Gigafactory Grünheide: 26 Umwelt-Unfälle und acht Brände von Tesla bekannt

Seit einiger Zeit laufen in Brandenburg Fahrzeuge der Marke Tesla von den Bändern. Seit der Eröffnung hat es mehrere Vorfälle gegeben. (Archivfoto)
Patrick Pleul/dpaDer US-Elektroautohersteller Tesla hat in seiner Gigafactory in Grünheide seit der Eröffnung vor eineinhalb Jahren 26 Umwelt-Havarien gemeldet. Das geht aus Informationen des Brandenburger Landesamts für Umwelt hervor, die auch unserer Zeitung vorliegen. Zu den Havarien zählen acht Brände, ausgelaufene Chemikalien wie Epoxidharz, Hydrauliköl, Farbe, Lack und Diesel. Bei den Vorfällen handelt es sich laut Landesumweltamt um Betriebsstörungen, nicht um Störfälle im Sinn der Störfallverordnung. Sechs illegale Aktivitäten und Umweltgefährdungen dieser Art hatte bereits MOZ.de auf dem Gelände aufgedeckt.
Der Großteil des Geländes liegt im Wasserschutzgebiet und nahe Trinkwasser-Förderbrunnen in Hohenbinde des Wasserverbandes Strausberg-Erkner (WSE).
Tesla weist Bedenken zurück
Der Autobauer räumte ein, dass es auf dem Fabrikgelände während der Bauarbeiten und seit der Inbetriebnahme mehrere Vorfälle gegeben habe. Bei keinem der Vorfälle habe es sich um einen Störfall nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz gehandelt, bei keinem Vorfall sei es zu Umweltschäden gekommen, heißt es bei dem Unternehmen. Wenn nötig, seien Korrekturmaßnahmen umgesetzt worden.
Der Leiter Ökosysteme am Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei, Martin Pusch, sprach von einer grundsätzlich hohen Gefährdung mit Blick auf das Trinkwasser. „Es ist ein hohes Risiko der Beeinträchtigung der Trinkwasserversorgung aufgrund der geringen Rückhaltekapazität des Untergrunds“, sagte Pusch der dpa.
Umweltminister Vogel: „Die Überwachung funktioniert“
Brandenburgs Umweltminister Axel Vogel (Grüne) räumte auf Anfrage des Sterns ein, dass Probleme auf dem Werksgelände aufgetaucht seien, sah aber keine Gefahr. Auf die Frage, ob er ausschließen könne, dass das Grundwasser unter der Fabrik verseucht ist, sagte er laut Stern: „Kann ich ausschließen. Die Überwachung funktioniert.“
Die Untere Wasserbehörde des Landkreises Oder-Spree hingegen dazu: „Ein Eindringen von wassergefährdenden Stoffen in den Boden kann weder auf dem Gelände des Unternehmens noch an einer anderen Stelle im Zuständigkeitsbereich der unteren Wasserbehörde des Landkreises Oder-Spree vollständig ausgeschlossen werden.“ Die öffentliche Wasserversorgung sei dennoch nicht gefährdet, heißt es laut Stern.
Illegale Tankstelle in einem weißen Zelt
Zu den Havarien zählen Austritte von 15.000 Liter Lack, 13 Tonnen Aluminium, worüber die MOZ bereits berichtet hatte, sowie 50 und 150 Liter Diesel. Nach Informationen des Landesumweltamtes wurden Lack und Aluminium fachgerecht oder ordnungsgemäß entsorgt. Bei Diesel sei in einem Fall mit Ölbinder abgebunden und der Boden ausgekoffert worden. Der Stern berichtete überdies, nach einem Brand versickerten im September 2020 bis zu 300 Liter Löschwasser im Boden; in einer illegalen Tankstelle in einem weißen Zelt auf dem Gelände liefen 250 Liter Diesel im Mai 2023 aus. Das Landesumweltamt machte dazu keine Angaben.
Die Havarie vom April 2022 in der Lackiererei mit 15.000 Liter Farbmischung war bereits bekannt. Die untere Wasserbehörde des Landkreises Oder-Spree ordnete die Flüssigkeit damals als schwach wassergefährdend ein, sie sei nicht ins Grundwasser gelangt. Der Wasserverband Strausberg-Erkner sprach aber von einem Störfall.
Bisher acht Brände auf dem Tesla-Gelände
Seit März 2022 gab es zudem acht Brände. Über einen Containerbrand hatte die MOZ schon berichtet; auch der Brand auf dem illegalen Abfallplatz von Papier und Pappe war schon bekannt. Löschwasser war versickert, die Bodenproben seien aber unauffällig gewesen. Nicht öffentlich war bisher laut Landesumweltamt ein Brand auf dem gleichen Abfallplatz im September 2022, der durch eine geschredderte Batterie in einer Holztransportbox ausgelöst wurde.
Tesla stellt seit März 2022 in Grünheide Elektroautos her. Umwelt- und Naturschützer sehen Gefahren, weil ein Großteil der Fabrik in einem Trinkwasserschutzgebiet liegt. Tesla hat Bedenken zurückgewiesen. In der Fabrik in Grünheide arbeiten nach jüngsten Angaben des Unternehmens rund 11.000 Mitarbeiter, die hochgerechnet etwa 250 000 Fahrzeuge im Jahr herstellen. Tesla will das Werk ausbauen und künftig eine Million Autos produzieren. Außerdem will das Unternehmen sein Gelände nach Osten um circa 119 Hektar erweitern und dort unter anderem einen Güterbahnhof erreichten.
247 Unfälle in Gigafactory von Tesla
Es gibt zudem viele und schwere, fast täglich vorkommende Arbeitsunfälle in der Fabrik in Grünheide. Wie MOZ.de bereits im März 2023 berichtete, rückte der Rettungsdienst im ersten Produktionsjahr 221-mal zu Tesla nach Grünheide aus. Stern spricht nun von 247-mal.
Der Bezirksleiter der IG-Metall für Berlin, Brandenburg und Sachsen, Dirk Schulze, sagte dem Stern dazu: „Diese Häufigkeit an Arbeitsunfällen ist nicht normal“. Es handle sich um ein Mehrfaches dessen, was in anderen Automobilfirmen üblich sei. „Ich habe die größte Sorge, dass irgendwann jemand zu Tode kommt.“
Fernsehmagazin über Tesla
Laut Stern-Pressemitteilung startet RTL das neue Fernsehmagazin „stern investigativ“ mit weiteren Recherchen rundum die Tesla-Gigafactory. Die Sendung beginnt am Donnerstag, 28. September, um 22.35 Uhr. Zudem soll es eine Podcastfolge geben.






