Garten im Frühling: Baumschnitt, Fruchtfolge und Schädlinge – Tipps vom Experten

In hiesigen Gegenden sind Pfirsiche von Ende August an reif. Wie zufrieden Gärtner mit der Ernte werden können, hängt auch vom Baumschnitt ab. Dazu eignet sich ein Zeitraum besonders gut.
Weihmann/dpaFragen und Antworten entstammen einer Telefonaktion mit Ulrike Holz vom Landesamt für Ländliche Entwicklung, Landwirtschaft und Flurneuordnung.
Wir haben in diesem Jahr unheimlich viel Moos im Rasen und ebenso in den Blumenbeeten. Im Rasen haben wir mit dem Vertikutierer sozusagen aufgeräumt. Wie geht man aber im Staudenbeet am effektivsten vor?
In den Wintermonaten und gerade zu Jahresbeginn 2024 war es sehr feucht und nicht so kalt, also beste Wachstumsbedingungen für das Moos. Dazu kommt in vielen Brandenburger Regionen noch, dass man kalkarmen Boden vorfindet, was ebenfalls förderlich für gutes Mooswachstum ist. Sie können in Ihrem Garten auf zwei verschiedenen Wegen gegensteuern.
Vermooste Böden gut lockern
Im Staudenbeet können Sie, solange die frischen Austriebe der Pflanzen noch nicht zu hoch sind, mit einer kleinen Federharke das Moos versuchen zu entfernen. Gegebenenfalls muss mit der Hand nachgearbeitet werden. Mit fortschreitend ansteigenden Temperaturen achten Sie auf die sich entwickelnden Austriebe der Pflanzen, dass diese bei der Moos-Säuberungsaktion nicht zu stark in Mitleidenschaft gezogen werden. Moos bevorzugt kalkarme und verdichtete Böden, daher sollten Sie anschließend versuchen, den Boden zu lockern, um ihn besser zu durchlüften. Auch ein Aufkalken kann sinnvoll sein, allerdings nur bei Stauden, die dies vertragen, die keine Moorbeetpflanzen sind wie beispielsweise Erika und Azaleen.
Ich habe eine alte Ligusterhecke. Diese hat auf den Ästen jetzt nach dem Winter graue und gelbe Gewächse. Schadet das den Pflanzen?
Kurz gesagt: Nein. Das beeinträchtigt eigentlich nur die Optik. Die vergangenen feucht-warmen Winterwochen haben diesen Flechten, um solche handelt es sich Ihrer Schilderung nach sicherlich, beste Wachstumsbedingungen beschert. Aber Flechten sind sogenannte Aufsitzerpflanzen. Sie schädigen nicht, da sie den Pflanzen, auf denen sie gedeihen, kein Wasser entziehen. Je älter die Sträucher sind, desto mehr werden Sie sehen, dass sich solche Flechten bei günstigen feuchten Witterungsbedingungen bilden können.
Flechten fühlen sich auf Obststräuchern wohl
Gerade in Flussniederungen kann man das in der Regel gut beobachten. Aber es betrifft in Gärten auch Obstbäume oder Beerensträucher wie Johannisbeeren. Nehmen Sie, wenn die Ligusterhecke geschnitten wird, betroffene große Äste raus und sorgen Sie so für Verjüngung und Wachstum. Dann verschwindet auch das optische Problem. Wenn Sie in trockenen Wochen die Pflanzen mit Wasser versorgen wollen, dann achten Sie darauf, dass das Wasser nur im unteren Bereich an die Pflanze kommt, möglichst nicht an die Äste gelangt. Mit der Feuchtigkeit würden Sie das Flechtenwachstum wieder fördern.
Man liest immer wieder unterschiedliche Angaben, wann Pfirsichbäume geschnitten werden sollen. Was ist wirklich ratsam? Und wann sollte eine Düngung der Bäume erfolgen, damit der Ertrag steigt?
Beim Pfirsich unterscheidet man zwischen wahren und falschen Fruchttrieben. Bei Vorjahrestrieben, die mehrheitlich Blütenknospen haben und wenig Blattknospen, spricht man von den falschen Fruchttrieben. Genau die sollte man entfernen zu dem Zeitpunkt, wenn dies gut zu unterscheiden ist. Deshalb ist es ratsam, nach der Blüte zu schneiden und dabei genau zu schauen, wo Fruchtansätze sind. Wenn jeweils etwa hälftig Frucht- und Blattansätze am Vorjahrestrieb sind, dann sollten diese Äste bleiben. Durch die Frostnächte der vergangenen Tage ist es in diesem Jahr schwierig einzuschätzen, wie viele Blüten überhaupt überlebt haben.

