Galeria Karstadt Kaufhof
: Schließung von Filiale Berlin-Spandau ‒ was passiert mit dem Haus?

Nach dem dritten Insolvenzverfahren soll die Karstadt-Filiale in Spandau doch schließen. Was nun aus dem Gebäude wird und ob es doch noch Hoffnung gibt.
Von
Jessica Neumayer
Spandau
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Karstadt Spandau, Altstadt Spandau, Carl-Schurz-Straße

Schon im März 2024 prangte ein großes rotes Verkaufsbanner auf der Außenwand von Galeria Karstadt in der Altstadt Spandau. Während dies nur eine Verkaufsaktion war, könnte jetzt der Ausverkauf Wirklichkeit werden.

Jessica Neumayer

Es gleicht einem ewigen Hin und Her. Dreimal stand die Warenhauskette Karstadt Galeria Kaufhof in den letzten Jahren vor dem Aus. Filialen wurden geschlossen. Spandau blieb verschont. Bis jetzt. Am Sonnabend (27. April) wurde die Schließung der Karstadt Filiale in der Spandauer Altstadt bestätigt. Doch auch Tage danach gibt es noch Hoffnungen, die Filiale retten zu können.

„Jede der fortzuführenden Filialen muss das Potenzial haben, bereits heute oder in absehbarer Zeit die notwendige Profitabilität zu erzielen“, heißt es in der Erklärung, die die Galeria Karstadt Kaufhof GmbH am Samstag veröffentlichte. In dieser teilt sie mit, dass 76 Filialen fortgeführt werden. Im Umkehrschluss bedeutet dies auch, dass 16 Filialen schließen müssen. Die Karstadt-Filiale in der Carl-Schurz-Straße ist eine von ihnen.

Umsatz und Miete als Entscheidungsgrund

Bei der Bewertung über dieses sogenannte Potenzial spielten auch die „soziodemographischen Rahmenbedingungen der Standorte, insbesondere auch der Miethöhe eine zentrale Rolle.“ Konkret heißt das: Die Miete darf nicht höher sein als sieben bis elf Prozent des Umsatzes. Anderenfalls sei die Filiale wirtschaftlich nicht rentabel, führt Insolvenzverwalter Stefan Denkhaus aus.

Und weiter: „Wir haben für den Erhalt jeder einzelnen Filiale hart verhandelt. Nicht nur im Interesse der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, sondern auch im Hinblick auf lebendige Innenstädte.“

Altstadt Spandau, Sicht auf Karstadt Galeria Kaufhof, Eingang zur Altstadt vom Bahnhof aus

Das Karstadtgebäude ist unübersehbar, wenn man die Altstadt Spandau vom Bahnhof aus betritt. Über Jahrzehnte prägte das Warenhaus der Anblick der Fußgängerzone. Jetzt soll Karstadt dort bald ausziehen.

Jessica Neumayer

Im Bezirksamt wird dies jedoch anders gesehen. „Die Entscheidungen seien wohl eher aufgrund betriebswirtschaftlicher Kennzahlen gemacht", teilt ein Sprecher des Bezirksamtes Spandau mit. Er merkt an, dass viele Kriterien, die die Altstadt als attraktiven Standort ausweisen, anscheinend außer Acht gelassen wurden.

Stadtentwicklung bleibt außer Acht

„Es ist stadtentwicklungstechnisch viel passiert in den letzten Jahren." Die Aufwertung des Marktplatzes, geplante Stadtquartiere wie das Siemensstadt Square oder Insel Gartenfeld sowie die Bauplanung am Havelufer seien nur ein paar Beispiele für das zukünftige Wachstum Spandaus und den steigenden Zuzug ‒ der auch mehr Kaufkraft mit sich bringe.

„Dort, wo uns mit den Vermietern ein wirtschaftlich vertretbares Ergebnis trotz größter Bemühungen aller Beteiligten und trotz der Unterstützung durch die Politik nicht zu erzielen war, können die betreffenden Häuser nicht fortgeführt werden“, teilt Denkhaus anlässlich der Schließungsankündigungen mit. Auch auf Nachfrage werden genauere Auskünfte zur Schließung einzelner Standorten, mit der Begründung des Datenschutzes, verweigert.

Hoffnung und Kampf für die Zukunft von Karstadt

Noch wird die Hoffnung seitens des Bezirksamtes jedoch nicht aufgegeben. Bürgermeister Frank Bewig (CDU) hat sich am Anfang der Woche mit dem Betriebsrat sowie der Filialleitung der Karstadt-Filiale in Spandau getroffen. Gespräche sowohl mit dem Eigentümer des Hauses als auch dem Investor Bernd Beetz stehen noch aus, bestätigt das Bezirksamt. „Wir haben ein Treffen angeregt und warten auf Rückmeldung, dass man sich mit uns gemeinsam an einen Tisch setzt.“

Auch wenn die Erfolgsaussichten unklar seien, wäre es unverantwortlich, nicht zu versuchen, in den Dialog zu gehen, so der Sprecher. Über eine Nachnutzung wolle man im Bezirksamt noch nicht nachdenken. Die schlimmste Befürchtung sei ein über Jahre leer stehendes Gebäude.

Auf den Dialog setzt auch die Gewerkschaft Ver.di. „Wir kämpfen aktuell um den Erhalt des Standorts“, teilt Kalle Kunkel, Pressesprecher für Berlin-Brandenburg, auf Nachfrage mit. „Es finden gerade viele Gesprächsrunden unter anderem mit dem Besitzer und der Senatsverwaltung statt.“

1400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind insgesamt von den geplanten Schließungen betroffen. Für sie wurde nun ein Interessenausgleich und ein Sozialplan erarbeitet. Dieser besagt, dass Betroffene bis zu acht Monaten in eine Transfergesellschaft wechseln können, um sich auf dem Arbeitsmarkt zu orientieren.

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