Immobilien in Berlin: Anstieg um 11.000 Prozent – das kosten Monopoly-Grundstücke heute

Spiel um Immobilien: Beim Brettspiel Monopoly geht es um den Kauf und Verkauf von Grundstücken. Hier die Edition von Hasbro aus dem Jahre 2001.
Kerstin BechlyNirgends ist es so leicht, Grundstücke zu kaufen und darauf Häuser zu bauen, wie beim Brettspiel Monopoly. Mit ein paar Würfelzügen und Spielgeld kann man Immobilien-Besitzer in den besten City-Lagen werden. Die erste deutsche Ausgabe des US-Klassikers von 1936 basiert auf authentischen Straßen und Plätzen in Berlin.
Eine neue Studie der Tourismusplattform Meersburg24 hat die aktuellen Grundstückspreise von Monopoly-Straßen anhand der heutigen Bodenrichtwerte ermittelt. Das nach derzeitigen Preisen teuerste Grundstück wäre in der dunkelgrünen Hauptstraße, die mit der Leipziger Straße in Berlin-Mitte gleichzusetzen ist. 1953 kostete die Hauptstraße bei Monopoly 300 DM (Deutsche Mark). Nach den aktuellen Bodenrichtwerten wäre ein rund 400 Quadratmeter großes Grundstück dort heute etwa 4,8 Millionen Euro wert.
Immobilien in Berlin – Moabit bleibt günstig
Das günstigste Pflaster aber bleibt weiterhin die Badstraße, welche die Huttenstraße in Berlin-Moabit als Vorbild hat – mit 680.000 Euro für ein 400 Quadratmeter großes Grundstück. „Verglichen mit dem Monopoly-Grundstückswert von 1953 von 60 DM, trotzdem eine unglaubliche Steigerung“, heißt es in der Studie.
Während in der heute bekanntesten Version von Monopoly, die im Jahre 1953 erschien, Straßen zwischen 60 und 400 Deutsche Mark kosteten, würden Grundstücke dort heute zwischen 680.000 Euro und 4,8 Millionen Euro kosten. Eine Steigerung von über 11.000 Prozent.
Um die heutigen Grundstückspreise festzustellen, hat der Tourismus-Experte Max Thum, Betreiber des Stadtportals Meersburg24, die Fantasie-Straßennamen der deutschen Version wie zum Beispiel Opernplatz, Goethestraße, Parkstraße und Schlossallee von 1953 den echten Berliner Straßen aus dem ersten Spiel von 1936 zugeordnet. Anschließend wurden die Bodenrichtwerte von 2024 der Stadt Berlin für die jeweilige Straße auf ein 400 Quadratmeter großes Grundstück hochgerechnet.
Platz zwei und drei der teuersten Monopoly-Straßen teilen sich heute mit jeweils 4,4 Millionen Euro die dunkelgrüne Bahnhofstraße, im Original Unter den Linden in Berlin, und die hellblaue Poststraße, im Original Alt-Moabit in Berlin. Während die Bahnhofstraße 1953 die drittteuerste Straße mit 320 DM war, gehörte die Poststraße mit 120 DM zu den günstigsten Straßen bei Monopoly.

Die Studie ermittelt die heutigen Grundstückspreise von Monopoly anhand von Bodenrichtwerten der Stadt Berlin.
Max Thum/Meersburg24Plätze vier bis sechs teilen sich die pinke Neue Straße (heute Otto-Braun-Straße) und die zwei orangefarbenen Straßen, Münchener Straße (heute Alexanderstraße) und Berliner Straße (heute Karl-Marx-Allee), mit jeweils einem Grundstückswert von vier Millionen Euro.
Im Verhältnis zu den anderen Gegenden ist die Turmstraße, welche heute noch unter gleichem Namen in Berlin existiert, mit einem Grundstückswert von 840.000 Euro, zumindest für Berliner Verhältnisse, günstig geblieben.
Monopoly von den Nazis verboten
Laut dem Deutschen Spielearchiv in Nürnberg wurde Monopoly über 90 Jahre in 110 Länder verkauft. Eine internationale Besonderheit des aus Amerika stammenden Spiels seien die Benennung von authentischen Straßen auf dem Spielbrett. Die amerikanische Vorlage wählte das Zockerparadies Atlantic City, die Franzosen bekamen Paris und die Italiener wählten statt Rom lieber Mailand.
Tatsächlich sei die klassische deutsche Version, die ab 1953 produziert wurde, die einzige Länderausgabe mit fiktiven Straßennamen. Das Vorkriegs-Spiel mit den echten Berliner Straßennamen, die man 1936 noch mit Spielgeld-Reichsmark erwerben konnte, wurde von den Nationalsozialisten verboten. „Die vorerst letzte Erwähnung findet Monopoly im Schmidt-Spiele Katalog von 1938“, heißt es in einem historischen Abriss des Spielarchivs der Nürnberger Museen.

Monopoly wurde in den vergangenen 90 Jahren in 110 Ländern verkauft.
Kerstin BechlyAuch in der DDR war das „kapitalistische“ Brettspiel wie im gesamten Ostblock nicht erhältlich. Bis heute gibt es laut Spielarchiv keinen Vertrieb in Kuba und Nordkorea. Doch obwohl selbst die Einfuhr im Westpaket verboten war, wurde auch in der DDR Monopoly gespielt. Viele bauten sich das Spiel so wie andere Gesellschaftsspiele einfach nach.
Doch auch im Westen blieb man, wahrscheinlich auch wegen der Teilung der Stadt Berlin, lieber bei den 1950er-Jahren Fantasienamen. Heute kann man im Internet neben der altbekannten Version Monopoly Classic das Spiel mit regionaler Variante bestellen. Bei der Deutschland-Edition stehen statt Opernplatz, Parkstraße und Co. zum Beispiel das Lübecker Holstentor oder die Würzburger Residenz zum Verkauf.
Das im deutschen Monopoly-Klassiker von 1953 teuerste Grundstück war mit 400 DM übrigens die Schlossallee. Im Original von 1936 ist die Insel Schwanenwerder dafür das Vorbild. Laut Jürgen Schöppy vom Brettspielmuseum in Nordrhein-Westfalen kursiert bis heute das Gerücht, dass der damalige NS-Propagandaminister Joseph Goebbels unter anderem Monopoly verbieten ließ, weil er selbst auf Schwanenwerder wohnte.
Heute hat Schwanenwerder in Nikolassee im Bezirk Steglitz-Zehlendorf einen Bodenrichtwert von 1900 Euro pro Quadratmeter und ist nach den aktuellen Preisen mit einem Grundstückswert von 760.000 Euro im Vergleich zu den anderen Berliner Monopoly-Straßen und -Plätzen der zweitgünstigste Ort.


