Aktuell arbeiten etwa 10.000 Menschen für das Tesla-Werk in Grünheide. 12.000 sollen es in der ersten Ausbaustufe einmal werden. Für die Arbeitsagentur war die Fabrik bislang ein wichtiger Partner: 1400 Arbeitslose konnten an den US-Autobauer vermittelt werden. Die Hälfte davon waren langzeitarbeitslos.
Doch langsam gerät die Arbeitskraft-Akquise ins Stocken. Nach Angaben der Arbeitsagentur Frankfurt (Oder) bekommt Tesla zunehmend Probleme bei der Suche nach Personal. Gesucht würden Instandhalter, Elektriker, Maschinen- und Anlagenführer, Schichtleiter und Meister, sagte Agenturchef Jochem Freyer der Deutschen Presse-Agentur. Seit rund einem Jahr produziert Tesla in Grünheide bei Berlin Elektroautos.

Bekämpfung des Fachkräftemangels fängt in der Schule an

Der Fachkräftemangel ist ein Dauerthema. So auch wieder bei der jährlichen Pressekonferenz des Unternehmerverbands Berlin-Brandenburg (UVB). Der wichtigste Weg geht laut Hauptgeschäftsführer Christian Amsinck weiterhin über die Ausbildung des Nachwuchses. Doch einem Unternehmen koste beispielsweise ein Mechatroniker-Azubi für drei Jahre insgesamt 70.000 Euro. Daher sei die Ausbildungsfähigkeit ein zentrales Thema. „Das kann die Schule häufig nicht erfüllen“, kritisiert Amsinck. Einerseits reiche die Berufsorientierung noch nicht aus, andererseits würde der individuelle Förderbedarf nicht genügend erfüllt.
Sein Stellvertreter Alexander Schirp setzt Hoffnung auf die Novellierung des Fachkräfteeinwanderungsgesetzes zum Ende des Jahres. Damit sollen die bürokratischen Hürden zur Einstellung ausländischer Arbeitskräfte gedeckt werden. „Das ist die zweite große Säule neben der Förderung des eigenen Nachwuchses.“

4-Tage-Woche auch für den Supermarkt-Kassierer?

Schirp sieht zudem weiteren Diskussionsbedarf über die Arbeitskultur der Zukunft und spielt auf die Forderung nach „mehr Bock auf Arbeit“ an, die der Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände (BDA), Steffen Kampeter, kürzlich äußerte. Lassen sich eine Vier-Tage-Woche oder Teilzeit vor dem Hintergrund des leergefegten Arbeitskräftemarkts wirklich durchsetzen? Und wenn ja, für wen? „Wir sind in einem Szenario mit tollen Ideen für die obere Hälfte der Beschäftigten. Die andere Hälfte schaut staunend von der Supermarktkasse und dem Pflegebett zu.“

Tesla ist Gamechanger für Brandenburg

Insgesamt ist die Geschäftslage der Unternehmen in Brandenburg und Berlin durchwachsen und das Wirtschaftswachstum deutlich gebremst. Besonders die Chemieindustrie habe aufgrund der Energiepreise und des Rohstoffmangels Schwierigkeiten. Andere Branchen wie der Metall- und Elektrobereich bewerten die Lage deutlich besser.
Was an der Bilanz des UVB noch auffällt: Das Wirtschaftswachstum in Brandenburg ist weniger stark als in Berlin eingebrochen. Die Mark verzeichnet mit einem Prozent das doppelte der Hauptstadt und liegt zudem deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 0,2 Prozent. Das, so sieht es die UVB-Spitze, habe wiederum mit der Gigafactory in Grünheide zu tun. „Tesla war ein Gamechanger und hat den Blick auf Brandenburg verändert.“ Gerade im Bereich Mobilität bringe Brandenburg laut Amsinck jetzt „deutlich mehr in die Waagschale.“ Er plädiert dafür, die Zusammenarbeit zwischen Brandenburg und Berlin zu verstärken.
Nach Ansicht der Brandenburger Landesregierung ist Tesla ein Zugpferd für Investoren. „Das Unternehmen ist heute der größte industrielle Arbeitgeber und Ausbildungsbetrieb im Land Brandenburg. Ein Vorhaben dieser Größe stärkt den Industriestandort und schafft Arbeitsplätze in einem zukunftsfähigen Feld“, sagte Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD). „Das zieht weitere Ansiedlungen nach sich, bei Zulieferbetrieben, aber auch darüber hinaus.“ In Brandenburg sei die gesamte Wertschöpfungskette von der Anoden- und Kathoden- sowie Zellfertigung bis hin zum fertigen Modul und zum Batterierecycling vertreten.