Die Zukunft des industriellen Standortes Schwedt ist wenige Wochen vor einem möglichen Ende russischer Erdöllieferungen an die PCK-Raffinerie nach wie vor ungewiss. Daran änderte auch die erste Sitzung einer neuen Task Force zur Sicherung des Standortes nichts, die am Donnerstag (03. 11.) in der Potsdamer Staatskanzlei mit Vertretern der Bundesregierung und der Kommunalpolitik stattfand, nichts.
Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) hatte die Task Force einberufen, nachdem die Bundesregierung Mitte September ein Zukunftskonzept zur Sicherung des Raffinerie-Standorts vorgestellt hatte. Am Donnerstag trafen unter anderem auch der Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, Michael Kellner (Grüne), und der Sprecher der PCK-Geschäftsführung, Ralf Schairer, in der Staatskanzlei ein.
Ralf Schairer betonte, dass ab Januar, wenn die russischen Öllieferungen gestoppt werden sollen, die Raffinerie über die Pipeline aus Rostock nur zu 50 Prozent ausgelastet werden kann, das absolute Minimum für die Aufrechterhaltung der Produktion. „Das macht den Betrieb verwundbar“, betone Schairer. Die angelegten Reserven würden im Notfall eine Woche reichen.

Öl-Reserven für eine Woche

Michael Kellner, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, erklärte, dass weiterhin mit Polen und Kasachstan über zusätzliche Öllieferungen verhandelt wird. Nähere Angaben dazu machte er auch auf Nachfrage nicht. Schairer verkündete, dass er demnächst mit dem Bund über den Bau einer zweiten Pipeline von Rostock nach Schwedt verhandeln werde. Renommierte Ingenieurfirmen hätten dazu erste Ergebnisse vorgelegt. Wichtig sei, dass so eine Leitung auch Wasserstoff transportieren kann.

Große Pläne für die Produktion von grünem Wasserstoff

Der Geschäftsführer verwies auf eine gerade abgeschlossene Studie zum Bau einer Elektrolyseanlage, gemeinsam mit dem Kooperationspartner Siemens. Losgehen könnte es 2025. Innerhalb von zehn Jahren soll die Elektrolyseleistung von 300 Megawatt auf bis zu 2 Gigawatt ausgebaut werden.
Schairer berichtete von einer Betriebsversammlung Mitte dieser Woche, auf der die Pläne der Belegschaft vorgestellt wurden. Die Mitarbeiter blickten jetzt positiver in die Zukunft. Der Standort Schwedt, mit der vorhandenen Fläche, den Mitarbeitern und den bereits erzeugten Erneuerbaren Energien sei der „geeignetste in Nordwesteuropa“. Man dürfe nicht warten, bis jemand in Finnland oder Lateinamerika grünen Wasserstoff herstellt, „wir müssen es tun“, sagte der Geschäftsführer. Dazu habe er die passende Unterstützung von Bund und Land.
Zwei Arbeitsgruppen der neuen Taskforce sollen die Genehmigungen für den Transformationsprozess in der Region begleiten und unterstützen. Annekathrin Hoppe, Bürgermeisterin von Schwedt, erklärte, dass die Kommune die Erweiterung der Gewerbeflächen vorantreiben wird. Die Rede ist von 120 Hektar. Darüber hinaus soll mithilfe des Landes der Bahnanschluss zur Raffinerie, zum Hafen und zur Papierfabrik verbessert werden. Eine Strukturentwicklungsgesellschaft soll dies begleiten und Neuansiedlungen unterstützen.

Landrätin fordert Offenhaltung der Druschba-Leitung

Landrätin Karina Dörk (CDU) forderte, dass auch nach dem 1. Januar weiter russisches Öl über die Druschba-Trasse fließt. Die Raffinerie solle so auch weiterhin zu 100 Prozent ausgelastet werden. Gleichzeitig zeigte sie sich zufrieden, dass die im September vom Bund zugesicherten rund 800 Millionen Euro in der ganzen Uckermark eingesetzt werden können. Nur so gelinge es, den Kreis zu einer Vorzeigeregion zu entwickeln.