Kind adoptieren in Brandenburg: In welchem Kreis die meisten Kinder adoptiert werden

Nicht jedes Kind in Brandenburg wächst mit seiner leiblichen Familie auf. Eine Adoption kann dann infrage kommen. Sogar für Säuglinge suchen Adoptionsvermittler ein sicheres Zuhause. (Symbolbild)
Marcus Brandt/dpaIn Brandenburg hat nicht jedes Kind die Möglichkeit, mit seiner leiblichen Familie aufzuwachsen. Damit diese Kinder dennoch in einem behüteten Umfeld groß werden, prüfen Adoptionsvermittler Bewerber, die ein Mädchen oder einen Jungen aufnehmen möchten, nach strengen Kriterien.
Trotzdem gab es in Brandenburg zuletzt so viele Adoptionen wie in den zurückliegenden zehn Jahren nicht. Konkret waren es 2022 insgesamt 141. Die Adoptionsvermittlungsstelle Potsdam, die auch für die Landkreise Potsdam-Mittelmark, Havelland, Teltow-Fläming und die Stadt Brandenburg zuständig ist, sieht dafür zwei Gründe.
Erstens gibt es eine wachsende Bevölkerung in Brandenburg, zweitens wurde das Adoptionshilfegesetz 2021 überarbeitet, das seitdem auch gleichgeschlechtlichen Paaren ermöglicht, ein Kind zu adoptieren.
Anzahl der Adoptionen in Brandenburg bis 2022
In welchem Landkreis die Adoption dokumentiert wird, hängt vom Wohnort der Adoptiveltern ab. „Wenn eine Mutter ihr Kind in Cottbus zur Adoption freigibt und die Adoptiveltern aus Potsdam kommen, zählt die Adoption für die Stadt Potsdam“, heißt es aus der Adoptionsvermittlungsstelle (AVS) Spree-Neiße und Cottbus. Auch wenn die Zahlen der einzelnen Kreise nie genau vorhersehbar sind, gibt es im Speckgürtel rund um Berlin die meisten Adoptionen. Im Jahr 2022 lag der Landkreis Oberhavel mit 19 ganz vorn.
Dass die Adoptionszahlen um Berlin und Potsdam höher sind, bestätigt die gemeinsame Adoptionsstelle Potsdam. Aber „es ist anzumerken, dass am Beispiel Potsdam eine Adoptionsvermittlungsstelle für mehrere Landkreise arbeitet und zuständig ist“. Dies könne dazu führen, dass die Vermittlungszahlen in Potsdam höher erscheinen. Genaue Gründe für die Zahlen einzelner Kreise zu nennen, sei jedoch schwierig.
Auffällig ist beim Blick auf die Karte aber, dass die Kreise mit den höchsten Bevölkerungszahlen tendenziell höhere Adoptionszahlen aufweisen – und dabei handelt es sich genau um jene Kreise, die an Berlin grenzen, also um den Speckgürtel. Dies war nicht nur 2022, sondern auch 2021 der Fall.
Eine Adoption taucht übrigens erst dann in Datensätzen auf, wenn ein Gericht sie für rechtskräftig erklärt. Es kann also vorkommen, dass ein Kind längst vermittelt ist, die Adoption aber erst im Jahr danach in der Statistik dokumentiert wird. Bis sie rechtens ist, braucht es Zeit und Geduld. Ebenso ausschlaggebend ist es, wann ein Bewerberprofil zu einem Kind passt. Im Schnitt dauert der Prozess neun bis zwölf Monate.
Unterschied zwischen Stiefkind und Fremdadoptionen
Dabei muss allerdings zwischen Stiefkind- und Fremdadoptionen unterschieden werden. Letzteres meint die Aufnahme eines Kindes, mit dem beide Elternteile nicht verwandt sind. Hinzu kommen internationale Adoptionen. Diese werden von der Zentralen Adoptionsstelle Berlin-Brandenburg (ZABB) betreut. Für das Jahr 2022 „liegen die Zahlen in der Region Brandenburg-Berlin hier im unteren einstelligen Bereich“, erklärt Ulrike Grönefeld, Pressesprecherin des Ministeriums für Bildung, Jugend und Sport im Land Brandenburg.
