Museumspark Rüdersdorf
: Wo Familien mit Blick auf den Tagebau Abenteuer erleben

Im Museumspark Rüdersdorf gehen Kinder und Eltern auf Schatzsuche. Sie entdecken Fossilien im Kalkstein-Tagebau, Reste einer Seilbahn und einen uralten Geheimbund.
Von
Annemarie Diehr
Rüdersdorf bei Berlin
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Im Museumspark Rüdersdorf gibt es nicht nur Führungen und Geo-Touren, auch ein Escape Spiel bietet das Freilichtmuseum.

Der Museumspark Rüdersdorf bietet nicht nur Führungen und geologische Touren im Kalkstein-Tagebau. Bei einem Escape-Spiel können Besucherinnen und Besucher das Freilichtmuseum auf eigene Faust erkunden und dabei Rätsel lösen.

Annemarie Diehr
  • Museumspark Rüdersdorf: Escape-Spiel und Führungen im Kalkstein-Tagebau für Familien.
  • Alchemisten-Legende: Rätselsuche führt Besucher zu historischen Industriedenkmälern.
  • Highlights: Schachtofenbatterie, „Haus der Steine“ mit Fossilien und Live-Sprengungen.
  • Ferienprogramm: Kinder-Touren, Stempelsuche und Tiergehege sorgen für Abwechslung.
  • Restaurant „Heinitz 11“: Regionale Gerichte mit Blick aufs Wasser ergänzen das Erlebnis.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Am Seilscheibenpfeiler und der Seilbahn-Umlenkstation wartet das nächste Rätsel. Während im wenige Meter Luftlinie entfernten Tagebau Muldenkipper Kalkstein transportieren und dabei wie Spielzeugautos wirken, haben die Industrieruinen ihre geschäftigen Jahre hinter sich. Bis 1914 wurden vom Seilscheibenpfeiler aus mit Kalkstein beladene Waggons aus dem Steinbruch zum Bahnhof Rüdersdorf geleitet; die 1953 errichtete Seilbahn transportierte 30 Jahre lang Loren zum ehemaligen Zementwerk jenseits des Mühlenfließes.

Heute sind die Bauwerke im Museumspark Zeugnisse der Industrie- und Baustoffgeschichte Rüdersdorfs – und zugleich Protagonisten eines Escape-Spiels unter freiem Himmel. „Stahl und Ton – zwei Gegensätze, die in ihrer Verbindung Stärke und Formbarkeit vereinen“, heißt es im Begleitheft zum Spiel „Die Alchemisten von Rüdersdorf“, das an der Kasse für knapp zehn Euro erworben werden kann. Eine der Prüfungen besteht darin, diese beiden Materialien „genau zu betrachten und ihre Mengen zu bestimmen“. Die richtige Lösung bringt Rätselfans dem geheimen Wissen der Rüdersdorfer Alchemisten einen Schritt näher.

Museumspark Rüdersdorf: Buntes Programm für Kinder in den Ferien

„Das ist eine schöne Sache, um den Park auf eigene Faust zu erkunden“, sagt Peggy Bock. Im Museumspark entwickelt sie unter anderem die Kinder- und Jugendangebote. Anhand der Rätsel lernen Besucherinnen und Besucher das weitläufige Gelände mit seinen verschiedenen Industriedenkmälern, Ausstellungen, Tiergehege, Picknick- und Spielplätzen kennen. „Und nebenbei haben sie Spaß und lernen etwas.“

Wer genau hinsieht, entdeckt bei Erkundungen, die auch im Rahmen einer geführten Tour auf Deutsch oder Englisch möglich sind, auf dem 17 Hektar großen Areal immer wieder Park-Maskottchen Nino. Besonders Familien mit jüngeren Kindern kommen bei diesem Suchspiel auf ihre Kosten. Ziel ist es, an verschiedenen Stationen im Museumspark Stempel zu sammeln, die am Ende ein Lösungswort ergeben. Geführte Nino-Touren für Kinder gehören zudem fest zu den vielfältigen Ferienangeboten im Museumspark.

Blick auf die Schachtofenbatterie im Museumspark Rüdersdorf.

Die Schachtofenbatterie mit ihren 18 Rüdersdorfer Öfen, errichtet von 1871 bis 1877, ist das Prunkstück des Museumsparks und ein Zeugnis der Geschichte der Kalkproduktion.

Annemarie Diehr

Neue Ausstellung zeigt Alltag im Labor des Zementwerks

Zurück zu den Alchemisten. Sie sollen im 17. Jahrhundert in geheimen Laboren in den Kalksteinbrüchen in Rüdersdorf auf der Suche nach einem Stoff gewesen sein, dem außergewöhnliche Kräfte zugeschrieben wurden – dem sogenannten Aurora-Pulver, heißt es in der Erzählung zum Escape-Spiel. Auch der Alchemist und Glasmacher Johannes Kunckel soll sich dieser Geschichte zufolge nach einem Brand in seinem Labor auf der Pfaueninsel hierher zurückgezogen haben, um einen Geheimbund zu gründen, „der das Wissen der Alchemisten bewahren sollte“.

