Pfand auf Milch in Brandenburg: Weitere Getränke mit Pfandpflicht – worauf zu achten ist

In einem Regal eines Supermarktes finden sich Milch- und Milchmixgetränke, für die nun auch ein Pfand gilt, neben pfandfreien Produkten.
Kerstin BechlyEin kleines Schildchen hängt unterhalb des Preisetiketts von Milch- und Joghurtdrinks in Plastikflaschen in einem Supermarkt. „Einweg + 0,25 Euro Pfand“ steht darauf. In einem anderen Markt ist das „Einweg“-Schild in knallig roter Farbe unterlegt. Wer nicht darauf achtet und mit dem aktuellen Pfandsystem nicht vertraut ist, wirft wahrscheinlich nach dem Verbrauch pures Geld in den Gelben Sack.
Seit dem 1. Januar gilt ein bundeseinheitliches Pfand auch für Milch und Milchmischgetränke mit einem Milchanteil von mindestens 50 Prozent sowie für sonstige trinkbare Milcherzeugnisse wie Joghurt, Kakao und Kefir in Einweg-Getränkeflaschen oder -dosen aus Kunststoff. 25 Cent Pfand werden laut dem Verpackungsgesetz für jede dieser 0,1- bis 3-Liter-Verpackungen erhoben – und können an Automaten wieder zurückgeholt werden. Die Einwegflaschen werden recycelt. „Wir haben die Einklinker an den Regalen zusätzlich angebracht, weil sich die Kunden auch erst einmal umstellen müssen“, erklärt die Filialleiterin eines Rewe-Marktes in der Oderregion. Der eigentliche Hinweis auf das Pfand steht auf dem Preisetikett.
Restbestände der Getränke ohne Pfand verkauft
Auf Nachfrage begrüßen Unternehmen wie Kaufland und Aldi Nord die erweiterte Pfandpflicht. Kunden seien rechtzeitig informiert worden, die Umstellung der Automaten sei problemlos gewesen. „Seit Anfang Januar wurde das bekannte gesetzliche Pfandlogo auf allen neu bepfandeten Artikeln aufgebracht. In einer kurzen Übergangsfrist sollten die Restbestände ohne Pfandlogo abverkauft werden“, teilte eine Unternehmenssprecherin von Kaufland mit. Für den Handelsverband Berlin-Brandenburg erklärte Christine Minkley, Regionalleiterin Ost- und Südbrandenburg: „Im Rahmen der zunehmenden Müllvermeidung und geordneten Rückführung von Wertstoffen wurde eine weitere ,Lücke‘ geschlossen.“
Angaben zur Zahl der Rückgabe stehen aus
Keine Auskünfte werden darüber erteilt, wie viel neues Pfandgut bereits in den Automaten landet. Vonseiten Kauflands hieß es: „Erfahrungsgemäß werden die Umstellungen in der Pfandpflicht von unseren Kunden immer gut angenommen.“ Die Rewe-Filialeiterin spricht von noch geringen Zahlen. Weil die Kunststoffflaschen im sogenannten Kompaktierer gleich plattgedrückt werden, ist eine zahlenmäßige Erfassung ohnehin schwer. Ein Rewe-Pressesprecher weist darauf hin, dass Leergutautomaten nur Pfandwerte registrieren. „Sie differenzieren oder dokumentieren aber keine Einwegflascheninhalte. Uns sind daher keine statistischen Auswertungen möglich; sie sind für unsere Praxis auch nicht nötig.“

