Interview: Bernhard Brink: „Wie ein Klassentreffen“

Urgestein: Bernhard Brink ist auch als Moderator tätig.
Ulle Hadding/MDR/Sony MusicHerr Brink, rund 20 000 Fans fiebern dem Schlagerhammer auf der Galopprennbahn Hoppegarten an diesem Sonnabend entgegen. Sie sind einer der Künstler, die dort auf der Bühne stehen werden, neben Michelle, Ella Endlich, Beatrice Egli oder Dschingis Khan. Ist das für Sie nach all den Jahren im Showgeschäft nur noch Pflicht oder immer noch auch ein wenig Kür?
Das ist ja jedes Mal auch ein kleiner Wettbewerb zwischen den Interpreten, dass du da gut ankommst. Da ist schon eine gewisse Anspannung da. Grundsätzlich ist das wie ein Klassentreffen mit vielen Kollegen.
Nun trauert die Schlagerbranche um einen ganz Großen — Costa Cordalis. Wirkt sein Tod auch bei Events wie dem Schlagerhammer nach oder legen Sie als Profi einfach den Schalter im Kopf um, wenn die Scheinwerfer angehen?
Das gehört natürlich auch zu einem Profi dazu, gar keine Frage. Es muss ja weitergehen, das Leben geht immer weiter. Aber man spricht natürlich darüber, weil in letzter Zeit so viele von uns gehen, und ich bin von den ganzen Alten noch der Jüngste, der mit Costa in der Hitparade zusammen war, fast 40 Jahre. Auf der Bühne macht dann aber jeder sein Ding.
Wie intensiv haben Sie Costa Cordalis kennengelernt — und wann hatten Sie das letzte Mal mit ihm Kontakt?
Ich habe Tourneen mit ihm gemacht, er war bei meiner Hitparade in der zweiten Folge mit dabei. Wir kennen uns von vielen Veranstaltungen. Ich hab’ ihm, als er jetzt krank wurde und ich gehört habe, dass er im Krankenhaus liegt, eine SMS geschrieben. Es kam wochenlang keine Antwort, da war mir klar, dass es ihm nicht so gut ging. Dann kam er raus und ich hörte dann, dass es ihm wieder besser ging und dann kam auch eine Antwort auf meine SMS — „Danke Bernie, Dein Costa“ — das fand ich total nett. Vier Wochen später erfahre ich dann, dass er tot ist — das war ein echter Schock.
Welchen Stand hat der deutsche Schlager in einer globalisierten Musikwelt?
Durch die mediale Entwicklung hat sich vieles verändert. Aber der Schlager ist noch eine feste Bastion, das muss man ganz klar sagen. Was ich immer wieder anprangere und was mich traurig macht, ist, dass die öffentlich–rechtlichen Sender zum Teil fünf Programme haben und keines davon spielt mehr Schlager.
Meine 20–jährige Tochter hört Schlager — hat der Schlager mittlerweile alle Generationen erfasst?
Ja. Junge Leute gehen unverkrampft mit dem Schlager um und haben Spaß daran. Das ist schon erstaunlich und das finde ich eine tolle Entwicklung.
Sie gehen langsam auf die 70 zu. Am Sonnabend wird Marianne Rosenberg für ihr Lebenswerk geehrt — mit 64 Jahren. Steht solch ein Preis bei Ihnen schon im Regal?
Nein, ich mache ja noch sehr aktuelle CDs. Ich nehme mal für mich in Anspruch, dass die Leute mich noch zu den aktuellen Stars zählen. Da ich sehr moderne Sachen mache, kann ich auf das Lebenswerk noch verzichten, weil das bedeutet ja auch immer so ein bisschen: „So, jetzt kannst du langsam gehen.“
Sie haben sich also nicht irgendwo ein Ziel gesetzt: Mit 75 Jahren ist Feierabend ...
Eine Zahl gibt es nicht. Du kannst mit 75 gut drauf sein oder labil. Udo Jürgens hat mit 80 Jahren erstmals gemerkt, dass Zwei– oder Zweieinhalb–Stunden–Programme doch sehr anstrengend sind. Dann hat er zum ersten Mal losgelassen, und kaum hat er das getan, da war er plötzlich tot. Für ihn war das sicher ein sehr schöner Tod, für seine Fans und uns Kollegen eine echte Überraschung. Denn wir haben alle Angst vor den Dingen, die dann im Alter passieren, wenn man plötzlich nicht mehr Herr seiner Sinne ist. Deshalb: Solange es gut geht und ich mich gut fühle, geht es weiter. Und ich hoffe, ich merke und erkenne den Augenblick, wenn es Zeit ist zu sagen: Das war es jetzt. Noch geht mir das Moderieren und das Singen gut von der Hand. Ich halte mich fit und spiele Tennis.