Garten in Brandenburg: Düngen mit Urin – Kleingärtner haben es ausprobiert

Bereit für einen großen Versuch: Das Institut für Gemüse- und Zierpflanzenforschung (IGZ) in Großbeeren forscht zu Urindünger. Mit einem Versuch in Hochbeeten und Kübeln. Noch wichtiger aber sind die Erfahrungen von Kleingärtnern, die zum zweiten Mal in das Projekt einbezogen werden.
Florian Schühle/IGZ Großbeeren- Das Projekt „U-Cycle“ erforscht Urin als nachhaltigen Dünger.
- Teilnehmer aus Brandenburg und anderen Bundesländern können mitmachen.
- Urin enthält wichtige Nährstoffe wie Stickstoff und Kalium.
- C.R.O.P.®-Verfahren wandelt Urin in schadstofffreien Dünger um.
- Anmeldung bis 31. März für Klein-, Gemeinschafts-, Schul- und Heimgärtner.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Könnte menschlicher Urin bald ein nachhaltiger Dünger für unsere Gärten werden? Das untersuchen Wissenschaftler aus Brandenburg mit dem Projekt „U-Cycle“. Hobbygärtner aus Brandenburg und anderen Bundesländern sind zum zweiten Mal eingeladen, diese innovative Idee auszuprobieren, Erfahrungen weiterzugeben und die Forschung so zu unterstützen.
Worum geht es? In dem Forschungsprojekt „U-Cycle“ (Urin-Zyklus) wird die Wirksamkeit von Urindünger auf das Pflanzenwachstum und den Boden sowie dessen Akzeptanz ermittelt. Das große Ziel ist, Urin mit seinen Nährstoffen – darunter Stickstoff, Phosphaten, Kalium und Calcium – nicht in der Kanalisation verschwinden zu lassen, sondern eine nachhaltige Alternative zu industriell hergestellten mineralischen Volldüngern anzubieten. In dem Forschungsprojekt arbeiten das Leibniz Institut für Gemüse- und Zierpflanzenforschung (IGZ) in Großbeeren und das Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) in Müncheberg zusammen – unter Mitwirkung von Hobbygärtnern.
Urin als Dünger – Viele Sorten Gemüse können angebaut werden
„Die Teilnehmer bauen Gemüse an, das sie mit dem Urindünger versorgen. In einer Kontrollgruppe düngen sie die Pflanzen auf ihre bisher individuelle Art“, erklärt IGZ-Wissenschaftler Florian Schühle. „Bei der Auswahl der Kulturen schlagen wir die gesamte Bandbreite vor“. Die reicht von Tomaten, Salat, Bohnen über Zucchini und Gurken bis hin zu Mischkulturen wie Milpa (Kürbis, Mais und Bohnen). Zu Beginn ermitteln die Hobbygärtner den ph-Wert ihres Bodens und schicken Bodenproben zur Analyse ein. Die Wissenschaftler geben daraufhin eine Düngeempfehlung.
Über die gesamte Vegetationsperiode werden die Pflanzen in ihrem Wachstum beobachtet und die Ergebnisse sowie alle Aktivitäten in Wort und Foto dokumentiert, genau wie die Erntemengen. Am Ende des Gartenjahres werden die Daten an das IGZ übermittelt.
Keimfreier Recyclingdünger – Idee stammt aus der Raumfahrt
Woher kommt der Urin? Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrtforschung (DLR) hat ein Verfahren namens Combined Regenerative Organic food Production – kurz: C.R.O.P.® – entwickelt. Gedacht war es ursprünglich für Astronauten auf Raumstationen. C.R.O.P wandelt Urin in einen sicheren, schadstoff- und keimfreien Recyclingdünger um. Dabei verzichtet es auf chemische Zusätze und setzt auf Stoffwechselprozesse. Weil echter Urin in Deutschland noch nicht als Ausgangsstoff für die Düngerherstellung zugelassen ist, wird beim Projekt Dünger aus synthetischem Urin hergestellt.

Tomatenpflanzen, die mit (oben) und ohne (unten) Urindünger gedüngt wurden. Mitte August war die Haupternte vorbei, aber alle drei Pflanzen der ersten Gruppe trugen noch mehr Früchte als die Vergleichsgruppe.