Arten von Adoptionen
● Fremdadoption: Zwischen Adoptivkind und Herkunftsfamilie existiert kein Verwandtschaftsverhältnis mehr. Für die leiblichen Eltern heißt das: Es bestehen keine Rechte und Pflichten mehr gegenüber dem Kind. Die Adoptiveltern bekommen mit der Adoption die volle rechtliche Elternstellung für das Kind.
● Stiefkindadoption: der Großteil der Adoptionen in Deutschland. Es wird das leibliche Kind der Partnerin oder des Partners adoptiert.
● Auslandsadoption: koordiniert über die zentrale Adoptionsstelle des Landesjugendamtes. Ehepaare durchlaufen mehrere Eignungsprüfungen.
● Verwandtenadoption: Ein verwandtes Kind wird adoptiert – also zum Beispiel ein Neffe oder eine Nichte.
● Pflegekindadoption: meint die Adoption eines Pflegekindes durch die Pflegeeltern.
● Sukzessivadoption: gilt für Ehepartner, die ein Kind annehmen, das der jeweils andere Ehepartner bereits vor der Ehe adoptiert hat.
Was lässt sich über das Alter der in Brandenburg adoptierten Kinder sagen? Zunächst einmal, dass fremdadoptierte Kinder häufig jünger sind, als Kinder, die von einem Stiefelternteil aufgenommen werden. Wie alt das Kind bei einer Fremdadoption ist, hängt natürlich davon ab, wann die Mutter das Kind zur Adoption freigibt.
„Manchmal passiert das während der Schwangerschaft, manchmal versucht die Mutter den gemeinsamen Weg mit Kind zu meistern und stellt nach einem Jahr oder zwei Jahren fest, dass es nicht klappt“, so die AVS Spree-Neiße und Cottbus.
Bei Stiefkindadoptionen ist das anders. Stiefelternteile treten in unterschiedlichen Altersstufen in das Leben des Kindes. Viele dieser Kinder befinden sich daher zum Zeitpunkt der Adoption bereits im schulfähigen Alter. Aber Stiefkindadoptionen von Säuglingen oder Kleinkindern sind dennoch nicht ausgeschlossen.
Für beide Adoptionswege, Fremd- oder Stiefkindadoptionen, gilt: Adoptiveltern müssen sich an die gleichen, strengen Voraussetzungen halten. Das sei wichtig, denn „eine Adoption ist für immer“, so die AVS Spree-Neiße und Cottbus. Der Fokus, auf den die Adoptionsstellen Wert legen, sei aber unterschiedlich, da bei Stiefeltern bereits eine Bindung zum Kind bestehe.
Voraussetzungen für eine Adoption in Brandenburg
Ein Adoptionsprozess wird von der zuständigen Adoptionsvermittlungsstelle intensiv begleitet. Um gewährleisten zu können, dass das Kind sorgenlos und behütet aufwächst, gelten folgende Kriterien:
● Mindestalter 25 Jahre: In einer Ehe kann ein Partnerteil auch erst 21 Jahre alt sein. „Die Annahme eines Kindes durch eine alleinstehende Person bedarf der besonders eingehenden Kindeswohlprüfung“, teilt die AVS Oder-Spree und Frankfurt (Oder) mit.
● Nachweis finanzieller Stabilität: „Von den Bewerbern muss der Nachweis erbracht werden, dass ein Aufwachsen des Kindes in seiner Familie ökonomisch abgesichert ist“ erklärt die AVS Oder-Spree und Frankfurt (Oder).
● Polizeiliches Führungszeugnis und ärztliches Gesundheitszeugnis: Liegen dennoch gesundheitliche Probleme oder Einträge im polizeilichen Führungszeugnis vor, wird im Einzelfall entschieden, ob die Bewerber ein Kind adoptieren dürfen. „Ausschlusskriterien sind Suchtverhalten oder Straftaten wegen Kindesmissbrauchs“, erklärt die gemeinsame Adoptionsstelle Oberhavel, Barnim und Märkisch-Oderland.
● Offener Umgang mit dem Kind: Eine Bewerberfamilie sollte offenen mit der Adoption umgehen, um das Kind über seine Herkunft aufzuklären.


