Landwirtschaft: Ernteausfälle wegen Dürre: Sind mehr Bewässerungsanlagen die Lösung?

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Julian Stratenschulte/dpa/ZBEr bewässert Kartoffeln und anderes Gemüse, Braugerste, manche Weizenarten, im Extremfall auch den Raps. „In der aktuellen Situation lohnt es sich bei jeder Pflanze“, fasst er zusammen. Auf das richtige Verhältnis von Aufwand und Nutzen komme es an. Vorteil sei neben der Ertragssicherheit ein effizienter und umweltschonender Einsatz von Dünger und Pflanzenschutzmitteln. „Die richtige Menge Wasser zum richtigen Zeitpunkt sorgt dafür, dass die Mittel von den Pflanzen optimal verwertet werden.“
Kein anderer Bauer in Brandenburg hat in den vergangenen Jahren so viel Grundwasser zum Bewässern genutzt wie Eckhard Fuchs. Das geht aus Daten hervor, die die Landesregierung auf Anfrage des Grünen–Abgeordneten Benjamin Raschke veröffentlicht hat. 1,3 Millionen Kubikmeter Wasser waren es demnach in den Jahren 2015 bis 2017 jeweils im Schnitt. Zahlen für 2018 liegen noch nicht vor. Ein Kubikmeter entspricht 1000 Litern.
Knapp hinter Fuchs liegen beim Verbrauch die Beelitzer Spargelbauern Buschmann & Winkelmann. Dahinter eine große Lücke, viele der rund 140 Betriebe, die laut Tabelle im Jahre 2017 Grundwasser zur Beregnung genutzt haben, kommen lediglich auf Kubikmeter–Mengen im vierstelligen Bereich. Auch regional gibt es Unterschiede. In der Uckermark nutzten drei Bauern Grundwasser für die Bewässerung, in Teltow–Fläming waren es 25.
Beregnung sichert Arbeitsplätze
Veikko Junghans wünscht sich, dass es landesweit mehr Betriebe werden. Er ist Geschäftsführer des in Teltow ansässigen Fachverbands Bewässerungslandbau Mitteldeutschland (FBM) und will aufklären und Lobbyarbeit leisten. „Wer beregnet, braucht keine Dürrehilfen. Er betreibt Daseinsvorsorge für seinen Agrarbetrieb, sichert Arbeitsplätze und regionale Wertschöpfung“, sagt Junghans. Bewässerung garantiere Jahr für Jahr zehn bis 20 Prozent höhere Erträge.
Er weiß, dass es auf der anderen Seite viele Aber gibt, sonst wäre die Bewässerung in der märkischen Landwirtschaft längst weiter verbreitet. Wenn ein Landwirt ans Grundwasser will, braucht er die Erlaubnis der jeweiligen Unteren Wasserbehörde. Hier gebe es mitunter Probleme, so Junghans. Die Behörden seien oft personell unterbesetzt und würden sich scheuen, solche durchaus komplizierten Entscheidungen zu treffen. Hier wolle der FBM beraten, um Genehmigungsverfahren zu beschleunigen.
Kaum vier Prozent des in Brandenburg entnommenen Grundwassers würden bislang zur Bewässerung in der Landwirtschaft eingesetzt. Im Wissen um den Wert des Bodenschatzes Wasser unterstütze der Verband Forschungsvorhaben zur Grundwasservermehrung, betont Junghans. Zweite große Hürde für die Landwirte seien die Kosten. Bei einer Kreisberegnungsanlage müsse man mit Anschaffungskosten von 3000 bis 4000 Euro pro Hektar rechnen. Sie lohne sich zudem erst für Felder ab einer Größe von 40 Hektar. Der Wasserpreis indes ist laut der Tabelle der Landesregierung erstaunlicherweise ein eher kleiner Faktor. Die Oehnaland Agrar GmbH musste 2016 für rund 1,5 Millionen Kubikmeter Grundwasser 9250 Euro bezahlen.
Benjamin Raschke von den Grünen sieht ein Dilemma. So sei oberstes Gebot, die Wasservorräte zu schützen: „Aber ich will Obst und Gemüse aus regionalem Anbau, deshalb bin ich dafür, Landwirten die Wasserentnahme zu erlauben.“ Raschke betont, dass der Tagebau in Brandenburg der mit Abstand größte Wasserentnehmer sei und dafür leider nicht einmal bezahlen müsse.
Von den Landwirten verlangt Raschke, auf sparsame Tröpfchenbewässerung über Schläuche zu setzen. "Bei den Sprengern geht viel Wasser durch Verdunstung verloren.“ Veikko Junghans vom Verband FBM gibt allerdings zu bedenken, dass Tröpfchenbewässerung doppelt so teuer wie Kreisberegnung sei. "Auf größeren Flächen ist Bewässerung mit Schläuchen kaum zu finanzieren.“