Ulrike Holz, Referatsleiterin Pflanzenschutz Gartenbau und öffentliches Grün im Landesamt für Ländliche Entwicklung, Landwirtschaft und Flurneuordnung (LELF)
Annegret KrügerFür die Düngung ist der März ein guter Zeitpunkt, weil die Bodenaktivitäten durch die steigende Erwärmung gut sind und man dem Wachstum des Baumes so bessere Startbedingungen ermöglichen kann. Man sollte schnell löslichen Voll-Dünger geben, der für Frucht-Gehölze geeignet ist, vorausgesetzt der Frost hat diese nicht geschädigt. Im Juni kann nochmal nachgedüngt werden, wenn viele Früchte vorhanden sind. Gab es durch Frost starke Blütenschäden und sind keine oder nur wenig Früchte vorhanden, kann mit Hornmehl gedüngt werden, welcher nur langsam Stickstoff freisetzt. Damit wird die Blatt- und Triebbildung gefördert. Dieser Dünger ist für alle Bäume ohne Früchte, wo also beispielsweise der Frost vieles vernichtet hat, gut geeignet.
Pfirsichbaum erst nach der Blüte schneiden
Ich habe mehrfach gelesen, dass bei Pfirsichbäumen ein dreifacher Schnitt bzw. Eingriff nötig sei: im Spätwinter, nach der Blüte und dann noch einmal, wenn der Baum sehr viele Früchte angesetzt hat, um zu verhindern, dass statt großer saftiger Früchte nur viele kleine reifen. Was spricht für und was gegen diese Empfehlung?
Im Spätwinter würde ich einen Pfirsichbaum auf keinen Fall schneiden, ratsam ist es zur Blütezeit. Man sollte genau sehen bei dieser Obstart, was Blüten- und was Blattknospen sind und erst dann die Schere ansetzen. Auch im Frühsommer, wenn man feststellt, dass der Baum zu viele Früchte trägt, würde ich keinesfalls mehr Äste herausschneiden. Der Baum benötigt zumeist dringend alle Blätter zur Ernährung der Früchte. Empfehlenswert ist es aber, die Früchte zu vereinzeln, um den verbleibenden eine bessere Versorgung zu sichern. Nach der Ernte sollte dann ein Teil der abgetragenen Äste entfern werden.
Ich habe einen Pfirsichbaum, dessen Kerne oftmals selbst austreiben, wo man sie im Garten nicht aufgesammelt hat. Einige der kleinen Bäumchen habe ich schon verschenkt, die wachsen dann auch gut. Jetzt habe ich zwei Setzlinge, die auch an dem Standort bleiben sollen, wo sie ausgetrieben haben. Bringt dies Erfolg?
In dem Fall kommt es auf die Sorte an. Wenn es sich um weißfleischige Früchte handelt, kann man mit dieser Art der Vermehrung durchaus sehr gute Erfolge und Qualitäten erzielen, da es sich dann um sogenannte kernechte Sorten handelt. Das sieht bei gelbfleischigen Früchten anders aus. Da ist eine gute Frucht-Qualität nicht gesichert, da es sich um Zufallssämlinge handelt.
Pfirsich lässt sich über Kerne gut vermehren
Aber bei den kernechten, meist alten Sorten kann man die Vermehrung über den Kern erfolgreich praktizieren. Sie müssen darauf achten, dass sich die Sämlinge nicht zu lange an einem Standort befinden, wenn sie noch einmal verpflanzt werden sollen. Pfirsiche bilden etwa ein Meter tiefe Wurzeln.
In Baumschulen erfolgt deshalb ein jährliches Umpflanzen bis zum Verkauf. Haben sich die Bäumchen in Ihrem Garten dort angesiedelt, wo sie auch verbleiben sollen, müssen Sie nicht tätig werden. Ansonsten suchen Sie schnellstens nach einem geeigneten Standort, an dem dann der Baum stehen bleiben soll und wirklich mit seinen Wurzeln in die Tiefe gehen kann.

Auch in Obstbäumen finden sich Fraßspuren von Insekten, der Borkenkäfer (Foto) ist es aber nicht.
Klaus-Dietmar Gabbert/dpaBei meinem Pflaumenbaum sieht die Rinde so aus, als wenn sich Käfer daran zu schaffen machen. Auch kleine Ansammlungen von Holzmehl habe ich schon gefunden. Können Pflaumenbäume Borkenkäfer haben? Wie findet und bekämpft man diese?
