Neuer Studiengang: Brandenburgs nächster Top-Polizist

Übung macht den Meister: Zwei Polizeischüler nehmen in der Fachhochschule der Polizei während der praktischen Ausbildung einen Einbrecher fest. An der Brandenburger Polizeihochschule sollen künftig in einem Masterstudiengang Spezialisten für besondere Aufgabengebiete ausgebildet werden.
dpa/Bernd SettnikSeit fast drei Jahrzehnten habe man diesen Schritt immer wieder gefordert, sagte Riccardo Nemitz am Mittwoch nach der Verkündung des Regierungsvorhabens. Der Landeschef des Bundes Deutscher Kriminalbeamter betonte, wie wichtig es sei, dass die klassische Einheitsausbildung der Polizei um Kurse für künftige Spezialisten ergänzt werde. Zu DDR-Zeiten gab es einen Studiengang Kriminalistik an der Berliner Humboldt-Universität, der nach der Wende abgewickelt wurde.
Die Gesellschaft entwickle sich ständig weiter, betonte Nemitz. Globalisierung, Digitalisierung und Migration würden in zunehmenden Maße die Kriminalität prägen. Die bundesweit bislang einmalige Einführung des Masterstudiengangs Kriminalistik an der künftigen Polizeihochschule in Oranienburg sei darauf die richtige Antwort.
Der Präsident der Einrichtung spannte am Mittwoch einen noch weiteren Bogen und stellte außerdem Eckpfeiler des neuen zweijährigen Ausbildungsgangs vor. Das Masterstudium sei das Bekenntnis zur Möglichkeit einer Expertenkarriere bei der Brandenburger Polizei, sagte Rainer Grieger. Man reagiere zudem darauf, dass viele gut ausgebildete Kriminalisten kurz vor dem Ruhestand stehen. Und schließlich gebe es neue Straftatbestände, mit denen die Polizisten umgehen müssten. Beispielhaft verwies er auf Begriffe wie „die Gefährdung“ oder „der Gefährder“ etwa in Zusammenhang mit Sexualstraftaten oder der Terrorbekämpfung.
Der Oranienburger Studiengang sei eine Weiterbildung für erfahrene Beamte. So erkläre sich auch die begrenzte Kapazität von 25 Plätzen pro Jahr. Da das Studium zwei Jahre dauere, könnten in der Zeit insgesamt 50 Kollegen nicht ihren üblichen Dienst machen. Noch mehr Leute herauszunehmen, sei nicht sinnvoll. Noch nicht geplant aber denkbar sei, anderen Bundesländern Studienplätze anzubieten. Bislang würden lediglich einzelne staatliche und private Hochschulen ein Kriminalistik-Studium anbieten, aber keine Polizeischule eines Bundeslands.
Ein Polizist eines anderen Bundeslandes könne sich aber nicht einfach so für die Zusatzausbildung in Oranienburg bewerben, betonte Grieger. Es gebe unter den Ländern die Abmachung, sich nicht gegenseitig Beamte abzuwerben.
Die Ausbildung umfasse zwei Blöcke, sagte der Präsident. Zunächst würden moderne Ermittlungsmethoden, die internationale Kooperation und verdeckte Polizeimaßnahmen im Fokus stehen. Im weiteren Verlauf würde dann die Auseinandersetzung mit aktuellen Kriminalitätsphänomenen in den Mittelpunkt rücken.
Drei zusätzliche Professuren werde man einrichten, deren genauer Zuschnitt noch nicht feststehe, ergänzte Rainer Grieger. Darüber hinaus werde man in großem Umfang Lehrbeauftragte verpflichten, vor allem Experten aus der Praxis. Im Januar habe man dazu in Oranienburg bereits eine Interessenten-Börse veranstaltet.130 Kandidaten hätten daraufhin ihren Wunsch bekundet, an der Schule zu unterrichten. Man plane für den Masterstudiengang mit jährlichen zusätzlichen Kosten von 300 000 Euro für das wissenschaftliche Personal und 120 000 Euro für Sachmittel.
Einig waren sich Kripo-Gewerkschaft und Innenministerium am Mittwoch darin, dass weitere neue Polizei-Studiengänge hinzukommen sollen. Das Bachelor-Studium müsse fachspezifischer werden, findet BDK-Chef Riccardo Nemitz.
