Haus in Brandenburg: Wann lohnt sich die energetische Sanierung für Hausbesitzer?

Über die Hausfassade sind die Wärmeverluste besonders hoch. Doch nicht nur hier lohnt eine Dämmung. Wo beginnt man am besten? Dachmann aus Brandenburg gibt Tipps.
Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-mag/dpa- Energieberater Adrian Hollenberg informiert im Web-Seminar zur energetischen Sanierung von Häusern in Brandenburg.
- Hohe Heizkosten machen Sanierungen sinnvoll; Dämmung von Dach und Fassade besonders effektiv.
- Beratung bei Verbraucherzentrale hilft bei Planung und Antragstellung; vor Ort-Termine kosten 40 Euro.
- Fördermittel für Dämmung, Heizung und Eigenleistungen sind verfügbar.
- Wichtig: Reihenfolge beachten, vom Dach bis zum Keller sanieren.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Das Haus befindet sich im Sanierungsstau. Wo beginnt man mit dem Abarbeiten? Warum ist eine bestimmte Reihenfolge - vom Dach zum Keller - angeraten? Und welche Rolle spielt die künftige Nutzung der Bereiche? Und vor allem: Welche Arbeiten werden gefördert und in welcher Höhe?
In einem gemeinsamen Web-Seminar des Märkischen Medienhauses und der Verbraucherzentrale Brandenburg hat Energieberater Adrian Hollenberg umfassend dazu informiert und Fragen aus dem Chat beantwortet.
Haussanierung in Brandenburg – dazu rät der Experte
Mit Beginn der Energiekrise und der folgenden schlagartigen Erhöhung der Heizkosten haben wir begonnen zu rechnen, was mehr kostet: die höheren Heizkosten oder eine neue Heizung. Was raten Sie als Experte, denn eine Entscheidung fällt uns extrem schwer?
Als Energieberater empfehle ich zunächst, sich über folgende Themen Gedanken zu machen und eine unabhängige Beratung in Anspruch zu nehmen: Wie bewerten Sie das Alter und den baulichen Zustand des Hauses? Wie alt sind die Bewohner und welche Zukunftspläne haben diese? Will man das Gebäude im Alter verkaufen oder das Haus fit machen für die Zeit des Rentenbezugs? Gibt es Erben, die vielleicht mehr Platz benötigen?
Wer ein Haus zudem dämmt und vom Dach über die Fenster bis zur Fassade und den Keller saniert, der spart am Ende noch mehr Energie und damit weitere Kosten. Aber richtig ist auch: Umfassendes Sanieren kostet und daher empfehle ich, sich vor Beauftragung der Maßnahmen unabhängig bei der Energieberatung der Verbraucherzentrale beraten zu lassen, Angebote von Fachhandwerksbetrieben einzuholen und auch Banken zu befragen, wie es mit Krediten aussieht. Erkunden Sie sich außerdem über die aktuellen Förderungen, deren Konditionen momentan sehr günstig sind.
Energieberater ist erster Ansprechpartner
Als normaler Hausbesitzer mit Sanierungsvorstellungen weiß ich doch nicht umfassend, selbst wenn ich viel recherchiere, was alles wie gefördert wird, welche Voraussetzungen zu erfüllen sind und und und ... Wer hilft dabei?
Derartige Anträge kann ein Energieberater stellen. Er prüft mit Ihnen vor Ort, was möglich ist, was in welchen Zeiträumen geplant ist, welche Mittel dafür benötigt werden, welche Sanierungsmaßnahmen insgesamt ratsam sind und welche davon auch umsetzbar sind. Daraufhin werden die Fördermöglichkeiten ausgelotet und die Mittel beantragt. Der Berater macht die Bauberatung und übernimmt am Ende die Rechnungsprüfung. Eigenleistungen werden ebenfalls gefördert, auch dazu berät der energetische Baubegleiter.
Mit welchen Kosten muss man bei einer Energieberatung bei der Verbraucherzentrale rechnen?
