Fußball-EM 2024: Was aus dem Kunstrasen von der Fanmeile in Berlin wird

Die EM 2024 ist vorbei. Der Kunstrasen und das Tor auf der Fanzone in Berlin werden in den nächsten Tagen abgebaut und weiterverwendet.
Christoph Soeder/dpaDas Spiel der deutschen Nationalmannschaft hat einen nachhaltigen Eindruck bei den Fans hinterlassen. Besonders nachhaltig will man auch mit den Relikten der Fanmeile in Berlin umgehen, die in den kommenden Tagen zurückgebaut wird. Dabei liegt der Nachnutzungs-Fokus besonders auf dem Kunstrasen. „Er hat gehalten, was er versprochen hat“, sagt Marius Stegemann von der Berliner Senatsverwaltung für Inneres und Sport.
Bis auf ein paar Brandflecken durch Zigaretten und Abrieb an den Außenstellen, über die teilweise Baustellenfahrzeuge steuern mussten, habe man keine großen Beschädigungen feststellen dürfen. „Der Rasen sah auch nach dem Finale mit den Engländern noch ganz gut aus“, freut sich Stegemann.
95 Prozent des Kunstrasens von der Fanmeile wiederverwendbar
Der Rasen, der während des Turniers täglich und nach den Public Viewings noch zusätzlich maschinell gereinigt wurde, muss nun erstmal nach und nach wieder fachgerecht abgetragen und zugeschnitten werden. „Rund 95 Prozent werden danach an die verschiedensten Institutionen aufgeteilt“, sagt Susanne Frischmuth von der Kulturprojekte GmbH, die die Berliner Fanfeste für die UEFA organisiert hat.
Weil es inzwischen Anfragen zur Nachnutzung für rund 60.000 Quadratmeter gebe, aber nur 24.000 Quadratmeter zur Verfügung stünden, müsse das Los entscheiden. „Klar ist aber, dass er an Sporteinrichtungen, Schulen, Kindergärten und Bolzplätze im ganzen Stadtgebiet aufgeteilt werden wird“, erklärt Frischmuth. Ebenso soll die JVA Tegel einen Teil bekommen.
Die Gefängnis-Verantwortlichen reichten ihre Bewerbung für die 4000 Quadratmeter EM-Kunst-Grün bereits im Januar bei der Senatsverwaltung für Inneres und Sport ein und erhielten schon im Februar die Zusagen. Den Gefängnis-Insassen stehe zwar ein Naturrasenplatz zur Verfügung, der im Winter aber nur eingeschränkt nutzbar sei und zudem viel Geld für Bewässerung und Pflege koste.
Ähnlich sieht es an der Sophie-Brahe-Gemeinschaftsschule in Treptow-Köpenick aus, die sich auch über ein großes Stück des geschichtsträchtigen Rasens freuen kann. Dort ist der alte Kunststoffrasen auf dem 260 Quadratmeter kleinen Minispielfeld schon so abgenutzt, dass er sich an den Rändern wellt.
Kunstrasen von Fanmeile auch an Hertha BSC Bolzplatz Initiative
1200 Quadratmeter gehen zudem an einen öffentlichen Fußballplatz in Gesundbrunnen im Wedding, der im Rahmen der neuen Hertha BSC Bolzplatz Initiative saniert werden soll. Das Pilotprojekt am alten Standort der Hertha an der Plumpe soll Kindern und Jugendlichen nicht nur sportliche Betätigungen ermöglichen, sondern auch ein sozialer Treffpunkt werden, an dem in einem Pädagogikprogramm Nachhaltigkeits-Themen spielerisch vermittelt werden, heißt es von den Kulturprojekten.
Von dem Gesamtbudget von 61 Millionen Euro, das der Berliner Senat in die Euro 2024 steckte, wurden 3,85 Millionen Euro in das Nachhaltigkeitsprogramm investiert. Bis Ende März konnten sich Berliner Sportvereine und gemeinnützige Organisationen um eine Förderung ihrer Projekte bewerben, die sich entweder auf Umwelt- und Klimaschutz oder auf soziale Aspekte von Nachhaltigkeit wie zum Beispiel Teilhabe und Gleichberechtigung konzentrieren.
Einer der Gewinner ist der 1980 gegründete FC Internationale in Berlin-Schöneberg, der besonders für seine integrative Jugendarbeit bekannt ist. Seit über 20 Jahren spielen die Mannschaften anstellen von Trikot-Werbung mit dem Slogan „No Racism“ auf der Brust, seit 2021 gilt Inter zudem als erster nachhaltig zertifizierte Amateurverein Deutschlands.
In der kommenden Saison werden die Vereins-Mitglieder nun im ersten komplett nachhaltigen Trikot aufspielen können, das ab sofort auch jedermann erwerben kann. In dem Textil sind laut Sportartikelhersteller Runamics, der dafür mit dem Verein eine Kooperation eingegangen ist, keine bedenklichen Chemikalien zu finden. Das sei nicht nur gut für die Haut, sondern auch für die Umwelt wichtig.
Riesen-Tor von der Fanmeile in Berlin steht zum Verkauf
Das komplette Trikot, das von ebenfalls nach Nachhaltigkeits- und Fairness-Kriterien ausgewählten portugiesischen Manufakturen zusammengenäht wird, ist aus einem einzigen Polyester namens NaNea gefertigt, welches sich biologisch zersetzen lässt, sich aber genauso gut zum chemischen Recyceln eignet.
Recycelt werden soll auch das 23 Meter hohe und 64 Meter breite Tor, das immer noch als Blickfang auf der von Besuchern verlassenen Fanmeile in den Himmel ragt und ab Freitag für den Rücktransport abgebaut wird.

Die Fußball-Fans sind weg, die Buden abgebaut, aber der Rasen liegt noch: die Fanmeile in Berlin, drei Tage nach dem EM-Finale.
Maria NeuendorffDas zuständige Unternehmen „FSE Stahlbau" aus Lutherstadt Wittenberg in Sachsen-Anhalt hatte das 40 Tonnen schwere EM-Überbleibsel schon vor ein paar Tagen auf der Plattform „Ebay-Kleinanzeigen“ zum Verkauf angeboten. Die „Stahlkonstruktion für den Ballsport in Übergröße" wäre sofort für 180 000 Euro zu haben. Man kann aber mit der Firma noch verhandeln. „Bei ernst gemeintem Interesse an der Konstruktion wenden Sie sich bitte direkt an uns Fläminger Stahl- und Energieelementebau GmbH", heißt es in der Annonce.
Dagegen, dass sich jemand das EM-Fanmeilen-Tor im Ganzen als Souvenir in den Garten oder auf den Trainingsplatz stellt, haben allerdings wieder die Berliner Kulturprojekte etwas. „Die Firma FSE kann das Tor als solches nicht verkaufen, weil es ihnen nicht gehört – nur das Material, der Stahl, gehört der Firma FSE“, betont Susanne Frischmuth. „Die Nachnutzung des Materials ist vertraglich vereinbart und entspricht unserer Maßgabe zur Nachhaltigkeit und zur Kreislaufwirtschaft.“ Nur der Verkauf des Materials sei deshalb rechtens. Also nur Stück für Stück.