Ein Labor gibt es im Museumspark tatsächlich. Errichtet wurde es allerdings erst 1936, um dort die Qualität von Zement und Beton zu überprüfen und weiterzuentwickeln. „Eine neue Ausstellung im Gang des Gebäudes zeigt anhand zahlreicher Bilder den Alltag im Hauptlabor des Zementwerks“, gibt Iris Jaeger, zuständig für Förderprojekte im Museumspark, einen Einblick. Die Ausstellung streife einerseits soziale Aspekte des Arbeitslebens, darunter den hohen Anteil von Frauen, andererseits würden physikalische und chemische Prüfmethoden vorgestellt, die zum großen Teil bis heute gängige Praxis in den Laboren seien.

Explosionen und Saurier im „Haus der Steine“

Neben der Schachtofenbatterie, der „Kathedrale des Kalks“, sind auch der Glockenturm sowie die Rumfordöfen, die zusammen mit den Kammeröfen aus dem 17. Jahrhundert zu den wichtigsten Industriekulturgütern des Landes Brandenburg zählen, Schauplätze des Escape-Spiels. Zwischen Glockenturm und Rumfordöfen wiederum befindet sich das Otto-Torell-Haus. Wer die täglichen Live-Sprengungen im aktiven Kalkstein-Tagebau verpasst, kann sie dort in Endlosschleife als Videoclip sehen.

Blick auf den aktiven Kalkstein-Tagebau vom Museumspark Rüdersdorf.

Im aktiven Kalkstein-Tagebau finden täglich Live-Sprengungen statt, die Besucherinnen und Besucher vom Museumspark Rüdersdorf aus hören und, im besten Fall und mit einem Fernglas ausgestattet, auch sehen können.

Annemarie Diehr

Und nicht nur das: Im „Haus der Steine“ finden Besucherinnen und Besucher Antworten auf viele Fragen. Wie ist Kalkstein entstanden? Was haben Meerestiere damit zu tun? Und wie hat sich Rüdersdorf im Zusammenhang mit dem Tagebau entwickelt? Einen Vorgeschmack auf die geologische Ausstellung mit ihren Exponaten von Fossilien über Minerale bis hin zum Abdruck eines Saurierskeletts bietet vor dem Haus eine schräg gestapelte Steinmauer. Ihr Aufbau veranschaulicht die Gesteinsablagerungen aus den letzten 250 Millionen Jahren unter Rüdersdorf.

Restaurant Heinitz 11 im ehemaligen kurfürstlichen Bergschreiberamt vor den Toren des Museumsparks Rüdersdorf.

Mit Blick auf das Strausberger Mühlenfließ speisen Gäste auf der Terrasse des Restaurants „Heinitz 11“ im ehemaligen kurfürstlichen Bergschreiberamt vor den Toren des Museumsparks in Rüdersdorf.

Annemarie Diehr

Regionale Küche vor den Toren des Museumsparks in Rüdersdorf

Die Schatzsuche unter freiem Himmel endet nach erfolgreicher Rätselei, für die Besucherinnen und Besucher je nach Vorerfahrung um die fünf Stunden Zeit einplanen sollten, auf der Terrasse des Restaurants „Heinitz 11“ mit Blick aufs Wasser. Die bestandene Aufnahme in den Rüdersdorfer Geheimbund kann hier, vor den Toren des Museumsparks im ehemaligen kurfürstlichen Bergschreiberamt, mit einem kühlen Getränk und regionalen Gerichten gefeiert werden. Ein Stopp lohnt sich natürlich auch vor dem Besuch – der übrigens nicht zwingend zu Fuß, sondern je nach Alter auch bequem im Bollerwagen, Kart, Lastenrad oder Elektromobil bestritten werden kann.

Besuch im Museumspark Rüdersdorf

Öffnungszeiten
März bis Oktober: Montag bis Sonntag, 10 bis 18 Uhr

Eintritt
Erwachsene zahlen 8 Euro, Kinder/Jugendliche von 6 bis 16 Jahren 4 Euro, freier Eintritt für Kinder bis 5 Jahre

Erlebnisse
Führungen können vorab beim Besucher-Service telefonisch unter 033638 799797 und per E-Mail an kasse@museumspark.de angemeldet werden. Die Kosten für eine historische Führung liegen für eine vierköpfige Familie bei 36 Euro (eine Stunde) beziehungsweise 54 Euro (zwei Stunden); alle 14 Tage sonntags und nach Vereinbarung werden Kräuterwanderungen angeboten (Kosten für Familien: 56 Euro). Jeden ersten Sonntag im Monat bieten jeweils um 13.30 Uhr und 14.30 Uhr im Eintrittspreis enthaltene Führungen durch den Heinitztunnel Einblicke in die Bergbaugeschichte. Plätze für die Geo- und Steinbruch-Tour im aktiven Tagebau sollten frühzeitig reserviert werden. Die Kosten liegen für eine Familie bei 82 Euro (Geologische Führung) beziehungsweise 120 Euro (Steinbruch-Tour mit VW-Bus).

Essen & Trinken
Im Restaurant „Heinitz 11“ vor den Toren des Museumsparks können Familien mit Blick aufs Wasser saisonale und regionale Gerichte (Hauptgerichte ab 12,50 Euro), kühle Getränke (Softgetränke und Säfte ab 2,50 Euro, Bier vom Fass 3,50 Euro) oder eine Tasse Kaffee genießen (2,50 Euro). Öffnungszeiten: Mittwoch bis Sonntag, 12 bis 20 Uhr.
Eis am Stiel und gekühlte Getränke gibt es auch an der Kasse des Museumsparks.