Traber Derby Meeting 2023 in Berlin
: Wetten ab 15 Cent – das Wichtigste zum Pferderennen in Mariendorf

Beim großen Traber Derby Meeting in Berlin-Mariendorf 2023 gibt es nicht nur erstklassigen Pferdesport zu sehen, sondern auch etwas zu gewinnen. Alle wichtigen Informationen zu Favoriten, Wettchancen und Programm.
Von
Maria Neuendorff
Berlin
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  • Unter den Favoriten: Der Hengst Gio Cash, hier mit seinem Fahrer Dion Tesselaar, gilt derzeit als schnellstes Pferd unter den Teilnehmern des 128. Deutschen Traber Derbys.

    Unter den Favoriten: Der Hengst Gio Cash, hier mit seinem Fahrer Dion Tesselaar, gilt derzeit als schnellstes Pferd unter den Teilnehmern des 128. Deutschen Traber Derbys.

    Heiko Lingk
  • Zum Derby wird die Trabrennbahn in Berlin-Mariendorf immer richtig voll, wie das Bild aus dem vergangenen Jahr zeigt. Neben hochkarätigem Pferdesport gibt es an den fünf Veranstaltungstagen auch immer ein Rahmenprogramm für Jung und Alt.

    Zum Derby wird die Trabrennbahn in Berlin-Mariendorf immer richtig voll, wie das Bild aus dem vergangenen Jahr zeigt. Neben hochkarätigem Pferdesport gibt es an den fünf Veranstaltungstagen auch immer ein Rahmenprogramm für Jung und Alt.

    Andreas Gora/dpa
  • Die Gespanne fahren auf der Trabrennbahn in Berlin-Mariendorf ein Rennen. Bei der 128. Auflage des Deutschen Traber Derbys in Berlin-Mariendorf werden in diesem Jahr rund 1,5 Millionen Euro Preisgeld in rund 70 Rennen ausgeschüttet.

    Die Gespanne fahren auf der Trabrennbahn in Berlin-Mariendorf ein Rennen. Bei der 128. Auflage des Deutschen Traber Derbys in Berlin-Mariendorf werden in diesem Jahr rund 1,5 Millionen Euro Preisgeld in rund 70 Rennen ausgeschüttet.

    Andreas Gora/dpa
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Am Sonnabend, 5. August, beginnen in Berlin-Mariendorf die heißen Tage. Das wichtigste Ereignis des deutschen Trabrennsports zieht nicht nur Pferdesportliebhaber und Zocker auf die Rennbahn, sondern auch ein breites Publikum. Die Regeln und Hintergründe des Trabrennsports und des Pferdewettens sind aber nur wenigen vertraut. Hier geben Bahnmoderator Nicolai Laaser sowie der Sprecher des Berliner Trabrennvereins, Heiko Lingk, die wichtigsten Informationen für den Besuch auf der Rennbahn:

Was ist so Besonderes am Traber Derby?

Es ist Deutschlands bedeutendste Traber-Sport-Veranstaltung, hat auf der Rennbahn in Mariendorf eine über 100 Jahre alte Tradition und findet in diesem Jahr zwischen dem 5. und dem 20. August 2023 an insgesamt fünf Veranstaltungstagen statt. Bei den hoch dotierten Hauptrennen treten die besten vierjährigen inländischen Pferde aus Deutschland auf einer Distanz von 1900 Metern gegeneinander an. Insgesamt werden rund 1,5 Millionen Euro Preisgelder an erfolgreiche Pferdebesitzer, Trainer, Fahrer und Züchter vergeben.

Pferde, die galoppieren, werden disqualifiziert

Was ist der Unterschied zum Galopprennsport?

Beim Trabrennsport gibt es keine Jockeys, sondern Fahrer. Die sogenannten Sulkys, in denen sie sitzen, werden hinter die Pferde gespannt. Die Hengste, Stuten und Wallache, die beim Start und auf der Zielgeraden bis zu 55 km/h schnell werden, dürfen während des Rennens nur traben. Verfallen sie in die schnellere Gangart Galopp, wird das Gespann disqualifiziert.

Ist das nicht Tierquälerei?

Der Trab ist eine natürliche Gangart des Pferdes. Die Tiere werden vor und nach den Rennen von Besitzern sehr gut gepflegt, auch damit sie die besten sportlichen Leistungen bringen können. Eine neue Regelung besagt, dass die Peitsche auch nicht mehr aus der Schulter, sondern nur noch aus dem Handgelenk betätigt werden darf. Das heißt, der Sulkyfahrer darf die Peitsche nicht mehr zum Anheizen, sondern nur noch zur „Korrektur“ benutzen, zum Beispiel, wenn ein Pferd ungewollt nach rechts oder links auszuscheren droht. Sie ist dann eher das Signal an ein Pferd: „Hallo, hier sitzt noch jemand hinter dir auf dem Wagen.“

Fahrverbote für Peitschenhiebe

Was passiert, wenn jemand die Regel missachtet?