Ohne eine genaue Untersuchung kann man nicht sagen, welche Art von Insekten das Bohrmehl produziert. Es können mehrere Schädlingsarten in Betracht kommen. Wenn schon gröberes Bohrmehl zu sehen ist, dann vermute ich, dass es sich um Larven von Schmetterlingsarten wie Weidenbohrer oder Blausieb handeln könnte. Versuchen Sie, in die Fraßlöcher mit einem dünnen Draht zu gehen, um die Insektenlarven so manuell zu beseitigen. Borkenkäfer verursachen eher kleine Fraßgänge und Bohrmehl dringt kaum nach außen, häufig wird ein Bohrgang durch Harzfluss verschlossen.
Schutznetze gegen Kohlfliegen
Ich habe immer wieder Pech mit dem Anpflanzen von Kohl, egal ob Rot- oder Blumenkohl oder sogar Kohlrabi. Das Gemüse wird immer wieder von fliegenden Insekten befallen und wörtlich genommen angebohrt. Damit wird jede Ernte unbrauchbar. Wie kann man gegensteuern?
Häufig werden Kohlpflanzen durch die Larven der Kohlfliege geschädigt, aber auch Rüsselkäfer können schädigen. Die Kohlfliege tritt in mehreren Generationen pro Jahr auf. Diese Insekten kann man sehr gut mit Gemüseschutznetzen oder Vlies abhalten. Dringend erforderlich ist, dass Sie auf der Fläche, die Sie in diesem Jahr für den Anbau von Kohl jeglicher Art vorgesehen haben, im Vorjahr keine Kohlgewächse und auch kohlverwandte Gewächse wie Rettich, Radieschen oder Rucola angepflanzt hatten, da sich ansonsten dort im Boden die Puppen der Kohlfliege befinden könnten. Die Flächen, die für den Kohlanbau aktuell vorgesehen sind, sollten sofort nach dem Pflanzen mit Gemüseschutznetzen überspannt werden, um das Eindringen der Kohlfliege oder des Kohltriebrüsslers zu verhindern.
Man sollte ausreichend Platz lassen, vielleicht mit kleinen Bögen als Abstandhalter arbeiten, damit sich das Gemüse darunter gut entwickeln kann, aber die Ränder müssen gut zum Beispiel mit Erde abgedichtet sein. Alternativ kann eine Mischkultur mit Gemüsepflanzen wie Sellerie oder Tomaten angebaut werden, um den Befall zu reduzieren, da die Fliegen die Gerüche der anderen Pflanzen nicht mögen.
Ich säe jedes Jahr Möhren aus und habe jedes Jahr damit Pech. Die Pflanzen verkümmern mehr, als sie wachsen. Ernten kann man da nichts, nicht einmal für die Kaninchen. Jetzt meinte mein Gartennachbar, dass der Stalldung, der eigentlich das Wachstum der Pflanzen fördern sollte, an diesen Misserfolgen schuld ist. Stimmt das? Ich verwende lieber biologische Wachstumsförderer, um den Einsatz von chemischen Stoffen zu vermeiden.
Möhrenfliegen sind ein verbreitet auftretender Schädling. Die Larven fressen in den heranwachsenden Rüben und legen dort Fraßgänge an. Die Nährstoff- und Wasserversorgung wird gestört, es kann auch zusätzlich zu Fäulen durch Bakterien kommen. Die Möhrenfliege wird durch frischen Stalldung und dessen Geruch angelockt. Daher wäre die Nutzung von mineralischen Düngern in diesem Fall günstiger. Außerdem sollten Sie in diesem Jahr keinesfalls dort Möhren aussäen, wo im Vorjahr Doldenblütler angebaut waren. Dazu gehören neben den Möhren auch Dill, Fenchel oder Sellerie.

Möhren gehören zu den beliebtesten Gemüsen. Wer sie selbst im Garten anbaut, ist manchmal enttäuscht – vor allem, wenn sich die Möhrenfliege breitmacht. Das lässt sich verhindern.
Swen Pförtner/dpaFruchtfolge weit aufstellen
Der Grund ist folgender: Die Schädlinge, die auf diese Pflanzen spezialisiert sind, haben den Winter im Puppenstadium im Boden verbracht und werden mit wärmeren Temperaturen als Fliegen wieder aktiv. Sie bilden wie andere Gemüsefliegen mehrere Generationen pro Jahr aus. Beste Abwehr auch gegen die Möhrenfliege sind eine weitgestellte Fruchtfolge, also kein Anbau von Doldenblütengewächsen auf der Aussaatfläche im Vorjahr und die Abdeckung mit Kulturschutznetz oder Gemüseschutz-Vlies. Den Befall mit Möhrenfliegen könnte man auch einschränken, indem man das Möhrenbeet an einem Ort anlegt, der dem Wind stärker ausgesetzt ist. Windoffene Bereiche erschweren den Schädlingen den Zuflug und die Eiablage. Ein Anbau von Mischkulturen mit Zwiebeln, Knoblauch und Porree kann auch zur Befallsreduzierung beitragen.