Eine Energieberatung in der Beratungsstelle, telefonisch oder per Videochat, dauert bis zu 45 Minuten und ist kostenfrei. Wir bieten auch Ortstermine zu Hause an. Diese dauern etwa zwei Stunden und kosten 40 Euro. Im Anschluss erhalten Sie einen schriftlichen Bericht. Wichtig ist dabei, dass man dem Energieberater sagt, wie man sich die künftige Nutzung des Hauses und die Zukunft vorstellt. Nur auf dieser Grundlage kann bedacht werden, ob es Erweiterungen geben soll, welche Rolle Räume im Dach- oder Kellerbereich spielen, wie die Außenhülle beim Energiesparen helfen kann und vor allem auch, welche der Maßnahmen förderfähig sind.
Sanierungsfahrplan hilft bei der Übersicht
Ich habe gelesen, dass man einen Sanierungsfahrplan erstellen lassen soll. Was ist das genau?
Eingangs wird das Gebäude vor Ort begutachtet, die Konstruktionen aufgenommen und auch die gesamten Abmaße. Dann wird das Gebäude am Computer energetisch simuliert, und man bekommt einen energetischen Ist-Zustand, kann erkennen, wo wie viel Energie verloren geht. Im nächsten Schritt werden verschiedene Maßnahmenpakete erstellt, welche Sanierungen vom Dach über die Fenster, die Fassade bis zum neuen Heizsystem gemacht werden könnten.
Ziel ist es, ein Effizienzhaus 85 nach der virtuellen Sanierung im Computer zu erreichen. Das wäre auch die Grundlage einer Förderung durch die KfW-Bank, also für zinsgünstige Kredite. In der Regel reduziert sich der Haus-Energieverbrauch nach der umfassenden Sanierung um die Hälfte oder im besten Fall sogar um zwei Drittel. Natürlich sind auch nur Einzelmaßnahmen möglich und förderfähig.

Adrian Hollenberg ist Energieberater für Wohngebäude und Nichtwohngebäude bei der Verbraucherzentrale Brandenburg. Dabei kommen ihm seine Erfahrungen als Selbstständiger mit eigenem Energieberatungsbüro zugute.
Anke SeeligerAm Dach mit dem Dämmen beginnen
Warum wird so viel Wert auf die Fassadendämmung gelegt? Unser altes Haus hat gut gemauerte dicke Wände.
Der Schwerpunkt Fassade ist durch die große Fläche gegeben, über die häufig ein großer Wärmeanteil verloren geht. Und nur, wenn man die Wärmeverluste von der großen Fläche im wahrsten Sinne des Wortes eindämmt, erreicht man signifikante energetische Einsparungen. Entscheiden sich Bauherren für eine etwa 15 Zentimeter dicke Dämmung, dann können sie oft Fördermöglichkeiten in Anspruch nehmen.
Warum raten Sie, dass man mit der Dachdämmung beginnt?
Zur energetischen Sanierung gehören immer vorausschauende Überlegungen, ob zum Beispiel in absehbarer Zukunft eine Photovoltaikanlage aufs Dach kommt oder eine Anlage zur Wassererwärmung installiert werden soll. Die Dachdämmung sollte vorher erfolgen und ebenfalls berücksichtigen, ob für eine möglicherweise folgende Wanddämmung die Dachüberstände verlängert werden müssen.
Im Jahr 1995 wurden die Fenster in unserem Haus neu eingesetzt, sind jetzt also auch schon in die Jahre gekommen. Sie funktionieren aber noch gut. Sollte man diese ersetzen, wie oft geraten wird? Nachhaltig finde ich das bei Funktionstüchtigkeit nicht.
Sicher können Sie die Fenster noch ein paar Jahre benutzen, aber alte Fenster verursachen hohe Wärmeverluste und das ist ebenfalls nicht nachhaltig. Kunststofffenster sind zudem mit den Jahren schwerer nachstellbar. Belegt ist: Mit Dreifachverglasungen lassen sich viele Euro Heizkosten sparen. Und wenn Sie über das Dämmen der Fassade Ihres Hauses nachdenken, dann sollten die Fenster vorher erneut worden sein – vielleicht sogar mit Fördermitteln.
