Klosterstraße in Berlin-Spandau
: Von Tempo 30 wieder auf 50 – steigt Unfall-Gefahr erneut?

Vor fünf Jahren wurde auf der Klosterstraße nahe dem Rathaus Spandau Tempo 30 eingeführt. Dies könnte bald wieder rückgängig gemacht werden. Doch es gibt Bedenken.
Von
Jessica Neumayer
Spandau
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Tempo 30 in der Klosterstraße in Berlin-Spandau könnte bald wieder Geschichte sein – und erneut von Tempo 50 abgelöst werden. Es gibt Argumente dafür und dagegen.

Jessica Neumayer

Sie ist einer der großen Verkehrsknotenpunkte in Spandau: Wer aus dem Süden Spandaus Richtung Altstadt möchte, fährt über die Klosterstraße. Pendler aus dem Norden, die ohne große Umwege zur Heerstraße/B5 wollen, kommen auch nicht drumherum, über diese Straße zu fahren. Bisher müssen Autofahrende dies noch mit reduzierter Geschwindigkeit machen. Doch das könnte sich bald ändern.

Seit 2019 heißt es Tempo 30 auf verschiedenen Hauptstraßen in Berlin. Eine davon ist die Klosterstraße in Spandau – auf dem Abschnitt vom Brunsbütteler Damm bis Pichelsdorfer Straße. Ziel der Maßnahme: Emissionen reduzieren, Luft verbessern. Der Plan ging auf. Anfang Februar 2024 verkündet die Senatsverwaltung für Verkehr, dass sich die Messwerte verbessert haben. Tempo 30 kann aufgehoben werden.

Unfallkommission prüft Klosterstraße

„Seit 2020 können stadtweit alle derzeit geltenden Luftqualitätsgrenzwerte eingehalten werden“, heißt es in der Pressemitteilung der Senatsverwaltung. Auf vielen Straßen Berlins seien die Grenzwerte von 40 Mikrogramm Stickstoffdioxid pro Kubikmeter Luft nicht nur eingehalten, sondern unterschritten worden. Mit einem Stickstoffdioxid-Messwert von 28 gehört auch die Klosterstraße zu den Straßen, für die eine Tempo-30-Maßnahme nicht mehr gelten muss – zumindest aus rechtlicher Sicht.

Es gibt auch Argumente, die Tempo-50-Verfechtern einen Strich durch die Rechnung machen könnten. Denn die Unfallkommission prüfe die Strecke zusätzlich. „Tempo 30 wird künftig dort aufrechterhalten, wo es Unfallschwerpunkte gibt“, teilt Britta Elm, Pressesprecherin der Senatsverwaltung für Verkehr, mit. Wenn sich Kitas, Schulen oder Pflegeeinrichtungen an der Strecke befinden, spräche dies ebenfalls dafür, Tempo 30 beizubehalten.

Tempo 50 als Verkehrsrisiko

Roland Stimpel Pressesprecher von Fuss e. V., sieht Tempo 50 als einen Rückschritt. „Die Zahl der schweren Unfälle ist bei 30 Kilometer pro Stunde niedriger als zuvor bei Tempo 50“, sagt das Vorstandsmitglied des Fachverbands Fußverkehr Deutschland. Die Unfallzahlen bestätigen seine Aussage.

Bevor Tempo 30 eingeführt wurde habe es laut Berliner Polizei im Jahr 2018 insgesamt 18 Unfälle mit Personenschaden auf dem Abschnitt gegeben. Nachdem die Geschwindigkeit reduziert wurde, sei es zwischen 2020 und 2023 insgesamt zu 33 Unfällen mit Personenschaden gekommen. Mit durchschnittlich zirka acht Unfällen pro Jahr hat sich die Anzahl der Unfälle mehr als halbiert. Auch der Unfallatlas Deutschland zeigt, dass es auf der Klosterstraße vor der Einführung von Tempo 30 mehr Unfälle gab, als in den Jahren danach.

Die Klosterstraße von Brunsbütteler Damm bis Pichelsdorfer Straße ist derzeit noch auf eine Höchstgeschwindigkeit von Tempo 30 begrenzt. Doch das könnte sich demnächst ändern.

Jessica Neumayer

Emissionen als Gesundheitsrisiko für Anwohnende

Weniger Unfälle seien jedoch nicht das einzige Argument, das laut Stimpel für Tempo 30 spricht. „Es ist absurd, zu sagen, die Luft sei gut, also können wir das Tempo wieder erhöhen.“ Stimpel weist darauf hin, dass es auf diese Weise zu einem ewigen Kreislauf von Emissionen komme.

Auch in Hinblick darauf, dass die Europäische Kommission 2023, basierend auf Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO), einen neuen Vorschlag für verschärfte Grenzwerte vorgelegt hat. Bis 2030 soll der Jahresgrenzwert auf 20 Mikrogramm Stickstoffdioxid pro Kubikmeter Luft gesenkt werden. Dies brächte dann eine erneute Temporeduzierung mit sich.

Auch die Lautstärke sei laut Stimpel ein Argument für ein verringertes Tempo. „Bei Tempo 30 ist es viel ruhiger.“ Die Klosterstraße ist eine Hauptstraße mit Geschäften, Cafés und Imbissen. Darüber hinaus sei sie aber auch eine Straße, in der Menschen wohnen. „Für die ist es jetzt viel angenehmer“, sagt Stimpel. „Und für Autos wäre Tempo 30 auch kein Zeitverlust.“ Durch die vielen Ampeln stünde man eh häufig, und das ständige Beschleunigen würde eher noch mehr Emissionen und Lärm bedeuten.

Keine Grundlage für Tempo 30

Etwas anders sieht das der Allgemeine Deutsche Automobil-Club (ADAC). Laut Zählungen aus dem Jahr 2019 fahren an einem Tag bis zu 40.000 Kraftfahrzeuge über die Straße. „Die Verkehrsmenge kann bei Tempo 50 besser abgewickelt werde“, sagt Claudia Löffler, Pressesprecherin des ADAC Berlin-Brandenburg. Auch die öffentlichen Verkehrsmittel würden zügiger vorankommen – eine angepasste Ampelschaltung vorausgesetzt.

Es sei wichtig, Luftwerte zu beobachten und weitere Faktoren für Tempo 30 zu überprüfen, bestätigt Löffler. Da sich an dem besagten Streckenabschnitt jedoch weder Schulen, Krankenhäuser noch andere Einrichtungen befinden, die die Straße als sogenanntes sensibles Gebiet auszeichnen würde, gebe es in der Hinsicht keinen Grund, Tempo 30 beizubehalten.

Zeitplan zur Umsetzung von Tempo 50

Bis zur finalen Entscheidung, wann und ob auf der Klosterstraße wieder Tempo 50 gefahren werden kann, wird noch etwas Zeit vergehen. Die Änderung soll frühestens Ende Juni 2024 umgesetzt werden. Noch bis Mai lege der aktuelle Luftreinhalteplan öffentlich aus, teilt Elm, Sprecherin der Senatsverwaltung für Verkehr, mit. Im Juni soll es dann den dazugehörigen Senatsbeschluss geben.

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