Dann gibt es Geldstrafen und Fahrverbote. Kontrolliert wird das von den Schiedsrichtern der Rennleitung sowie von Mitarbeitern des Veterinäramtes, die in Autos neben den Rennen herfahren.

Wie kann ich mich orientieren, auf wen ich wetten soll?

Hilfreich ist immer, ein Rennprogramm für 3 Euro zu kaufen. Dort erfährt man, wie die Tiere in den letzten fünf vergangenen Rennen liefen, ob sie in Mariendorf schon mal gewonnen haben oder vielleicht schon häufig disqualifiziert wurden. Dazu sieht man, welche Gewinnsummen sie schon eingelaufen haben und ob vielleicht ein besonders gewiefter Fahrer im Sulky sitzt.

Die Pferde werden vor jedem Derby-Lauf den Zuschauern bei einer Art Parade auch rein optisch vorgestellt. Dazu gibt dann auch Tipps vom Bahnmoderator, der sich vorher in den Stallungen umsieht, um die Tagesform der Pferde zu erkunden.

Gio Cash und Y Not Diamant sind die Favoriten

Wer sind im Jahr 2023 die Favoriten?

Als schnellstes Pferd gilt derzeit „Gio Cash“, der mit dem holländischen Fahrer Dion Tesselaar schon das mit 20.000 Euro dotierte Adbell-Toddington-Rennen 2023 in Mariendorf gewonnen hat, das als eine wichtige Vorprüfung für das Deutsche Traber-Derby gilt.

Ebenfalls ein Favorit auf den Derby-Sieg: Der Hengst „Y Not Diamant“ mit seinem Besitzer Andreas Schwarz, Fahrer Robin Bakker, Pflegerin Demi Veenstra und Trainer Paul Hagoort (v.l.).

Heiko Lingk

Dass der Hengst aber nicht unschlagbar ist, bewies vor kurzem im ebenfalls sehr wichtigen Buddenbrock-Rennen „Y Not Diamant“, der mit Robin Bakker ebenfalls einen der erfolgreichsten holländischen Fahrer hinter sich hat.

Welche deutschen Fahrer gelten als besonders gut?

Den goldfarbenen Schutzhelm trägt seit mittlerweile zehn Jahren Michael Nimczyk aus Nordrhein-Westfalen. Mit dem Goldhelm wird der Berufsfahrer ausgezeichnet, der im Vorjahr die meisten Siege erzielt hat. Gleich 29 Jahre trug Heinz Wewering den Goldhelm. Mit seinen 73 Jahren wird der Sportler beim Derby-Meeting zwar nicht so häufig wie andere Champions in den Sulky steigen, kann aber durch seine unschlagbare Erfahrung als europäischer Rekordfahrer auch weniger erfolgsversprechende Pferde zu besonderen Erfolgen bringen. Das Derby-Finale 2022 gewann der Berliner Thorsten Tietz mit dem Pferd Days of Thunder.

Welche Wettarten gibt es?

Als Einsteigerwette gilt die Platzwette, dabei muss das gewählte Pferd einfach nur unter den ersten drei landen, bei weniger als acht Rennteilnehmern unter den ersten beiden. Mindesteinsatz sind zwei Euro. Als Klassiker gilt die Siegwette, bei der das gewettete Tier auch gewinnen muss. Wer aber dabei nur Favoriten wählt, kann meist nur kleine Gewinne verzeichnen. Anders ist das, wenn man mit einem Außenseiter Recht behält. Es gibt aber auch verschiedene Kombinationswetten, mit denen man dann auch höhere Gewinne einstreichen kann. Allgemein gilt: Je schwerer die Wette zu treffen ist, desto höher die Quoten und damit die Auszahlung für die glücklichen Gewinner.

Wie erfahre ich die Quoten?

Sie sind auf den vielen Bildschirmen der Rennbahn sowie an den Kassen zu sehen. Allerdings können sie sich bis zum Start je nach Wettverhalten immer wieder ändern. So macht es Sinn, erst kurz vor dem Rennen zu wetten. Die Quoten sind auf den Einsatz von einem Euro berechnet. Wenn also hinter einer Startnummer die 1,2 steht, bekommt der Wetter für einen Einsatz von 10 Euro beim Sieg seines Pferdes 12 Euro ausgezahlt. Wenn bei einem Außenseiter die Zahl 34,5 steht, sind es 345 Euro für zehn Euro.

