Politische Vorgaben
: Bauern müssen wegen Klima umsteuern

Die deutschen Bauern müssen umsteuern, als Gründe dafür die gelten extreme Wetterbedingungen, aber auch politische Vorgaben.
Von
Nina Jeglinski
Berlin
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Besonders der Dürresommer 2018 hat vielen Landwirten Umsatzeinbußen beschert.

Patrick Pleul/zb/dpa

Das Durchschnittsalter der Betriebsleiter betrage derzeit 55 Jahre. Viele der Nachfolger denken dann über eine Neuausrichtung nach. Vor allem Milchvieh- und Rindermastbetriebe entscheiden sich für einen Richtungswechsel: In diesen Segmenten ist der Preisverfall besonders hoch, die politischen Debatten werden sehr emotional geführt.

Die Gewinne der deutschen Bauern sind stark abgesackt. Im Ende Juni abgelaufenen Wirtschaftsjahr 2018/19 sank das Ergebnis der Betriebe im Schnitt um 18 Prozent auf 54 900 Euro. Diese Zahl könne jedoch nicht wie ein „Bruttoverdienst gerechnet werden“, sagte Rukwied, weil davon noch Sozialleistungen und Investitionen abgezogen werden. Er sprach von einer „deutlich verschlechterten wirtschaftlichen Lage“ der Landwirtschaft.

Wenige Investitionen

Ein weiteres Problem sei, dass zahlreiche Betriebe sich mit Investitionen zurückhielten. Als Gründe werden aber nicht nur der Dürresommer 2018 genannt, sondern auch die politische Unsicherheit. „Die Politik gibt kein einheitliches Bild ab“, klagt Rukwied. Dabei sei ein nicht geringer Teil der Landwirte durchaus bereit, im Bereich von Stallungen „Geld in die Hand zu nehmen, um in das Tierwohl zu investieren“.

Die Vorstellungen der neuen EU-Kommission und der Green Deal von EU-Präsidentin Ursula von der Leyen gelten im Bauernverband „als ein ambitioniertes Ziel“, jedoch „werden  wir unseren Teil dazu beitragen“, betonte Rukwied. Dazu sei aber erforderlich, dass innerhalb der Union die Wettbewerbsregeln für alle Mitglieder gleich seien. Dazu müssten die geforderten höheren Umwelt- und Sozialstandards der EU auch für Agrarimporte gelten.

Notwendig seien einheitlichere Rahmenbedingungen im EU-Binnenmarkt statt nationaler Alleingänge. „Die europäischen Bauern müssen weiter Pflanzenschutzmittel nutzen können, deren Zulassung auf wissenschaftlicher Basis erfolgt“, bekräftigte Rukwied. Dadurch werde die notwendige Sicherung der Ernten genauso berücksichtigt wie der Umweltschutz: „Ernährungssicherung braucht Pflanzenschutz.“

Derweil sagte die Geschäftsführerin der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie, Stefanie Sabet, dass man mit „großer Spannung“ die Umsetzung des Green Deal im Bereich der nachhaltigen Lebensmittelproduktion mit der „Farm-to-Fork-Strategie“ erwarte, bei der die gesamte Lieferkette nachhaltig sein soll. Diese soll im Frühjahr vorgestellt werden.

Sabet sagte, die Ernährungsindustrie wolle die von der EU-Kommission gesteckten Ziele erfüllen. Zudem wollen die Landwirte intensiver mit Kritikern ins Gespräch kommen. Bereits Mitte Januar, zum Start der Grünen Woche in Berlin, soll die Zukunftskommission Landwirtschaft vorgestellt werden.

In dem Gremium sollen nicht nur Landwirte, sondern auch Verbraucherschützer, Umweltverbände und Wissenschaftler vertreten sein und ein Konzept für eine moderne Landwirtschaft erarbeiten. Auch Mitglieder der im Oktober gegründeten Plattform „Land schafft Verbindung“, in der sich Landwirte zusammengeschlossen haben, die sich von der Arbeit des Bauernverbandes nicht mehr vertreten fühlten, sollen  mitarbeiten. Die Zukunftskommission will 2020 erste Ergebnisse vorstellen.

Öko-Anteile der Nahrungsmittel

Die Nachfrage nach ökologisch erzeugten Lebensmitteln ist in Deutschland 2018 um gut fünf Prozent auf 10,9 Milliarden. Euro angestiegen.

Vor allem bei frischen Nahrungsmitteln greifen die Verbraucher zu Bio-Wa­re, die Liste wird von diesen Produkten angeführt: Eier 14,1 Prozent, Milch 9,9 Prozent, Gemüse 8,1 Prozent, Kartoffeln 7,3 Prozent, Jogurt 7,3 Prozent und Obst 6,7 Prozent.

In den vergangenen fünf Jahren ist der Öko-Markt um 37 Prozent gewachsen.