Ich baue jedes Jahr für meine Kaninchen Runkelrüben an. Aber nicht zum ersten Mal hatte ich im Vorjahr das Problem, dass die Pflanzen bei einer Größe von acht bis zehn Zentimetern einfach umkippen nach einem sonnigen Tag, am nächsten Morgen wieder aufgerichtet stehen, dann wieder kippen … und es sind dann auch nur sehr kleine Rüben dran. Wie kann man da mehr Ertrag erreichen?
Die Schilderung deutet auf Fraßfeinde hin, die sich an den Seitenwurzeln zu schaffen machen und damit die Wasserversorgung der Pflanzen deutlich beeinflussen. So kommt es, dass die Pflanzen nicht ausreichend mit Wasser versorgt werden können, aber sich nach einer feuchten Nacht wieder regenerieren. Das sollten Sie dieses Jahr mal an geschädigten Pflanzen genauer beobachten. Solche Fraßfeinde wären beispielsweise pflanzenschädigende Nematoden. Hier sollten Sie auf den Flächen längere Anbaupausen über mehrere Jahre einhalten.
Nematoden überleben im Kompost
Achten Sie weiterhin darauf, befallene Pflanzen konsequent zu entsorgen, aber keinesfalls über den Kompost, da sich dort die Dauerorgane der Nematoden erhalten könnten. Es gibt auch Pflanzen, die diese Nematoden gar nicht mögen und die man deshalb wirksam dagegen einsetzen kann. Solche Feindpflanzen wären Senf, Ölrettich oder Ringelblumen, die als Zwischenkultur angebaut werden können.
Wie sollte man Oleander schneiden? Meine Pflanzen haben lange Zweige entwickelt, sind aber unten völlig kahl.
Der beste Weg ist hier nur ein konsequent radikaler Rückschnitt, gerade der verkahlten Äste. Erst in dem Bereich, wo dann wieder einige Knospen zu sehen sind, erfolgt auch wieder ein buschiger Neuaustrieb, für den man als Gärtner auch etwas Geduld entwickeln muss.
Unser Grundstück wird von einer Thujahecke eingerahmt. Im Winter bekamen wir vom Ordnungsamt die Auflage, diese zurückzuschneiden, weil sie angeblich Fahrzeuge, die den unbefestigten Weg vor dem Haus nutzen, behindert. Sogar ein Bußgeld wurde angedroht. Mein Mann hat daraufhin einen Radikalschnitt gemacht. Das sieht furchtbar aus. Treibt die Hecke wieder?
Das bezweifle ich ernsthaft. Gerade Thuja sollte man nicht zu stak schneiden, da diese Pflanzen nicht wieder gut austreiben nach einem starken Rückschnitt. Sie können die Pflanze nur unterstützen und anregen, indem der Boden gut mit Feuchtigkeit versorgt ist und Sie der nicht so austriebsfreudigen Pflanze speziellen Koniferendünger anbieten.
Vor Pilzsucht ist genaue Information sehr wichtig
Im Internet werden Pilze zur Zucht angeboten. Ich hätte mal Interesse, dies auszuprobieren. Wie erreiche ich eine gute Ernte, und wo pflanze ich das Myzel ein?
Das kann man so generell nicht beantworten, da es ganz konkret auf die Pilzsorte ankommt. Nicht alle Pilze kann man erfolgreich auf dem gleichen Nährmedium ansetzen. Das ist schon sehr speziell. Champignons beispielsweise benötigen ein Substrat mit Pferdemist, andere Pilze Stroh. Oftmals werden zu den Startersets auch ein Nährstoffsubstrat mitgeliefert und Tipps, was man wie oder worauf anbauen kann. Genaues Informieren im Vorfeld erspart Enttäuschungen.
Mein Olivenbaum hat geschützt im Freien überwintert. Kann es sein, dass sich die Pflanzen an das hiesige Klima langsam anpassen, nicht mehr rein müssen im Winter?
Da muss man eindeutig für den vergangenen Winter sagen: Glück gehabt. Olivenbäume vertragen bis zu fünf Grad unter null in Winterzeiten und auch mal etwas darunter weniger, aber dann nicht über mehrere Tage. Bei längeren Frostperioden erfrieren diese mediterranen Gewächse eindeutig und das ändert sich auch so schnell nicht. Trotz Klimawandel und deutlich milderen Wintern müssen wir davon ausgehen, dass auch wieder mal längere Frostperioden mit tieferen Temperaturen kommen. Nur die aktuell milden Winter sichern diesen Pflanzen in unseren Breiten draußen das Überleben. Ein Anpassen in nur wenigen Jahren gibt es nicht.