Irrglaube um den Schimmel
Nicht selten hört man, dass sich wegen der Luftdichtigkeit nach Dämmung und Sanierung Schimmel in Gebäuden bildet. Häuser müssen atmen können, oder man lüftet die ganze gesparte Energie wieder raus …
Das ist nicht richtig, aber leider hält sich dieser Irrglaube sehr konstant. Der Befall von Schimmel wird bisweilen mit der Dämmung eines Hauses in Verbindung gebracht. Allerdings verringert eine gute Wärmedämmung sogar das Schimmelrisiko, denn er entsteht vorrangig dort, wo feuchtwarme Luft auf kalte Bauteile trifft.
An gedämmten Außenwänden eines Hauses hat Schimmel schlechte Chancen, weil sich die Temperatur auf der Oberfläche der Innenwand erhöht. Zudem ist es wichtig, nach einem Fenstertausch das Lüftungsverhalten anzupassen. Als Faustregel gilt: Mindestens zweimal täglich für etwa fünf Minuten bei komplett geöffneten Fenstern stoßlüften. Je mehr Menschen sich in der Wohnung aufhalten, desto häufiger sollte man lüften.
Sanierung des Kellers von der Nutzung abhängig
Raten Sie in Sachen Energieeinsparung auch zur Kellersanierung?
Da muss im Vorfeld geklärt werden, ob der Keller beheizt oder unbeheizt ist, trocken oder nass, ob man die Räume zusätzlich vielleicht als Hobby- oder Partyraum oder vielleicht als zusätzliches Homeoffice benötigt oder ob man ihn ungenutzt lässt. Besonders bei Feuchtigkeitsproblemen ist eine Sanierung sehr angeraten. Während die Sanierung eher aufwendig ist, ist das Einsparpotenzial geringer als bei der restlichen Außenfläche des Gebäudes.
Andererseits sind die Arbeiten sinnvoll für den Erhalt der Bausubstanz. Wenn man den Kellerbereich von außen nachträglich trockenlegen und dämmen will, rate ich davon ab, dies gleichzeitig rund ums gesamte Haus zu tun. Das gefährdet im schlimmsten Fall die Standfestigkeit. Also stattdessen die Wände nacheinander freilegen, abtrocknen lassen, Dichtungsanstriche und Dichtungsbahnen der unterschiedlichsten Art aufbringen, Ableitungen fürs Wasser schaffen – von der Seite und von der darüber liegenden Wand – und dann nach oben hin alles aufbauen und gut mit der Fassade verbinden. Danach kann mit der Fassadensanierung begonnen werden.
Was beim Dämmen der Fassade zu beachten ist
Wie tief in den Boden sollte die Fassadendämmung reichen?
Es sollte immer bis zum Anschluss an die Bodenplatte gedämmt werden. Ebenso wichtig sind auch der optimale Anschluss der Fenster und der luftdichte Einbau dieser. Der Traufbereich und der dauerhafte Witterungsschutz nach außen hin sind zu beachten. Das weiß aber alles Ihr baubegleitender Berater.
Welche Außenfassade und welche Dämmmaterialien wären sinnvoll einzusetzen?
Das kann man so nicht sagen. Die Auswahl ist inzwischen schon recht groß, und je nach Region wird variiert. Die einfachste und am weitesten verbreitete Art der Fassadendämmung ist ein Wärmedämmverbundsystem (WDVS). Aber auch Klinker oder Vorhangfassaden mit Dämmstoffen wie EPS, also Styropor, werden in manchen Regionen bevorzugt. Andere Hausbesitzer wählen Mineralwolle oder Holzfaser, und sogar mit Schafwolle habe ich hier in der Region schon gearbeitet. Neben den errechneten Energiespareffekten haben diese Fassadenarbeiten auch den „Nebeneffekt“ des besseren Witterungsschutzes und werten Immobilien optisch oftmals sehr entscheidend auf.
Auch eine Fußbodenheizung wird gefördert
Wird in einem alten Haus der Neubau einer Fußbodenheizung gefördert?
Ja, auch die Fußbodensanierung und damit der Heizungseinbau sind förderfähig. Man hat als Immobilienbesitzer inzwischen auch zahlreiche Wahlmöglichkeiten, was die Art der Fußbodenheizung betrifft. Diese Umbauten oder Nachrüstungen für die Wärme vom Boden aus machen die verschiedenen modernen Estricharten möglich.
Welche Heizungsarten werden gefördert?
