Hochwasser in Brandenburg: Wie Schäden durch Überschwemmung minimiert werden können

Sandsäcke sollen eine Gaststätte in Lebus vor dem drohenden Hochwasser schützen. Die Kleinstadt etwa zehn Kilometer nördlich von Frankfurt (Oder) liegt direkt am deutsch-polnischen Grenzfluss Oder. In Lebus gibt es keinen Deich, der die Häuser vor Hochwasser schützt.
Patrick Pleul/dpa- Hochwasser in Brandenburg: Steigende Pegelstände an der Oder, Alarmstufe III ab Montag erwartet.
- Frankfurt (Oder) richtet Sandsack-Ausgabestellen ein, Spundwand soll Wasser abhalten.
- Sicherheitstipps: Elektrik und Heizungen bei Hochwasser abschalten, Notfallgepäck bereithalten.
- Heizöltanks und Wärmepumpen gefährdet; Notfallmaßnahmen empfohlen.
- Vorbereitung auf Evakuierung nötig, Notruf 112 bei Gefahr wählen.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Ratzdorf (plus 32 Zentimeter), Eisenhüttenstadt (plus 50 Zentimeter), Frankfurt (Oder) (plus 57 Zentimeter) – so sind die Wasserstände der Oder von Mittwochabend auf Donnerstagabend (19. September) innerhalb von 24 Stunden gestiegen. Und diese Tendenz hält an.
Nach der Hochwasserinformation des Landesumweltamtes vom 19. September ist ab Montag, 23. September, an der Oder ein Überschreiten der Alarmstufe II zu erwarten. Danach sollen die vorhergesagten Wasserstände stark ansteigen, sodass innerhalb von 24 Stunden ein Überschreiten der Alarmstufe III möglich ist.
Dieser starke Anstieg lasse sich mit der Ankunft der Hochwasserwelle der polnischen Oder erklären, heißt es weiter. „Die Modellergebnisse zeigen am Pegel Ratzdorf ab Dienstag, 24. September, sogar eine Überschreitung der Alarmstufe IV an.“ Die Krisenstäbe in den Kommunen an der Oder bereiten sich darauf vor.
Unterstützung für die Anwohner
So hat die Stadt Frankfurt eine Hotline für Anwohner geschaltet und Ausgabestellen für Sandsäcke eingerichtet. Auch eine Spundwand wurde aufgestellt, die das Wasser aufhalten soll. Oberbürgermeister René Wilke sagte mit Blick auf noch stark schwankende Prognosen: „Wir bereiten uns auf das vor, was eine Stufe höher ist als zu dem, was wir momentan wissen, um lieber präventiv besser aufgestellt zu sein.“
Denn auch wenn viele Frankfurter das Jahrhunderthochwasser 1997 miterlebt haben – Unterstützung können die Einwohner der Stadt und der benachbarten Kommunen in Oder-Spree bei der Sicherung ihres Eigentums dennoch gebrauchen.
Empfehlungen zum Schutz des Zuhauses
Jedenfalls hat Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) mit Blick auf die aktuelle Hochwasserlage in Brandenburg vor Leichtfertigkeit gewarnt. Zur Eröffnung der Messe FIREmobil in Welzow (Spree-Neiße) am Donnerstag, 19. September, betonte er gegenüber zahlreichen Einsatzkräften von Feuerwehr, Technischem Hilfswerk und Bundeswehr: „Vorbereitung ist der beste Schutz“. Was Betroffene bei Hochwassergefahr tun können, um ihr Zuhause zu schützen, dazu hat das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe Empfehlungen aufgelistet.
Gefahr eines Stromschlags
Ganz wichtig: Wenn Hochwasser eintritt, unbedingt alle elektrischen Geräte und Heizungen ausschalten, um die Gefahr eines Stromschlags zu vermeiden. Wenn möglich, sollten die Sicherungen des ganzen Gebäudes herausgedreht werden.
Energieversorger EWE Netz weist darauf hin, dass elektrische Anlagen in der Regel nicht für den Betrieb unter Wasser ausgelegt sind. Darum sollte man Gehäuse von elektrischen Anlagen und Geräten auf keinen Fall berühren und Steckdosen im betroffenen Bereich nicht benutzen. Auch Metallteile im überfluteten Bereich sollten nicht berührt und Schalter nicht betätigt werden.
Vorsicht in Kellerräumen
Danilo Fox, Pressesprecher beim Energiedienstleister Edis, verweist darauf, dass Hochwasser als Ereignis höherer Gewalt eingestuft wird. In diesem Fall erlischt die allgemeine Stromversorgungspflicht des Energiedienstleisters und Netzbetreibers.
