Mehr Wert: Schreiben muss man üben

Im Redaktionsgespräch: Bildungsministerin Britta Ernst zu Besuch bei der Märkischen Oderzeitung
René MatschkowiakAn Brandenburgs Schulen soll künftig mehr Wert auf Rechtschreibung gelegt werden. Das erklärte Bildungsministerin Britta Ernst bei einem Redaktionsbesuch der Märkischen Oderzeitung. Eine Höchstquote für Seiteneinsteiger lehnt die SPD–Politikerin derzeit ab.
Brandenburgs Schulen werden trotz der Erhöhung der Studienpläze für Lehramtsstudenten mittelfristig nicht auf Seiteneinsteiger verzichten können. Das kündigte Ministerin Ernst am Monatg an. Für einige Teile des Landes sei es schwer, ausgebildete Lehrkräfte zu gewinnen. Selbst die von ihrem Vorgänger Günter Baaske (SPD) ins Leben gerufene Prämie in Höhe von 300 Euro pro Monat für den Wechsel in Gegenden mit besonders hohem Bedarf sei bislang nie zur Anwendung gekommen.
Die Schulämter versuchten verstärkt, Berufsanfänger für solche Schulen zu gewinnen, aber nicht mit dem gewünschten Erfolg. Deshalb sei die von der Opposition geforderte Begrenzung von Seiteneinsteigern in Grundschulen vorerst nicht vorgesehen. „Wir beobachten die Entwicklung“, sagte Ernst.
Beim Thema Digitalisierung der Schulen rechnet die Bildungsministerin noch mit fünf bis acht Jahren, bevor dieses Ziel in allen Schulen umgesetzt ist. Die vom Bund dafür in Aussicht gestellten fünf Milliarden Euro werden dringend benötigt, so Ernst. Sie bedauerte, dass es durch den Streit zwischen Ländern und dem Bund um die Modalitäten zu Verzögerungen bei der Umsetzung des Programmes kommt. Ernst betonte, dass der lange Zeitraum sich nicht aus der Anschaffung von neuer Technik für den Unterricht erklärt, sondern auch die Lehrpläne entsprechend angepasst und das Personal qualifiziert werden müssen. Letzteres laufe an einigen Schulen mit entsprechenden Landesprogrammen sehr gut.
Zu den Vorhaben des Bildungsministeriums gehört ein neuer Anlauf, die Zahl der Schulschwänzer zu verringern. Bis März werden dazu an den Schulen die Daten erfasst. Erstmals, so Ernst, wurden vom Land verschiedene Typen von Schulschwänzern definiert, die einen genauen Überblick liefern, wer wie viel Unterricht verpasst. Ziel sei es, enger mit den kommunalen Ordnungsämtern zusammenzuarbeiten und dabei auch Ordnungsgelder zu verhängen. Ernst verwies darauf, dass mit dem aktuellen Haushalt 100 zusätzliche Schulsozialarbeiter eingestellt werden, mit denen auch das Problem des Schulschwänzens verstärkt angegangen wird.
In den nächsten Jahren soll an Brandenburgs Schulen auch mehr Wert auf Rechtschreibung gelegt werden. Ob die Kenntnisse der Schüler schlechter geworden sind, lasse sich nicht nachweisen, da keine Erhebungen angestellt wurden. Allerdings sehen die Kultusminister der Länder auf diesem Feld Handlungsbedarf. So sollen künftig Schreibfehler auch in anderen Fächern als Deutsch korrigiert werden. Außerdem soll Schreiben mehr geübt und Wert auf einen Grundwortschatz gelegt werden.
Kein Problem sieht Ernst im neuen Berliner Feiertag am 8. März. 4394 Schüler aus Brandenburg gehen dort zur Schule. Für sie müssen die Eltern eine Betreuung an diesem Tag finden.