Kerstin BechlyVier Quadratmeter Fläche wird mindestens benötigt
Wer kann mitmachen? Aufgerufen sind Klein-, Gemeinschafts-, Schul- und Heimgärtner aus allen Bundesländern, maximal um die 150. Sie melden sich online bis zum 31. März an. Die Teilnehmer benötigen für die C.R.O.P.- und die Vergleichspflanzen jeweils mindestens zwei Quadratmeter Fläche oder ausreichend große Kübel. Geliefert wird der Flüssigdünger in einem Kanister.
„Die Teilnehmer müssen über die gesamte Vegetationszeit ausreichend Zeit haben für Dokumentation und Ernte“, nennt Florian Schühle Erfahrungen aus dem Projekt des Vorjahres. Einige Teilnehmer sind damals abgesprungen, weil sie den Zeitaufwand unterschätzt haben. Ebenfalls zu berücksichtigen: Die Hobbygärtner sollen ihre Ernte im Garten auch wiegen können.
Workshops und Online-Sprechstunden für Teilnehmer
Die Teilnehmer erhalten Schulungsmaterialien, es gibt Online-Sprechstunden und Workshops. Zum Abschluss finden Gespräche zu den Erfahrungen im Gartenjahr statt.
In Großbeeren führen die Wissenschaftler das Projekt als Spiegelversuch durch, hier mit echtem Urindünger.
Welche Erfahrungen wurden 2024 gemacht? Abgesehen davon, dass wenige Teilnehmer aufgeben mussten, weil Schneckenfraß die Pflanzen zunichtegemacht hat, waren es vor allem positive: Der Urindünger hat den Pflanzen nicht nur ein viel größeres Wachstum als in der Vergleichsgruppe beschert und sie robuster gemacht. Auch die Erntemengen erreichten oft das Doppelte oder mehr als beim herkömmlichen Düngen.
„Die Teilnehmer fanden es spannend zu erfahren, wie systematisch gedüngt wird und ob sie sinnvoll düngen oder nicht. Sie haben an Düngekompetenz dazugelernt“, berichtet Florian Schühle. Der Urindünger sei für sie eine sinnvolle Alternative zu anderen Düngern.
Teil eines Forschungsprojekts zu sein, motiviert besonders
Felix Zoll vom ZALF begleitet das Projekt sozialwissenschaftlich. Ihn interessieren Einstellung und Motivation der Teilnehmer und ob sich dabei über die Monate etwas geändert hat. Eine Rückmeldung: „Kaum jemand hat vor Projektbeginn mit eigenem Urin gedüngt. Wer mit Urin gedüngt hat, gibt das bei der Weitergabe des Gemüses nicht zu.“
Viele Teilnehmer hätte sehr motiviert, dass sie bei einem Citizen Science Projekt in eine wissenschaftliche Rolle schlüpfen und zur Forschung beitragen. „Es ist ihnen wichtig, dass sie etwas zur Kreislaufwirtschaft beitragen können und die Bodengesundheit verbessern“, zählt Felix Zoll auf.
Marktpotenzial wird bei Firmen erkundet
Hat Urindünger Marktpotenzial? Bei den Teilnehmern auf alle Fälle. Viele könnten sich künftig vorstellen, mit eigenem Urin zu düngen, berichtet Florian Schühle: „Die Bedenken sind deshalb gering, weil sie wissen, dass nichts Schädliches drin ist, wenn keine Medikamente eingenommen werden.“ Andere achten auf Kosten: Wenn der eigene Urin kostenlos ist, würden sie keinen teuren kaufen. „Es gibt aber auch eine dritte Gruppe, die unsicher ist und dann lieber Volldünger kauft.“
Um zu erfahren, wie aufgeschlossen Kleingärtner bei dem Thema sind, wird es in diesem Jahr von ZALF-Seite eine größere Befragung in Gemeinschaftsgärten geben. „Und wir wollen herausfinden, wie man den Urindünger in die praktische Anwendung bekommt. Dazu gehen wir auf kleinere Firmen zu, die sich mit Sanitär und Nährstoffwänden, also zum Beispiel Trockentoiletten, beschäftigen“, schaut Felix Zoll voraus.
Weitere Infos und Anmeldung auf der eigenen Webseite; eine Online-Info-Veranstaltung findet am 19. Februar von 12 bis 13.30 Uhr und am 21. Februar von 17 bis 18.30 Uhr statt.



