Karstadt in Spandau
: Insolvenz und neue Eigentümer – was Kunden und Mitarbeiter sagen

Karstadt hat neue Investoren gefunden, doch das Bangen hat noch kein Ende. 70 Filialen sollen deutschlandweit geöffnet bleiben. So sieht es in der Karstadt-Filiale in Spandau aus.
Von
Jessica Neumayer
Spandau
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Der Anblick der Karstadt-Filiale in Berlin-Spandau prägt die Altstadt. Anfang des Jahres wurde die dritte Insolvenz für die Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof angemeldet. Jetzt gibt es zwei Käufer. Mehr Sicherheit für die Mitarbeitenden bedeutet das jedoch noch nicht.

Jessica Neumayer

Seitdem die dritte Insolvenz der Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof bekannt gegeben wurde, wird spekuliert, wie die Zukunft der Karstadt-Filiale in Spandau aussieht. Nun ist bekannt, dass es neue Käufer für die Warenhäuser gibt. Doch ein Aufatmen bedeutet das keinesfalls. Nicht alle Filialen sollen übernommen werden.

NRDC Equity Partners und BB Kapital SA heißen die neuen Investoren. Die Investmentgesellschaft aus New York und die Vermögensverwaltungsgesellschaft von Bernd Beetz haben den Erwerb der Galeria Karstadt Kaufhof GmbH mit dem Insolvenzverwalter der Gesellschaft, Stefan Denkhaus am 10. April besiegelt.

Ungewisse Zukunft für Karstadt in Spandau

In derselben Bekanntmachung heißt es, dass nicht alle Filialen übernommen werden. „Die Vereinbarung sieht vor, dass das deutsch-amerikanische Investorenkonsortium Galeria als Ganzes erhält und voraussichtlich mehr als 70 Filialen deutschlandweit übernehmen wird.“

Für 22 Filialen könnte das wahrscheinlich dennoch das Aus bedeuten. Genauere Angaben zu den Filialen, die auch weiterhin bestehen bleiben, werden erst Ende April gemacht, „da viele Mietverträge noch gemeinsam von dem Insolvenzverwalter und der Galeria-Geschäftsführung mit den Vermietern verhandelt werden.“ Zu einzelnen Standorten kann derzeit noch keine Aussage getroffen werden, teilt die Insolvenzverwaltung auf Nachfrage mit. Für die Mitarbeitenden heißt das: weiter warten und bangen.

Wo im Januar noch große rote „Sale-Aufkleber“ prangten, lockt nun eine andere Aktion zu einem schnellen Kauf.

Jessica Neumayer

Die Spandauer Filiale in der Carl-Schutz-Straße, quasi gleich am Eingang zur Altstadt, ist schon seit langer Zeit der Anker des innerstädtischen Geschäftslebens. In den vergangenen Jahren wurde das Angebot jedoch Stück für Stück verkleinert. Schon 2020 schloss die Lebensmittelabteilung im Untergeschoss, drei Jahre später das Restaurant im Obergeschoss.

Jüngst hat der einstmals in Karstadt ansässige Uhren- und Schmuckservice Rewa einen eigenen Laden in der Altstadt bezogen. Die Buchhandlung Hugendubel hingegen, die ebenfalls einen Shop im Erdgeschoss der Spandauer Filiale hat, bestätigt auf Nachfrage, dass sie gerne auch weiterhin mit Karstadt kooperieren will.

Kunden mit geteilten Meinungen

„Früher bin ich immer gerne zu Karstadt gegangen“, erzählt Margita I. Sie wohnt seit 50 Jahren in Spandau und kennt das Warenhaus noch, als es von Hertie geführt wurde. Als Karstadt dann übernommen hat, saß sie gerne mit Freunden im Café im Obergeschoss. „Das Angebot hat stark nachgelassen“, erzählt sie, während sie auf der Bank vor dem riesigen Karstadt-Komplex sitzt.

Zugleich sei das Angebot der Arkaden – der Konkurrenz gleich am Bahnhof – größer geworden. „Wenn man alt ist, dann geht man dahin, wo man alles nah beieinander bekommt“, sagt sie. An diesem Tag sei sie nur ausnahmsweise mal in der Altstadt unterwegs. „Heute fehlt mir Karstadt nicht mehr so.“

Ganz anders ist das bei Ingrid C. Sie ist eine der knapp zehn Kundinnen und Kunden, die schon vor 10 Uhr darauf warten, dass sich die Türen öffnen. Sie nennt sich selbst eine Vertriebene aus der Wilmersdorfer Straße. Diese Karstadt-Filiale in Charlottenburg wurde Anfang 2024 geschlossen. Seitdem nimmt sie gerne einen längeren Weg nach Spandau auf sich oder legt Termine so, dass sie immer mal schnell bei Karstadt hereinschauen kann.

„Warenhäuser sind kein Auslaufmodell“, sagt sie und hofft, dass es sich für die Filiale in Spandau zum Guten wendet. „Alle Verkäuferinnen sind sehr freundlich und engagiert. Man merkt aber schon, dass eine besondere Anspannung herrscht“, berichtet die Stammkundin.

Unsicherheit unter den Mitarbeitern

Gleiches nehmen auch Angestellte der Shop-in-Shop-Geschäfte in der Filiale wahr. Für sie ist der Druck nicht so groß. In den Abteilungen um sie herum sei jedoch schon eine große Verunsicherung bemerkbar. „Wer etwas anderes findet, ist weg“, verrät eine Shop-im-Shop-Verkäuferin und zeigt Mitgefühl für die Mitarbeiterinnen der Karstadt-Filiale. „Jahrelang haben sie auf alles verzichtet, und jetzt müssen sie schon wieder bangen.“

Von Karstadt selbst ist auf Nachfrage kein Statement zu erhalten. Angestellte verweisen freundlich auf den Serviceschalter. Dort wird bekundet, dass kein Interesse besteht, sich zu äußern.

Also bleibt nur der eigene Eindruck: Aktuell gibt es noch eine Sechs-Tage-Rennen-Aktion – Slogan: „Schnell sein und sparen“ – die den Anschein eines schnellen Ausverkaufs macht, aber wohl eher einer normalen Marketingstrategie gleicht. Große Sale-Aufsteller sind dagegen nicht präsenter, als in anderen Geschäften.

Auffällig sind die vielen übersichtlichen oder teilweise gar leeren Regale, zum Beispiel im Spielwaren- oder Kinderkleidungsbereich in den oberen Etagen. Das Erdgeschoss wirkt hingegen gefüllt. Auch am Vormittag herrscht hier maßvolles Treiben in breiten Gängen in einer stressfreien Einkaufsatmosphäre mit emsigen Piepsen im Kassenbereich. Ob dieses Piepsen auch noch in Zukunft erklingt, werden die Verhandlungen der neuen Investoren zeigen.

Bis dahin zeigt Karstadt sich weiterhin mit freundlichem Verkaufspersonal und einem breiten Sortiment. Ein Kunde, der gerade eine Grußkarte gekauft hat, sagt: „Karstadt ist eine Institution, wäre schade, wenn das verschwindet.“

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