Die beiden Parteien sehen in der Regelung, mit der die Hälfte der Listenplätze von Frauen zu besetzen sind, einen Eingriff in ihr  Organisationsrecht. Der Anwalt der NPD, Peter Richter, verwies darauf, dass diese Partei nur einen Frauenanteil von  rund 13 Prozent hat und damit von vornherein benachteiligt sei, lange Listen aufzustellen. Sollten sich die Frauen nicht aufstellen lassen, bestünde die Liste zur Landtagswahl notgedrungen nur aus einem männlichen Spitzenkandidaten. Richter forderte, erst einmal den Nachweis zu erbringen, dass jemals in Brandenburg Frauen daran gehindert worden seien, sich für eine Wahl aufstellen zu lassen. Die Chancengleichheit sei gewährleistet. Männer und Frauen hätten die gleichen Rechte, das sei das Einzige, was gesetzgeberisch zähle.
Karl Albrecht Schachtschneider, Anwalt der AfD,  sah die demokratischen Grundprinzipien der Bundesrepublik in Gefahr. Die sehen vor, dass Bürger wählen und sich wählen lassen können, nicht jedoch dass Geschlechtergemeinschaften besser oder schlechter gestellt werden, argumentierte er. Der Anwalt prophezeite, dass dann als nächstes Religionsgemeinschaften kommen und eine Repräsentanz in den Parlamenten einfordern.
Für den Landtag verwies Anwältin Jelena von Achenbach darauf, dass die brandenburgische Verfassung die Verpflichtung enthält, Gleichberechtigung herzustellen. Dazu habe der Gesetzgeber die Möglichkeit, das Wahlrecht zu ändern und innovative Wege zu gehen. Auch jede Änderung von Wahlkreisen könne die Interessen von Parteien berühren, aber aus übergeordneten Überlegungen notwendig sein. Das Paritätsgesetz stärke die innerparteiliche Demokratie, greife jedoch nicht in die inhaltliche  Willensbildung der Parteien ein. Von Achenbach betonte, dass seit Gründung des Landes Frauen im Landtag immer unterrepräsentiert waren. Aktuell gehören nur 28 Frauen aber 60 Männer dem Landtag an.

Präsident hinterfragt Paritätsgesetz kritisch

Auch Landtagspräsidentin Ulrike Liedtke (SPD) betonte in einer Stellungnahme die Gestaltungsspielräume des Parlaments. Solange Frauen weniger verdienen als Männer, öfter von Altersarmut betroffen sind und seltener in Führungsgremien anzutreffen sind, so lange bestehe die gesamtgesellschaftliche Notwendigkeit, Frauen zu unterstützen.
Verfassungsgerichtspräsident Markus Möller hinterfragte das Paritätsgesetz in der Verhandlung kritisch. So ließ er die Frage diskutieren, ob sich eine Landtagsmehrheit eine bestimmte Zusammensetzung des Parlamentes wünschen dürfe. Er verwies außerdem darauf, dass 1991 bei der Ausarbeitung der brandenburgischen Verfassung ein Unterausschuss des Parlamentes sich gegen die Aufnahme entsprechender Regelungen ausgesprochen hatte. Außerdem wurde im Laufe der Verhandlungen auf handwerkliche Mängel im Gesetz hingewiesen. Das räumten auch die Vertreter des Landtages ein.
Das höchste brandenburgische Gericht kündigte an, eine Entscheidung zum Paritätsgesetz am 23. Oktober öffentlich zu machen. In Thüringen war im Frühsommer ein ähnliches Gesetz vom dortigen Verfassungsgericht gekippt worden.