Vergangenheit angehört, soll nun jeder Koffer – dank smarter Technologie, auffindbar sein.

Fluggesellschaften wollen den Verlust von Koffern deutlich reduzieren und dafür jedes Gepäckstück künftig mit einem über Funkwellen lesbaren RFID-Chip versehen. Die flächendeckende Ausstattung soll Anfang 2020 beginnen, sagte Andrew Price, Chef der Fachabteilung Gepäck beim Airlineverband IATA. Der Beschluss solle bei der Vollversammlung der Mitglieder Juni in Südkorea verkündet werden.

„Ich hoffe, dass bis Ende 2020 das Gepäck auf der Hälfte aller Reisen mit RFID ausgestattet ist“, so Price. Bis 2023 sollen es alle Koffer sein. In der IATA sind etwa 290 Airlines in 120 Ländern organisiert, die 82 Prozent des Luftverkehrs bestreiten, darunter auch Lufthansa.

Und wie sieht es auf den ostdeutschen Flughäfen aus? „Grundsätzlich begrüßen wir es als Flughafengesellschaft, wenn smarte Neuerungen dazu führen, die Zahl der fehlgeleiteten Gepäckstücke noch weiter zu reduzieren“, sagte Kathrin Westhölter, Pressesprecherin des BER dieser Zeitung. Allerdings fällt die Gepäckaufgabe- und -beförderung in den Zuständigkeitsbereich der Fluggesellschaften.

Auch am Flughafen Rostock-Laage würde man so eine Modernisierung begrüßen. „Mit Hilfe dieser Neuerung würden zukünftig viel weniger Gepäckstücke verloren gehen oder können bei Verlust schneller dem Passagier wieder zugeführt werden“, sagt Petra Proba, Leiterin der Unternehmenskommunikation am Rostocker Airport. Der Verlust von Gepäck nimmt seit Jahren zu. Weltweit werden nach einem Bericht des IT-Airline Dienstleisters Sita jährlich rund 23 Millionen Gepäckstücke fehlgeleitet. Mit der RFID-Technik könnte diese Zahl um 25 Prozent gesenkt werden. Dann müssten aber alle Fluggesellschaften und Flughäfen mitmachen.

Bislang werden Gepäckstücke im Luftverkehr mit einem Klebeettikett gekennzeichnet, auf dem Informationen wie die Flugnummer oder der Zielflughafen in Form eines Strichcodes zu sehen sind. Ein Koffer-Label kann aber leicht beschädigt werden. Außerdem braucht man eine direkte Sichtverbindung, um den Barcode auslesen zu können. Die RFID-Chips mit ihren Antennen sollen künftig in die Banderole mit dem klassischen Strichcode integriert werden. Lesegeräte an Gepäckbändern, in Gepäckhallen und beim Be- und Entladen können die Koffer dann während der gesamten Reise  automatisch registrieren. An den meisten Flughäfen werden Gepäckstücke derzeit immer noch manuell gescannt. Der RFID-Chip hingegen stellt sicher, zu jeder Zeit zu wissen, wo sich das Gepäck befindet. Wenn ein Teil fehlgeleitet ist, fällt das sofort auf, und es kann an den richtigen Flughafen geschickt werden, noch bevor der Passagier eine Vermisst-Meldung aufgibt.

Fluggesellschaften könnten Kunden auch ermöglichen, den Verbleib ihres Koffers in einer App auf dem Smartphone zu verfolgen. So etwas bietet die US-Fluglinie Delta bereits an, Delta gilt als ein Pionier der RFID-Chips. Langfristig seien persönliche und wiederverwendbare RFID-Etiketten denkbar, die Passagiere schon zu Hause an das Gepäck anbringen. Damit die RFID-Daten weltweit gelesen und ausgetauscht werden können, müssen Flughäfen und Airlines investieren. Das Sparpotenzial sei aber dreimal so hoch wie die Ausgaben. Die IATA schätzt, dass über sieben Jahre rund 3,32 Milliarden Euro eingespart werden könnten.

Die Lufthansa gibt sich noch bedeckt. Es werde immer an Verbesserungen gearbeitet, sagt Sprecherin Sandra Kraft. „RFID kann dabei eine unterstützende Technologie sein, ist aber nicht die einzig mögliche“. Die Lufthansa beteiligt sich aber auch an Untersuchungen von RFID, hieß es.