Plattform
: Die Wirtschaft will das „Netflix für Weiterbildung“

Die CDU-Fraktion bekommt prominente Unterstützung für ihr Fortbildungsprojekt „Milla“.
Von
Igor Steinle
Berlin
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Zukunft: Lebenslanges Lernen wird immer wichtiger.

Sebastian Kahnert

Führende Unternehmen haben deswegen nun für das „Milla“-Konzept der CDU geworben, mit dem „lebensbegleitendes“ Lernen für eine breite Öffentlichkeit attraktiv gemacht werden soll. "Auch wir sehen die Notwendigkeit, dass etwas getan werden muss, und begrüßen daher die Ini­tiative“, sagte die Google-Analystin Anna-Verena Naether am Dienstag in Berlin. „Wir freuen uns, dass mit Milla eine digitale Plattform geschaffen werden soll, die den Zugang zu Weiterbildung vereinfacht.“ Die Telekom sowie die Sprachlern-App Babbel können sich sogar vorstellen, Inhalte für Milla bereitzustellen. Der Bedarf sei groß: „Viele Unternehmen kommen gerade auf uns zu, weil die Betriebssprache auf Englisch umgestellt wird“, sagte Susanne Wechsler von Babbel. IBM ist ebenfalls an „guten Weiterbildungsinhalten“ interessiert.

Mit Milla ("Modulares interaktives lebensbegleitendes Lernen für alle") sollen Anbieter von Fortbildungskursen ihre Angebote, ähnlich wie Filme und Serien auf der US-Plattform Netflix, auf einer zentralen Internetseite bereitstellen können. „Weiterbildung ist nicht die Rückkehr auf die Schulbank mit Lehrern, die man nicht mag“, betont der CDU-Abgeordnete und Leiter des Arbeitskreises „Zukunft der Arbeit“, Thomas Heilmann. „Wir wollen die Menschen verführen.“ Nach den Vorstellungen des Arbeitskreises sollen Nutzer für absolvierte Kurse Punkte erhalten, mit denen sie nicht nur im Lebenslauf punkten können.

Wie beim Bonussystem Payback könne man diese dann für Koffer oder Kochsets einlösen. Die Kosten sollen ein bis drei Milliarden Euro jährlich betragen. Ob das Konzept in der Form jedoch jemals Realität wird, steht in den Sternen. „Wir arbeiten daran, dass es Teil der Nationalen Weiterbildungsstrategie wird“, sagte Heilmann. Deren Grundzüge sollen noch im Sommer vorgestellt werden. In einer Antwort des zuständigen Bundesforschungsministeriums auf eine Parlamentsanfrage ist von Milla jedoch lediglich als „interessantem Vorschlag“, der „ergebnisoffen“ geprüft werde, die Rede.

Die FDP nahm das zum Anlass, Milla für beerdigt zu erklären. Das ging einem Ministeriumssprecher jedoch zu weit: „Wenn etwas geprüft wird, heißt das noch nicht, dass etwas nicht kommt“, sagte er.