Gegen diese Pfahlgründungen in einem Trinkwasserschutzgebiet protestieren die Bürgerinitiative gegen die Gigafactory (BI) aus Grünheide und Naturschützer. Sie befürchten, dass der Grundwasserfluss  durch die  Pfähle verändert wird und Salzwasser aus der Tiefe nach oben in  Grundwasser leitende Schichten vordringt. Bei der Rammung solcher Pfähle wird das Erdreich verdichtet. Dadurch kann der Wasserfluss im Untergrund verändert werden. Je mehr Pfähle, desto größer sind die Auswirkungen. Diese sollen nun aber nur noch geringfügig sein, verlautete von Wasser-Experten aus dem Umfeld des Unternehmens.
Die Rammpfähle reichen bis zu zwölf Meter tief und sollen die für das Trinkwasser entscheidenden Grundwasserschichten nicht erreichen. Die Zahl von 500 Pfählen  soll den Wasserfluss  angeblich nur geringfügig beeinflussen.  „Im Wasserschutzgebiet hat kein einziger Pfahl etwas zu suchen“, sagt Steffen Schorcht von der Bürgerinitiative. Jeder Millimeter Grundwasserabsenkung sei zuviel. Die Initiative kündigte an, gegen die Pfahlrammungen vorgehen zu wollen. Aus ihrer Sicht ist der Bauplatz der Fabrik falsch gewählt.
Der Bau der Gigafactory  geht unterdessen rasant voran. Am Freitag gewährte Tesla einen Einblick auf die Baustelle. Ein großer Teil der Gebäude – Lackiererei, Montage, Antriebs-Fertigung – entstehen bereits. Bis zu 24 Meter hohe Pfeiler für die Rohbauten ragen aus dem Boden, Wände und erste Dächer werden errichtet. Dabei legen die etwas über 100 Bauarbeiter ein Tempo vor, das das ihrer Kollegen der Gigafactory in Shanghai übertrifft.
Tesla will die Bauzeit der Fabrik in Shanghai von rund einem Jahr in Grünheide knacken. Möglich wird dieses enorme Tempo durch vorgefertigte Bauelemente – Pfeiler etwa oder Wandsegmente. Zwei Drittel der Gebäude werden aus diesen Elementen gefertigt. Das ist deutlich mehr als bei der Gigafactory in Shanghai, die nur zur 40 Prozent mit vorgefertigten Teilen gebaut wurde. Die Fertigbauteile kommen aus deutscher und europäischer Produktion. Sie sollen unter anderem aus dem brandenburgischen Linthe kommen  und werden hauptsächlich per Zug geliefert.

Technisch revolutionär

Tesla will die Fabrik in Grünheide effizienter bauen. Die meisten Gebäude sind auf flachen und angeblich Material sparenden Fundamenten gegründet.  Einfach, funktional und nachhaltig soll der Gebäudekomplex sein, heißt es. Auch der Produktionsprozess soll im Vergleich zu den Fabriken in Shanghai und in den USA effizienter laufen. So soll das Gießen von Karosserieteilen deutlich vereinfacht werden. Berichten aus Branchenmagazinen zufolge soll Telsa bereits für die Werke in Shanghai und Fremont zwei  riesige italienische Druckguss-Maschinen bestellt haben. Damit soll der hintere Teil des Rahmens nahezu aus einem Guss entstehen, nicht mehr aus Dutzenden Teilen.
In Grünheide soll das noch einmal übertroffen und auch große Teile der vorderen Karosserie komplett gegossen werden. Tesla will damit beim Modell Y, das in Grünheide gebaut werden soll, Gewicht sparen. Konzernchef Elon Musk hatte auf Twitter schon vor einiger Zeit eine Revolution im Karrosseriebau für Grünheide angekündigt – und eine neuartige, hochmoderne Lackiererei. Sie soll besonders brillante Farbqualitäten liefern. Auch der Rohbau der Lackiererei entsteht schon.
Bislang baut Tesla nur mit vorzeitigen Genehmigungen – die endgültige Baugenehmigung steht noch aus. Der US-Konzern darf demnach  den Großteil des Rohbaus errichten. Ausgenommen sind Gießerei und Presswerk.   Dafür hatte Tesla vor einigen Wochen beim Landesamt für Umwelt einen erneuten Antrag auf einen vorzeitigen Baubeginn gestellt, über den aber noch nicht entschieden ist.
Bis zum 3. September können Bürger Einwendungen gegen den Bau der Fabrik vorbringen. Sie sollen Mitte September in einer öffentlichen Veranstaltung erörtert werden. Erst danach kann über die endgültige Genehmigung entschieden werden. So lange baut das US-Unternehmen auf eigenes Risiko.
Wenn das Tempo so bleibt, könnte der Rohbau Ende des Jahres fertig sein. Für den Innenausbau sollen dann bis zu 1000 Arbeiter auf dem Gelände beschäftigt sein. Das hat seit Freitag eine neue Adresse: Ein Schild „Tesla Straße“ wurde aufgestellt. Außerdem hat Tesla den Sitz der Manufactoring Brandenburg SE nach Grünheide verlegt. Das heißt, das Unternehmen wird hier Gewerbesteuer zahlen.