Mobilität: Bei Batteriefabrik steigt die Spannung

Konkurrenz zur Lausitz: Die Produktionsstätte des Kleinwagens e.GO in Aachen gilt als möglicher Standort für eine neue Batteriezellen-Fabrik, die der Bund mit Milliarden Euro fördern will.
dpa/Ralf RoegerZum einen hat das Bundeswirtschaftsministerium eine Milliarde Euro in Aussicht gestellt, um Zellfabriken zu fördern. Ihm liegen 37 Bewerbungen vor, wobei sich die Interessenten zu Konsortien aus mindestens zwei EU-Ländern zusammenschließen müssen. Varta aus Ellwangen nördlich von Ulm, größter deutscher Hersteller von Knopfzellen für Hörgeräte, ist in einem deutsch-französischen Boot unter anderem mit den Autokonzernen Peugeot/Opel und BMW, dem französischen Batteriekonzern Saft und dem Chemieriesen BASF. Als Standort ist das pfälzische Kaiserslautern im Gespräch, wo Opel ein Komponentenwerk hat.
Ein zweites aussichtsreiches Konsortium soll in Nordrhein-Westfalen angesiedelt sein. Hier tun sich Ford, die Elektroautohersteller Streetscooter und e.Go, der Batterieproduzent BMZ und der belgische Chemiekonzern Umicore zusammen. Eine Entscheidung, ob diese beiden Konsortien den Zuschlag erhalten, soll in den nächsten Wochen fallen. Die Zeit eilt, weil Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) die Zustimmung bei der alten EU-Kommission einholen will, die nur noch bis zum Herbst im Amt ist.
Sollten nur diese beiden Erfolg haben, droht Ostdeutschland leer auszugehen. Dabei hatte Altmaier erst in der letzten Woche den Aufbau einer Batteriezellen-Produktion in der Lausitz für möglich gehalten. Auch Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) will so dem Mangel an Industrieforschung im Osten entgegenwirken. „Die Messe ist noch nicht gesungen“, heißt es aus der Landesregierung in Potsdam.
Zum anderen will das Forschungsministerium den Aufbau einer Forschungsfabrik zur Batteriezellenfertigung mit rund 500 Millionen Euro unterstützen. Im Rennen sind sechs Bundesländer: Baden-Württemberg mit Ulm, Bayern mit München, Niedersachsen mit Braunschweig, Nordrhein-Westfalen mit Münster, Sachsen mit Dresden und Schleswig-Holstein mit Itzehoe. Gestern stellten die Nordrhein-Westfalen ihr Konzept vor, das die Landesregierung mit mehr als 200 Millionen Euro unterstützen will. Firmengeld soll dazukommen. „Wir haben qualifizierte Unterstützungsschreiben von mehr als 75 Unternehmen“, versuchte Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) aufzutrumpfen. Das hatte seine Stuttgarter Kollegin Nicole Hoffmeister-Kraut (FDP) schon vor vier Wochen getan. Ihr liegen rund 40 Absichtserklärungen von Unternehmen vor. Das Land will den Standort Ulm mit bis zu 185 Millionen Euro unterstützen.
Die Entscheidung soll im Juli fallen. Nach Medienberichten sollen Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen die Nase vorn haben. Für Ulm spricht unter anderem die Nähe zu Varta.