Luftfahrt: Kunden ausgetrickst? Ärger um stornierte Easyjet-Flüge

Am Boden: In Berlin-Brandenburg stehen Kunden und Mitarbeitern der Fluggesellschaft Easyjet auch nach der Corona-Zwangspause ungemütliche Zeiten bevor.
Soeren Stache/dpaDie Urlaubsflüge mit Easyjet sollten Anfang Juli von Berlin nach Athen und nach Faro gehen. Fünfzehn Tage vor dem Start hat die Airline sie jedoch abgesagt. Jene beiden Leser, die sich unabhängig von einander mit ihren Easyjet-Erfahrungen an diese Zeitung gewandt haben, ärgert dabei vor allem die Art und Weise. „Ich kann nachvollziehen, dass wegen Corona mal ein kaum gebuchter Flug ausfällt“, sagt der Familienvater aus Frankfurt (Oder), für den es nach Athen gehen sollte. „Aber dann erwarte ich klare und schnelle Informationen und ein Ersatzangebot, bei dem ich nicht draufzahlen muss.“
All das habe es von Easyjet nicht gegeben. „Ich war in letzter Sekunde gezwungen, bei einer anderen Airline einen dreimal so teuren Flug zu buchen“, sagt der enttäuschte Kunde. Der andere Leser, der kurzfristig um seinen Flug nach Faro gebracht wurde, wollte sich das nicht zumuten und macht nun Ferien in Niedersachsen.
Zum Kommentar:Gut für das Klima
Eva Klaar, Expertin für Fluggastrechte bei der Verbraucherzentrale Berlin, hält das Vorgehen von Easyjet für rechtswidrig. „Das sollten die Kunden nicht hinnehmen“, sagt sie. Beide Seiten hätten miteinander einen Beförderungsvertrag geschlossen. Annulliert Easyjet den Flug, sei die Airline verpflichtet, zum gleichen Preis eine andere Beförderung anzubieten.
Verärgerte Verbraucherschützer
Betroffenen Kunden rät die Expertin der Verbraucherzentrale, im Fall einer Annullierung die Airline schriftlich zur Einhaltung der vereinbarten Leistung aufzufordern und dafür eine Frist zu setzen. Außerdem sollten die Kunden ankündigen, dass sie dem Unternehmen bei ausbleibendem Ersatzangebot die eventuellen Mehrkosten für einen selbst gebuchten Flug in Rechnung stellen werden.
Einzig außergewöhnliche Umstände könnten eine Annullierung ohne Ersatzangebot rechtfertigen, ergänzt Eva Klaar. Aber davon sei hier nicht auszugehen. Easyjet sei an anderen Tagen im Juli in der Lage, von Berlin aus Athen und Faro anzufliegen. Die Gründe für die Flugstornierungen würden ganz offensichtlich in den Organisationsbereich der Airline fallen.
Sehr kritisch sieht die Verbraucherzentrale zudem, wie Easyjet in den Wochen vor den Stornierungen mit den Kunden umgegangen ist. In einer möglicherweise bewusst unverständlich formulierten Mail sei ihnen indirekt nahegelegt worden, doch freiwillig auf ihre Flüge zu verzichten, auch wenn diese „noch nicht“ storniert seien. „Was soll man mit dieser Mitteilung anfangen?“, fragt sich die Verbraucherschützerin. „Steckt hier eine Masche dahinter? Will Easyjet den Flugplan ausdünnen und Kunden dazu drängen, auf teurere Flüge umzubuchen?“
Der Gipfel sei, dass Easyjet den Kunden für den freiwilligen Rücktritt ein „Dankeschön“ von zehn Euro angeboten habe. „Also dafür, dass man einen teureren Flug buchen muss. Das ist völlig neben der Spur“, findet Eva Klaar.
In ihren Augen ist das Vorgehen von Easyjet gerade jetzt zum Neustart nach der Corona-Zwangspause sehr bedenklich. „Das schmälert das Vertrauen der Kunden. So etwas können sich die Unternehmen in der aktuell schwierigen Lage überhaupt nicht leisten.“
Easyjet geht in einer Stellungnahme nicht auf die konkreten Vorwürfe ein. "Wir versuchen, die Menschen über den Status ihrer Flüge auf dem Laufenden zu halten und stellen ihre Optionen klar dar“, teilt ein Sprecher mit. „Bei Annullierung ihres Fluges haben die Kunden Anspruch auf eine Rückerstattung.“ Keine Auskunft gab es am Mittwoch darüber, wie viele Sommer-Flüge von und nach Berlin von Easyjet bereits annulliert wurden und wie sich die Stornierungspraxis im weiteren Verlauf der Ferienzeit entwickeln werde.
Easyjet halbiert sein Berlin-Geschäft
Die britische Airline Easyjet will in Tegel und Schönefeld die Zahl der Flugzeuge und der Mitarbeiter stark reduzieren. Am Mittwoch bekannt gewordene Pläne des Unternehmens sehen vor, dass von 34 für den Winterflugplan vorgesehenen Flugzeugen 16 wegfallen sollen. Damit werde ein Jobverlust für 738 Mitarbeiter in Kabine und Cockpit einhergehen. Easyjet will demnach seinen innerdeutschen Flugverkehr komplett einstellen. Laut der Gewerkschaft Verdi beschäftigt Easyjet derzeit 1540 Mitarbeiter an seiner einzigen deutschen Basis. Verdi-Luftfahrsekretär Holger Rößler sprach am Mittwoch von einem "schwarzen Tag" für den Berliner Luftverkehr. ⇥mat