Kefir, Trinkjoghurt und Milchgetränke: Auch auf den Rückseiten der Flaschen findet sich der Hinweis auf das Einwegpfand.
Kerstin BechlyNur geringe Anzahl von Milchgetränken in Plastikflaschen
Die Mengen dürften tatsächlich relativ gering am Gesamtaufkommen an Pfandflaschen sein. Aldi Nord teilt mit, dass „weniger als zehn Artikel aus dem Standardsortiment betroffen“ seien, darunter Fair & Gut Landmilch sowie sechs Milch-, Kakao- und Mischgetränke von Milsani. Rewe kann eine solche Angabe nicht machen, weil die Märkte „größtenteils von selbstständigen Kaufleuten betrieben werden, die eigenständig über ihr Sortiment entscheiden“.
In Brandenburger Mensen keine Einwegflaschen
Auf die neue Regelung mussten sich nicht nur Supermärkte, Discounter und Einzelhändler einstellen, sondern alle Unternehmen, die derartige Einweg-Plastikflaschen im Sortiment führen und verkaufen. „Das könnten auch Versorgungseinrichtungen an Universitäten, Behörden, Großunternehmen, Bahnhöfen, etc. sein“, verdeutlicht Christine Minkley vom Handelsverband. Das Studentenwerk Frankfurt (Oder), das Mensen und gastronomische Einrichtungen in Frankfurt (Oder), Eberswalde, Cottbus und Senftenberg betreibt, verkauft jedoch keine verpackten Milcherzeugnisse, teilt Andreas Gaber vom Studentenwerk mit. „In der Küche verwenden wir beim Einsatz von Milch Tetra Paks. Diese sind weiterhin pfandfrei. Als sogenannte Verbundverpackung werden diese über die Gelbe Tonne entsorgt.“
Höhere Anforderungen an Hygiene
Wichtig ist den Unternehmen der Hinweis, dass sich mit den neuen Flaschen, sollten sie vom Kunden nicht gereinigt geliefert werden, dennoch keine Hygiene- und Geruchsprobleme einstellen dürften. Die Pfandautomaten würden täglich geleert und gereinigt, heißt es bei Aldi Nord. Kaufland spricht von einer „regelmäßigen“ Reinigung.
Für den Einzelhandelsverband ist mit der Erweiterung der Pfandpflicht noch nicht das Machbare erreicht. Christine Minkley gibt Verbrauchern mit auf den Einkaufsweg, generell Mehrweg- statt Einwegverpackungen zu nutzen und beispielsweise Getränke oder Joghurt im Mehrwegglas zu kaufen. „Jeder sollte mithelfen, die Statistik bezüglich des durchschnittlichen pro Kopf-Verbrauchs an Verpackungsmüll von 226 kg im Jahr zu senken“, nennt sie ein Ziel. Natürlich könne nur bedingt auf Verpackung verzichtet werden, „weil sie gerade für Lebensmittel wichtige Aufgaben erfüllt, zum Beispiel für den Erhalt der Frische, Qualität, Haltbarkeit und Transport.“ Die Regionalleiterin sieht aber auch, dass ein Großteil der Verpackungen nach dem Verbrauch immer noch achtlos weggeworfen werfe. „Hier ist der Ansatz – richtig zu recyceln und wie das geht, frühzeitig über pragmatische Mittel wie Bildung vermitteln, am besten schon in der Kita.“

Für Milch und Milcherzeugnisse in Glasflaschen gilt schon länger Mehrwegpfand.
Kerstin BechlyUmwelthilfe legt den Fokus jetzt auf Getränkekartons
Zufrieden mit der aktuellen Regelung im Pfandsystem ist die Deutsche Umwelthilfe noch lange nicht. Eine große Lücke würde Getränkekartons betreffen. 34 Prozent davon würden falsch entsorgt – zum Beispiel im Restmüll oder der Papiertonne statt im gelben Sack - oder landeten in der Umwelt, heißt es in einer Mitteilung. „Bepfandete Einweg-Getränkeverpackungen haben hingegen eine Sammelquote von 98 Prozent. Durch ein Pfand könnten jährlich rund 2,3 Milliarden Getränkekartons den Weg ins Recycling finden, die bislang verbrannt werden“, betont die DUH. Umweltministerin Lemke sollte deshalb auch Getränkekartons schleunigst in die Pfandregelung einbeziehen.
Forderung nach Einweg-Abgabe
Die Umwelthilfe verweist weiterhin darauf, dass regionale Mehrwegflaschen besonders ressourcen- und klimaschonend seien. Aktuell sei die Mehrwegquote für Getränkeflaschen mit rund 43 Prozent zu niedrig. Gesetzlich festgeschrieben sind 70 Prozent. Deshalb fordert die DUH zusätzlich zum Pfand eine Einweg-Abgabe in Höhe von mindestens 20 Cent pro Plastikflasche.
Wofür Einwegpfand gilt
►Das Mehrweg-Pfand für Flaschen aus Glas oder Kunststoff beträgt nur 8 Cent für Bier- oder 15 Cent für andere Getränke. Für Einweg-Flaschen sind wie für andere Verpackungen im Einwegpfandsystem 25 Cent zu entrichten. Während das Einweg-Pfand im Verpackungsgesetz geregelt ist, ist das Mehrwegpfand verpflichtend für Händler.
►Laut Übersicht der Deutschen Pfandsystem DPG GmbH (PDF) gilt Einwegpfand für Einwegkunststoffgetränkeflaschen und -verpackungen, Getränkedosen, Metallverpackungen und Einwegglas – insgesamt 100 Produktgruppen von Wasser- und Erfrischungsgetränken über Milch- sowie Frucht-/Gemüsegetränke, diätische Getränke sowie alkoholhaltige/entalkoholisierte Mono- bzw. Mischgetränke.
►Vor dem 1. Januar 2022 waren 45 Produktgruppen bereits pfandpflichtig, 19 ab dem 1. Januar 2022 und zwei seit Jahresanfang 2024. 34 Gruppen sind nicht pfandpflichtig, vorrangig Metallverpackungen und Einwegglas.
►Laut Verbraucherzentrale können pfandpflichtige Einweg-Verpackungen in jeder Verkaufsstelle zurückgegeben werden, „die Einweg-Gebinde aus dem gleichen Material verkauft. Ausschlaggebend ist allein das Material und nicht die Form, die Marke oder der Inhalt der Verpackungen“. Eine Sonderregelung gibt es für kleine Läden mit unter 200 Quadratmeter Verkaufsfläche: „Sie müssen nur Leergut solcher Marken und Materialien zurücknehmen, die sie selbst im Sortiment führen.“



