Grüner Verkehr: Berliner Bezirke liebäugeln mit Seilbahnen

Platzsparend und emissionsfrei: Seit 2017 schweben Gondeln über das ehemalige Gelände der Internationalen Gartenbauausstellung (IGA) und verbinden Marzahn mit Hellersdorf. Auch andere Bezirke liebäugeln nun mit dem grünen Verkehrsmittel.
Britta Pedersen/dpaAuslöser ist ein Verkehrskonzept der SPD in Treptow-Köpenick. Für die bessere Anbindung des Südostens Berlins forderten die Genossen unter anderem eine Seilbahn zum 29 Meter hohen Müggelturm.
„In erster Linie geht es dabei darum, Touristen nach Köpenick zu holen“, erklärt Lars Düsterhöft, der für die SPD Treptow-Köpenick im Abgeordnetenhaus sitzt. Der Bezirk habe ein riesiges Potenzial, das vor allem für ausländische Touristen noch nicht erschlossen sei.
Idee gab es schon in den 90ern
Der Vorschlag lautet nun, den Turm, der eigentlich nur per Auto zu erreichen ist, über Gondeln an die Tram-Linie 68 anzuschließen, die selbst als eine der schönsten Straßenbahnstrecken Deutschlands beworben wird. Die Idee ist nicht neu. Schon Ende der 90er-Jahre hatte eine Firma in Köpenick ein Seilbahn-Konzept vorgelegt. „Das Projekt ist damals an zwei Dingen gescheitert“, erklärt Bezirksbürgermeister Oliver Igel (SPD). „Es gab noch keine gesetzliche Grundlage für den innerstädtischen Betrieb von Seilbahnen in Berlin, und der Müggelturm lag noch brach.“
Doch nach der Sanierung und Wiedereröffnung des Restaurants ist der 1961 eröffnete Turm wieder zur beliebten wie belebten Adresse geworden. Ein Landesseilbahngesetz hatte die Stadt schon 2004 beschlossen. Es ermöglichte auch den Bau der Seilbahn im Rahmen der Internationalen Gartenschau (IGA) 2017. Die Seilbahn, die über den Kienberg Marzahn mit Hellersdorf verbindet, wird seitdem vom Tiroler Erbauer, der Leitner AG, weiterbetrieben. Derzeit kostet eine Hin- und Rückfahrt 6,50 Euro. Der Vertrag wird in diesem Jahr neu verhandelt. Eine Option ist ein Kombiticket, mit dem BVG-Kunden die Gondeln zu einem reduzierten Preis nutzen können. Auch eine generelle Übernahme in den öffentlichen Nahverkehr wird diskutiert.
Solch ein Modell könnte sich auch der Bezirksbürgermeister von Pankow, Sören Benn (Linke), vorstellen. Um auszuloten, wie man die Bevölkerung in den stetig wachsenden Wohnvierteln im Blankenburger Süden, Buch und Karo anbinden kann, hat er am 27. Januar Heiner Monheim zu einem Vortrag über urbane Seilbahnsysteme ins Rathaus geladen. Der Verkehrswissenschaftler spricht sich unter anderem für eine Gondelverbindung zwischen den von der Havel getrennten Ortsteilen Wannsee und Kladow aus. Benn will mit der Einladung eine Diskussion anstoßen. „Auch wenn die Zuständigkeit auf Landesebene liegt, hat der Bezirk eine politischen Mitverantwortung für die Suche nach Lösungen“, erklärt er den Vorstoß.
Die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz hat aber die Seilbahn-Option für das Neubauviertel Blankenburger Süden schon geprüft. „Die Untersuchungen ergaben, dass die Straßenbahn dort das geeignetste Verkehrsmittel darstellt, weil sie eine Vielzahl von Umsteigemöglichkeiten bietet“, erklärt Sprecherin Dorothee Winden.
In Treptow-Köpenick dagegen stelle sich die Frage nach der Finanzierung einer Seilbahn, die ein Ausflugsziel und einen Badestrand miteinander verbinde. „Für Bau und Betrieb müsste sich ein Investor finden“, sagt Winden. Zudem seien Fragen des Naturschutzes und des Denkmalschutzes zu prüfen.
Im staugeplagten und schlecht angebundenen Südosten träumt man schon von Erweiterungsstrecken. So müssen die Mitarbeiter der neuen Firmen auf dem ehemaligen Rundfunkgelände in Oberschöneweide derzeit mit Privatshuttle kutschiert werden. "Auch der Investor könnte sich vorstellen, das Gelände per Seilbahn an den S-Bahnhof Ostkreuz anzubinden“, so Igel.
Verkehrsforderungen für den Südosten und Umland
Das Verkehrskonzept der SPD Treptow-Köpenick enthält auch mehrere Vorschläge, die für Pendler aus dem Umland von Bedeutung sind: So fordern die Kreispolitiker preiswerte Tickets im Umweltverbund mit Brandenburg sowie die Ausweitung des B-Tarifs bis zum Regionalbahnhof Erkner und S- Bahnhof Eichwalde.
Weitere Punkte sind der Bau des Regionalbahnhofs Köpenick und die Errichtung einer neuen Bahnstrecke vom Grünauer zum Karower Kreuz auf dem östlichen Bahnaußenring mit einem Haltepunkt in Nähe des Stadions An der Alten Försterei. Alle Forderungen unter: www.spd-treptow-koepenick.de ⇥neu