Leinenpflicht in Brutzeit : Drohendes Bußgeld und ob der Jäger auf Hunde schießen darf

Leinenpflicht während der Brutzeit in Berlin und Brandenburg: Welche Strafen es geben kann, ob in Jäger schießen darf und wie man ungewollte Jagd der Hunde vermeiden kann – alle Informationen dazu finden Sie hier.
Christophe Gateau / dpaDie Leinenpflicht ist für viele Hundebesitzer und -besitzerinnen ein Dorn im Auge. So wollen sie dem Hund seinen Freilauf gönnen und tun das auch vielerorts sichtbar, egal ob es erlaubt ist oder nicht. Abgesehen von hohen Strafen, die bei Missachtung der Leinenpflicht drohen, können durch das rücksichtslose Verhalten auch Konflikte mit Menschen, anderen Hunden oder Tieren entstehen. Vor allem in der Brut- und Setzzeit sollten Hundehalter und Hundehalterinnen besonders auf ihren Vierbeiner achten und ihn am besten an der Leine halten.
Übersicht:
- Leinenpflicht in Berlin und Brandenburg allgemein und in der Brutzeit
- Darf ein Jäger auf Hunde schießen?
- Ordnungswidrigkeit: Bußgelder und Konsequenzen
- Was tun gegen Jagdverhalten?
Jedes Bundesland hat andere Regeln zur Leinenpflicht
Die Regelungen zum Leinenzwang sind deutschlandweit nicht einheitlich und können je nach Bundesland selbst festgelegt werden. Dazu kommt, dass Kommunen von der Länderregelung abweichende Verordnungen aufstellen dürfen und somit auch große Unterschiede in den Bußgeldern widerspiegeln. Vor einer Reise ist es also ratsam, sich gut zu informieren, was erlaubt ist und was nicht.
In Berlin ist es ganz einfach: „Unangeleintes Ausführen von Hunden ist nur in den ausgewiesenen Hundeauslaufgebieten gestattet. [...] Hunde müssen immer im Einwirkungsbereich des Hundehalters sein und jederzeit zurückgerufen werden können, damit Menschen, Tiere oder Sachen nicht gefährdet werden. Ist das nicht gewährleistet, gilt auch in Hundeauslaufgebieten die Pflicht, die Tiere anzuleinen.“, heißt es auf berlin.de. Es gibt die Ausnahmen, wenn man bereits vor Inkrafttreten des Berliner Hundegesetzes (22.07.2016) einen Hund hatte oder generell von der Leinenpflicht befreit ist, weil man z. B. einen Sachkundenachweis besitzt.
Freilaufende Hunde: Gefahr für Wildtiere mit Nachwuchs
In Brandenburg heißt es ebenfalls ganzjährig Leinenpflicht - auch im Wald gilt diese ausnahmslos. Vor allem in der Brut- und Setzzeit von März bis Juli sollte darauf besonders Wert gelegt werden, damit die trächtigen Wildtiere und Jungtiere in ihrer Ruhezone nicht gestört werden. Jede Person, die einen jagdmotivierten Hund hat, weiß, wie schwer es ist, diesen vom Jagen abzuhalten, wenn das nicht ausgiebig trainiert wurde und sich der Hund nicht verlässlich zurückrufen lässt. Aus diesem Grund: Hund lieber an die Leine.
Jäger dürfen wildernde Hunde erschießen
Denn Jäger dürfen laut Berliner Landesjagdgesetz sowie nach Brandenburger Jagdrecht auf wildernde Hunde schießen. Darunter fallen Hunde, die erkennbar nicht unter der Kontrolle einer führenden Person sind und sich im Jagdrevier frei bewegen. Wenn Ihr Vierbeiner also etwas in der Nase hat, sich los reißt und nicht auf Kommando zurückkommt, kann das zum Problem werden.
Freilaufende Hunde reißen immer wieder Wild - kein Kavaliersdelikt
Es gibt leider nicht wenige Fälle, in denen Hunde Wildtiere reißen. Erst im Februar 2024 wurde wieder ein Reh von einem freilaufenden Hund gerissen. Auch aus dem Jahr 2023 sind viele Fälle bekannt. Die Konsequenz sind meist hohe Geldstrafen und ggf. sowohl eine Anzeige als auch die Einstufung des Hundes als gefährlich. Das wiederum bedeutet Auflagen für Halter und Halterinnen.
Wenn ein Hund Wild reißt, ist das kein Kavaliersdelikt. Es ist nicht nur eine Ordnungswidrigkeit, sondern eine Straftat nach Paragraf 292 Strafgesetzbuch – um ganz konkret zu sein - eine Jagdwilderei.
Hohe Bußgelder drohen bei Nichtachtung der Leinenpflicht
Das Nichtbeachten der Leinenpflicht ist eine Ordnungswidrigkeit und kann laut Landesjagdgesetz Brandenburg mit einer Geldbuße von bis zu 5.000,- Euro bestraft werden. Sollte ein Hund tatsächlich Wild gerissen haben, können weitere Kosten und eine Anzeige dazu kommen. Die Bußgelder für Berlin werden je nach Bezirk festgelegt und sind somit sehr variabel. Ab 35 Euro für einmalig missachtete Leinenpflicht, die sich bei Wiederholung deutlich erhöht, bis hin zu ebenfalls 5.000 Euro Bußgeld sind möglich.
Eine Tabelle für Brutzeiten sowie Angaben zur Leinenpflicht deutschlandweit zur Übersicht.
Was kann man gegen den Jagdtrieb tun?
Je nach Rasse haben Hunde einen unterschiedlich stark ausgeprägten Jagdtrieb, aber sie haben ihn alle. Wichtig ist am Ende des Tages, den eigenen Vierbeiner idealerweise so einzusetzen, wofür er eigentlich geschaffen und gezüchtet wurde, das heißt: Ihm ausreichend Gelegenheit zu geben, Triebe und Instinkte im Alltag kontrolliert einzubringen, sich somit zu entfalten und anhand spezifischer Aufgaben auszupowern.
Wer eine Jagdhundrasse zu Hause hat, sollte demnach für jagdähnliche Aktivitäten und Ersatzbeschäftigungen sorgen. Suchspiele mit Futter, Einsatz der Reizangel oder Wasserarbeit mit einem Dummy, den der Vierbeiner apportieren soll, sind nur einige Möglichkeiten. Je nach gewählter Aktivität kommt eine „Ersatzbeute“ zum Einsatz, auf die das Interesse des Hundes umgeleitet und somit der Jagdtrieb ausgelebt wird. Genauso gut könnte man auch verschiedene Hundesportarten ausprobieren, wie beispielsweise Mantrailing, Zielobjektsuche (ZOS) oder Fährtenarbeit.
Zusätzlich ist auch immer ein Antijagdtraining zu empfehlen, bei dem die Halter lernen, das Jagdverhalten der Hunde frühzeitig zu erkennen, durch den Einsatz entsprechender Mittel zu kontrollieren und gezielt zu steuern. Sehr ausführliche Informationen zum Jagdverhalten von Hunden und was man sonst noch dagegen tun kann, gibt es auf dogondo.de.



