Und so ist er dann Anfang Mai ins 350 Kilometer entfernte Weserbergland gefahren, um den 1300 Euro teuren Welpen bei einer Hobbyzüchterin abzuholen. "Wir hatten Glück. Die Online-Anzeige wurde in vier Tagen 40.000 Mal angeklickt. Die Züchterin erzählte uns, dass sie pro Tag 200 Anrufe von Interessenten hat."

Hund als tierischer Gefährt für die Kinder

Und warum ein Hund? Die Kinder sollen mit einem tierischen Gefährten aufwachsen, Verantwortung übernehmen und selbstbewusstes Auftreten lernen. "Die Entscheidung war richtig", betont der Woltersdorfer Vater nach den ersten Wochen. "Unser sechstes Familienmitglied ist schon fast nicht mehr wegzudenken." Aber er räumt auch ein, dass die Erziehung des lebhaften Kerls anstrengend ist, obwohl er derzeit noch viel schläft. "Allein schon das ständige Ermahnen, Menschen nicht anzuspringen, kostet Zeit und Kraft. Er fordert uns wie ein zweijähriges Kind, und das wird dauerhaft so bleiben."
Manfred Dubbert, der am Rande der Märkischen Schweiz seit vielen Jahren Golden Retriever züchtet, muss den heutigen Hundeliebhabern erstmal ein Lob zollen. "Die Leute haben dazu gelernt. Die meisten wissen, was es bedeutet, sich einen Hund anzuschaffen." Die durch die Corona-Krise angeheizte Nachfrage macht ihm allerdings Sorgen. "Ich könnte jeden Tag unzählige Welpen verkaufen, bin bis Ende 2021 ausgebucht", sagt er. Im Internet würden derzeit die Preise explodieren. "Da werden für einen angeblichen Golden Retriever ohne Zuchtpapiere 3500 Euro bezahlt. Ich verlange zwischen 1800 und 2200 Euro und halte mich dabei an sehr strenge Zuchtregeln", betont Dubbert.
Jenen Käufern, die sich Familienhunde mit fragwürdiger Herkunft anschaffen, sei nicht klar, welchen Gefahren sie ihre kleinen Kinder damit aussetzen, warnt der Züchter. "Man weiß nie, welche Rasse da vielleicht noch mit drin ist und was die Welpen bereits erlebt haben." Er könne für die Freundlichkeit seiner Hunde die Hand ins Feuer legen. "Sie gehen jedem Streit aus dem Weg. Das ist durch Züchtung seit Generationen drin."
Dubbert erzählt, dass der Handel mit Welpen für ihn eine Leidenschaft sei, kein Geschäft. "Ich will nur meine Unkosten wieder hereinholen." Die Aufzucht eines Wurfes bedeutet zwei Monate Arbeit. Zehn bis 20 Tiere gibt er pro Jahr ab. Wegen der großen Nachfrage jetzt die Preise zu erhöhen, kommt für ihn aus moralischen Gründen nicht in Frage. Leuten, die über einen Vierbeiner nachdenken, gibt er mit auf den Weg: "Ein Hund muss erzogen werden. Eine Person im Haushalt muss dafür viel Zeit haben." Wer in Zeiten coronabedingter Häuslichkeit entsprechende Kapazitäten hat, möge bedenken, dass sich das wieder ändern kann.

Hunde als Trostspender in der Krise

Das Tierheim Berlin kann der Pandemie sogar etwas positives abgewinnen. "Unsere Hunden und Katzen sind Profiteure der Corona-Krise", freut sich Sprecherin Annette Rost. Obwohl das Heim im Interesse der Sicherheit seiner Mitarbeiter nach wie vor für Besucher geschlossen ist, habe man auch für sonst schwer vermittelbare Vierbeiner in den vergangenen Monaten liebevolle neue Besitzer gefunden. "Die Nachfrage ist groß. Das freut uns sehr. Viele Menschen besinnen sich gerade jetzt darauf, dass Haustiere großartige Gefährten sein können sowie Trostspender, wenn man viel allein ist", sagt Annette Rost.
Gleichzeitig dürfe die Anschaffung eines Hundes keine emotionale Adhoc-Entscheidung sein. "Wir führen mit allen Interessenten zunächst lange Gespräche. Den Tieren wäre nicht geholfen, wenn sie nach einiger Zeit wegen Überforderung der neuen Besitzer wieder abgegeben werden." Rico Lange vom  Landestierschutzverband Brandenburg appelliert indes an das Gewissen von Menschen mit Hundewunsch, trotz leergefegten Marktes nur Tiere von seriösen Züchtern zu kaufen. "Nehmen Sie nicht den Erstbesten! Welpen, die von illegalen Händlern in Kartons von Markt zu Markt transportiert werden, sind verstört." Lange plädiert außerdem dafür, sich nicht auf Welpen zu versteifen. "Geben Sie ruhig einem älteren Hund aus einem Brandenburger Tierheim eine Chance!"

Überschrift Infokasten diesmal zwei Zeilen