„Je nach Notwendigkeit wird der örtliche Netzbetreiber die Stromversorgung rechtzeitig abschalten, damit es in überfluteten Gebäuden – besonders in Kellerräumen – nicht zu gefährlichen Kurzschlüssen oder lebensgefährlichen elektrischen Durchströmungen kommen kann.“ Auch der Edis-Pressesprecher weist darauf hin, „dass überflutete elektrische Anlagen und Betriebsmittel wie der Hausanschlusskasten, der Verteilerschrank und die Zähleranlagen, etc. insbesondere im Kellerbereich eine Gefahr für Leib und Leben darstellen“.
Die Netzgesellschaft Frankfurt (Oder) weist darauf hin, dass Batteriespeicher, die in überschwemmten Bereichen stehen oder standen, eine Gefährdung darstellen. Diese dürften auf keinen Fall selbst wieder in Betrieb genommen werden. Dazu müsse immer einen Fachbetrieb hinzugezogen werden. Generell sollten nach dem Hochwasser elektrische Anlagen nicht selbst geschaltet werden, warnt die Netzgesellschaft. Sie empfiehlt nach Ablaufen des Wassers einen Elektroinstallateur mit Reparaturen bzw. der Inbetriebnahme der elektrischen Anlage und eventuell durchnässten Geräte zu beauftragen. Andernfalls bestehe die Gefahr eines elektrischen Schlages oder eines Brandes.
Heizöltanks stellen bei Hochwasser ebenfalls eine große Gefahr dar. Öl ist bekanntlich leichter als Wasser. Wenn die Tanks nicht fest verankert sind, schwimmen sie auf. Dabei können auch Leitungen reißen, das Heizöl entweicht und verunreinigt das Wasser. Schon ein Tropfen Heizöl kann rund 600 Liter Wasser kontaminieren. An Bausubstanz und Umwelt können durch Heizöl größere Schäden entstehen.
Wärmepumpe – Stecker ziehen, Heizkreis absperren
„Wichtig ist, bei Gefahr einer Überschwemmung die Wärmepumpe abzuschalten“, sagt Katja Weinhold vom Bundesverband Wärmepumpe. Zwar stehe sie nicht die gesamte Zeit unter Strom, sondern schalte sich nur zum Heizen ein. Aber sicherer sei es, sie bei Gefahr lieber vollständig abzuschalten. Wärmepumpen sind an wasserführende Heizsysteme und Warmwasserleitungen angeschlossen. Deshalb sollten nach dem Abschalten auch der Heizkreis abgesperrt und die Absperrventile sicherheitshalber geschlossen werden, falls Heizkörper abgerissen werden.
Dringt doch einmal Wasser in die Wärmepumpe ein, ist sie aber nicht zwangsweise gleich kaputt. „Bei intakter Elektrik trocknet sie ab und kann später wieder in Betrieb genommen werden“, sagt Katja Weinhold. Auch die Mechanik sei nicht so empfindlich, dass sie schnell ausfällt. „Allerdings sollte lieber ein Fachmann draufgucken, wenn das Gerät voll Wasser gelaufen war, ehe es wieder angeschaltet wird“, rät sie.
Gasanschluss – Absperrhahn schließen, später Fachmann holen
Für Menschen, die in ihren Häusern einen Gasanschluss haben und ihr Heim wegen Hochwassergefahr verlassen, rät die Netzgesellschaft Frankfurt (Oder), vorher den Gasabsperrhahn des Hausanschlusses und den Zählerabsperrhahn zu schließen und die Gasheizung auszuschalten.
Nach dem Hochwasser sollten auch mit Gas betriebene Anlagen nicht selbst eingeschaltet werde. Auch hier wird dringend dazu geraten, nach Ablaufen des Wassers einen Fachbetrieb mit Reparaturen und der erforderlichen Druckprobe zu beauftragen. Die Überprüfung des Gashausanschlusses und des Gaszählers veranlasse die Netzgesellschaft schnellstmöglich nach Ende der Hochwasserlage.
Eine Bitte haben Versorger und Netzbetreiber in jedem Fall an alle Menschen, die ihre Häuser verlassen: Sie sollten auch in ihrer Abwesenheit etwa durch Nachbarn sicherstellen, dass ihre Immobilie zugänglich ist. Oder eine Telefonnummer gut sichtbar am Haus anbringen.
Notfallgepäck sollte parat stehen
An von Hochwasser Betroffene appelliert das Bundesamt, von Wasser gefährdete Räume, Uferbereiche und überflutete Straßen zu meiden. „Beachten Sie Absperrungen. Bereiten Sie sich auf eine Evakuierung vor“, heißt es in den Empfehlungen weiter. Parat haben sollte man ein Notfallgepäck mit wichtigen Medikamenten und Dokumenten, Wechselkleidung, Taschenlampe und ausreichend Wasser. Und nicht zu vergessen: Bei einem Notfall den Notruf der Feuerwehr 112 wählen! (mit dpa)



