Nun hat er uns doch noch erwischt, der graue, kalte November, an dem kein Sonnenstrahl mehr durch den diesigen Himmel zu dringen scheint. Doch das Licht, das die Seelen und Herzen wärmt, erstrahlt nun nach Sonnenuntergang. Gleich hinter dem Haupteingang des Botanischen Gartens werden die Gäste von leuchtenden Engeln begrüßt.
Schimmernde Glühwürmchen tanzen lustig in den Baumwipfeln zu eigens komponierter Musik. An den hochgewachsenen Stämmen lodern Neonilluminationen empor. Die Egel leuchten den Weg zum ebenfalls ins Szene gesetzten historischen Gewächshaus, an dem ein zwei Kilometer langer Rundweg mit rund 25 weiteren Lichtkunst-Attraktionen beginnt.

Weihnachten im Tierpark startet am Freitag

Seit Mittwochabend (16.11.) hat der Christmas Garden in Berlin wieder geöffnet. Auch im Jahr der Energiekrise laden der Botanische Garten genauso wie der Tierpark im Osten der Stadt (Eröffnung am 18. November) wieder bis Mitte Januar zu gesonderten Lichterfesten am Abend. „Wir brauchen mehr Licht“, betont der künstlerische Leiter Andreas Boehlke. „Viele Menschen, denen ich gerade auf der Straße begegne, sind griesgrämig, haben Ängste und Sorgen. Wir wollen ihnen ein Lächeln ins Gesicht zaubern“, sagt der Berliner Lichtkünstler, der seit 40 Jahren Berliner Straßen, Plätze und Gärten zum Leuchten bringt.
Schwetterlinge erleuchten den Wegesrand des "Christmas Garden". Auch in diesem Jahr gibt es wieder das Lichterfest im Botanischen Garten im Südwesten Berlins.
Schwetterlinge erleuchten den Wegesrand des „Christmas Garden“. Auch in diesem Jahr gibt es wieder das Lichterfest im Botanischen Garten im Südwesten Berlins.
© Foto: Jens Kalaene/dpa
Da man dabei schon seit vielen Jahren immer wieder die Energie-Effizienz verbessere, habe man auch in diesen kritischen Zeiten gar nicht so viele zusätzliche Sparmaßnahmen ergreifen müssen, erklärt Boehlke. Seit fünf Jahren leuchten rund 95 Prozent der Illuminationen im Christmas Garden Berlin mit LED-Technologie. Um den Stromverbrauch weiter zu reduzieren, seien vor allem die technischen Abläufe optimiert worden. So könnten nun innerhalb von 30 Minuten sämtliche Illuminationen zum Leuchten gebracht werden. Im Vorjahr waren es 60 Minuten. Auch auf die stromintensive Eisbahn habe man wieder verzichtet.
Doch selbst der geübte Lichterfest-Besucher nimmt die Reduzierungen kaum wahr. Das beliebte Lichtermeer mit 28.000, auf Musik programmierte, Leuchtdioden ist in einer Neuauflage wieder zu sehen. Auf einem Steg kann man gefühlt fast in die leuchtenden und klingenden Wellen eintauchen und wirklich für einen Moment alles um sich herum vergessen. Aufsehenerregend wirkt eine Installation auf einem Teich, bei der Bilder von Fischen und Tänzerinnen auf eine Fontäne projiziert werden. Im bunten Laserdschungel fühlt man sich dagegen ein bisschen wie in der Disko, nur dass die Luft viel besser ist.

Nachdenkliche Worte von sprechenden Bäumen

Ansonsten wirken die Inhalte in diesem Jahr etwas bedächtiger und regen teils zum Nachdenken an. Ein Baum fängt plötzlich an zu sprechen und erzählt von der Schönheit der Natur. „Doch der Mensch ist unbedacht und hat vieles schon kaputtgemacht“, reimt das Gesicht auf dem Stamm.
Teile der Videokunstprojektionen wurden eigens für diesen Standort designt. „Im Botanischen Garten probieren wir neue Dinge aus, die wir dann, wenn sie gut funktionieren, weiter in die ganze Welt tragen“, sagt Boelke. Auch in diesem Jahr zeichnet er unter anderem auch für Christmas Gärten in Rom, Paris und Malaga verantwortlich.
Besinnlich: Blick auf ein illuminiertes Schiff im Botanischen Garten in Berlin. Dort wurde am Mittwoch der Christmas Garden eröffnet.
Besinnlich: Blick auf ein illuminiertes Schiff im Botanischen Garten in Berlin. Dort wurde am Mittwoch der Christmas Garden eröffnet.
© Foto: Jens Kalaene/dpa
Mit seinem Team hat der Berliner auch wieder den Tierpark in Szene gesetzt, in dem am Freitag ebenfalls auf einem Rundweg 1,5 Millionen Lichtpunkte und rund 25 glitzernde Installationen angeknipst werden. „Als imposanter visueller Mittelpunkt erstrahlt dort das Schloss Friedrichsfelde umgeben von Schneekristallen und Sternen“, verrät Boehke. Das Café Kakadu wird dagegen durch Videoprojektionen in eine bunte Savanne verwandelt, aus der eine Tierparade heraus zu tanzen scheint.
Im Botanischen Garten in Berlin leuchten Schmetterlinge, Rehe und Füchse. Aber in erster Linie geht es um die Pflanzen. Statt Baumkronen werde diesmal eher das teils uralte Wurzelwerk angestrahlt, was nicht minder beindruckend wirkt.

Glühwein in der Open-Air-Lounge

Bei der Installation „Regenbogenwelt“ vereinen sich 60 spiralförmige Leuchtstäbe gemeinsam mit den Bäumen und der Musik zu einer Chorografie. Erstmals wurde eine Art Open-Air-Lounge eingerichtet: Von der Empore des Victoriahauses können Gäste auf dicken Kissen und in Decken gehüllt bei einem Glas Punsch die Aussicht auf den erleuchteten Italienischen Garten genießen. Urige Hütten und Feuerschalen laden aber auch auf dem Rundgang immer wieder zum Bratwurstessen und Glühweintrinken ein.
Doch vom üblichen Weihnachtsmarkt-Trubel ist man im Christmas Garten weit entfernt. Entschleunigung heißt hier das Zauberwort. Dazu passen die weisen Sprüche von berühmten Persönlichkeiten am Wegesrand, wie der von Theodor Fontane: „Man muss die Musik des Lebens hören. Die meisten hören nur die Dissonanzen.“

Der Christmas Garden Berlin ist bis 15. Januar 2023 im Botanischen Garten öffnet täglich von 16:30 Uhr bis 22:00 Uhr (Am 21.,22. und 28., 29. November und am 24. und 31. Dezember 2022 ist geschlossen). Karten gibt es unter christmas-garden.de/berlin oder myticket.de und unter der Tickethotline 040 -23 72 400 30.
Weihnachten im Tierpark öffnet täglich ab 17 Uhr. Ansonsten gelten die gleichen Öffnungszeiten, Ruhetage und die gleiche Tickethotline.