Klimafreundliche Heizungen wie zum Beispiel Wärmepumpen, Biomasseheizungen sowie solarthermische Anlagen. Hier ist es bei der Auswahl wichtig, sich die neue gedämmte Wärmesituation der Immobilie anzuschauen und diese durch einen Experten berechnen zu lassen. Wenn Sie zahlreiche Dämmmaßnahmen durchgeführt haben oder planen, dann sollte der Heizungstausch möglichst der letzte Schritt sein.
Die Heizlast wird durch die verschiedenen Sanierungsmaßnahmen in der Regel sinken. Während man bei einer Gas- oder Ölheizung früher lieber etwas zu groß plante, reagieren Wärmepumpen empfindlicher auf Unterforderung. Deshalb muss vor der Kaufentscheidung eine sorgfältige Heizlastberechnung durch einen Experten erfolgen. Solch eine Heizlastberechnung ist auch gesetzlich vorgeschrieben, um absehbar Schäden zu minimieren.
Unser Haus steht unter Denkmalschutz, eine Dämmung der Klinkerfassade ist damit nicht möglich. Können wir was von innen tun?
Selbstverständlich und dafür gibt es verschiedenen Verfahren, die Sie mit einem Experten besprechen sollten. Derartige Einschränkungen gibt es auch bei Häusern, die an den Außenwänden Stuck haben oder andere Verzierungen. Hier kann man beispielsweise Dämmmaterial zwischen die Ziegelwände, also hinter die Fassaden blasen.
Bei den Heizungen fällt oft zuerst die Elektronik aus
Wie lange halten Heizungen im Durchschnitt? Denn für eine neue sollte man ja schon etwas Zeit haben zum Ansparen bzw. für begleitende Sanierungsmaßnahmen.
Heizgeräte halten im Durchschnitt 20 bis 30 Jahre. Der Knackpunkt bei Ausfällen ist oftmals die Elektronik. Mein Rat wäre: Machen Sie Planungen für einen Heizungstausch nie kurzfristig und besprechen Sie am besten 18 bis 12 Monate vorher mit einem Energieberater die Möglichkeiten für Ihr Haus.
Wir haben im Reihenmittelhaus in der zweiten Etage eine Gasheizung. Kann man diese durch eine Wärmepumpe ersetzen?
Ja, inzwischen gibt es sehr verschiedene Wärmepumpen. So gibt es Modelle, die die Luft über das Dach ansaugen und abgeben. In Ihrem konkreten Fall kann ich mir auch eine Variante mit Konsole auf dem Dach vorstellen. Eine dritte Möglichkeit wäre das Aufstellen im Garten und die Zuführung des Kältemittels über eine gut gedämmte Außenleitung. Lassen Sie sich hierzu von Fachleuten unabhängig beraten.
Unsere Heizung geht auch nach 30 Jahren noch bestens, ich werde diese nicht austauschen lassen, bloß weil dies Vorschrift ist. Der Wartungsmonteur hat auch gesagt, dass wir mindestens noch zehn Jahre warten können …
Sie sollten auf die Lebensdauer achten, die die verbaute Elektronik in der Regel hat. Diese versagt oft ohne Vorandrohung, und Ersatzteile sind nach Jahrzehnten meist rar. Planen Sie also frühzeitig den Heizungstausch, nehmen Sie Beratungsmöglichkeiten in Anspruch und vergleichen Sie Angebote, damit Sie nicht im Winter kalt erwischt werden, wenn die alte Heizung plötzlich kaputtgeht.
Wo gibt es weitere nützliche Informationen, wo berät die Verbraucherzentrale?
► bafa.de/beg: Hinweise zur BEG-Förderung des BAFA
► kfw.de/beg: Hinweise zur BEG-Förderung der KFW.
► energiewechsel.de: Informationen zu allen Energie-Förderprogrammen des BMWK
►verbraucherzentrale-energieberatung.de, Tel. 0800 – 809 802 400 (beides bundesweit)
►https://www.verbraucherzentrale-brandenburg.de/veranstaltungen/online, www.verbraucherzentrale-brandenburg.de/terminbuchung; Telefon: 0331 – 98 22 999 5 (jeweils Brandenburg)