Höhere Ausschüttung als beim Lotto

Was hat es mit der sogenannten V7 Wette auf sich?

Mit nur 15 Cent Einsatz ist man gleich in sieben Rennen hintereinander dabei und muss die jeweiligen Sieger bestimmen. An den Derbysonntagen werden dafür schon mal 10.000 Euro Gewinn garantiert, den man aber teilen muss, wenn auch andere Wetter sieben Richtige haben. Beim Quick-Tipp braucht man sich dagegen keine Gedanken über Pferde, Formen und Fahrer zu machen, denn ein Computer berechnet für den Wetter die chancenreichen Kombinationen und entscheidet, welche Pferde auf dem V7-Wettschein landen.

Es reicht dabei lediglich, die Wettart „V7+“ an der Wettkasse anzusagen und die Höhe des persönlichen Einsatzes (mindestens 10 Euro) festzulegen.

Wer bekommt die Gewinne aus den Wetteinsätzen?

Der Rennverein behält rund ein Viertel des Wettumsatzes ein, um damit den Betrieb der Rennbahn und die Rennpreise zu finanzieren. Dabei sind die Abzüge des Umsatzes deutlich geringer als zum Beispiel beim Lotto, wo nur rund die Hälfte der Einsätze wieder an die Spieler ausgeschüttet wird. Der Wettumsatz beim Derby-Meeting 2022 betrug rund 2,24 Millionen Euro. Der Rennbahnverein erwartet, dass die Summe sich in diesem Jahr noch erhöhen wird.

Kann ich auch selbst Rennpferd-Besitzer werden?

Ja, zum Beispiel bei der Jährlingsauktion – die am Sonnabend, 5. August, nach dem ersten Renntag ab 18 Uhr stattfindet – können einjährige Pferde ersteigert werden. Die Anfangsgebote liegen bei 2000 Euro, steigen aber schnell auf 4000 bis 5000 Euro. Haben die Pferde einen vielversprechenden Stammbaum, können sie auch locker 10.000 bis 20.000 Euro kosten. Für absolute Edelblüter werden von Interessenten, aber auch schon mal im Vorfeld, 70 000 Euro als Anfangsgebot gesetzt.

Was kostet der Eintritt an den Derby-Tagen in Mariendorf?

Das normale Ticket kostet zehn Euro. Studenten und Rentner zahlen fünf Euro. Kinder bis 18 Jahre sind frei. Für die jungen Besucher gibt es an den Derby-Tagen auch besondere kostenlose Angebote wie eine Hüpfburg, ein Trampolin und Ponyreiten. Des Weiteren kann man an den fünf Veranstaltungstagen aber auch gesonderte VIP-Tickets buchen. Für 100 bis 130 Euro ist man auf der Kaiserlich-Endellschen Tribüne dabei und kann den gesamten Renntag über edel speisen und trinken. Im großen Tribünenhaus mit Terrasse gibt es ebenfalls für 30 Euro ein Flatrate-Angebot für alkoholische Getränke, Kaffee und Softdrinks.

Golfspielen auf der Trabrennbahn Mariendorf

Was passiert auf der Rennbahn in Mariendorf, wenn nicht gerade Derby ist?

Auf der über 100 Jahre alten Anlage im Süden Berlins herrscht eigentlich nie Stillstand. Es gibt keine Saison wie beim Galopprennsport. Die Trabrennen finden auch im Winter mindestens zweimal im Monat statt. Da die Besucherzahlen allgemein im Sulky-Sport in den vergangenen 20 Jahren stark abgenommen haben, kämpfen Rennvereine in ganz Deutschland ums Überleben und müssen auch anderweitig Einnahmen generieren.

In Berlin-Karlshorst zum Beispiel wird die Rennbahn deshalb auch für Trödelmärkte, Feste und Konzerte vermietet. In Mariendorf kann man dagegen unter anderem im grünen Innenbereich während der renn- und trainingsfreien Zeiten Golf spielen.

Fünf besondere Tage im August

Das 128. Derby-Meeting startet am Sonnabend, 5. August, um 11 Uhr mit dem Medienrenntag. Dabei wird als 6. Rennen unter anderem auch der mit 10.000 Euro dotierte „Große Preis der Märkischen Oderzeitung“ ausgetragen, bei dem sich weibliche Pferde für das Stutenderby am 19. August qualifizieren können. Favorit in diesem Rennen ist der Trabrennfahrer Josef Franzl mit seiner Stute namens Sinfoniee.

Sonntag, 6. August, beginnen ab 12 Uhr die Vorläufe zum großen männlichen Derby-Finale am 20. August (ab 12 Uhr), dem absoluten Höhepunkt des Derby-Meetings. Alles Infos und Tickets unter www.rennbahn-berlin.de.