"Sie können viel mehr als ihre Vorgänger", schwärmte Matthias Leyer, Leiter der Technischen Einsatzeinheit, bei der Vorstellung des "WaWe10" in Potsdam. Ein Hohlstrahlrohr mache es möglich, neben den üblichen gezielten Stößen auch Wasserwände, Wasserregen und Wasserglocken zu produzieren. Je nach Einsatzlage.
Eine Wasserwand etwa biete den Beamten Sichtschutz, um einen Zugriff vorzubereiten. Zuweilen genüge es jedoch schlichtweg, Demonstranten oder Hooligans bei Bedarf nass zu machen, um die Lage zu beruhigen. Aber selbst das sei so gut wie nie nötig. "Der Wert unserer Wasserwerfer bemisst sich nicht in der Menge abgegebenen Wassers", sagte der amtierende Polizeipräsident Roger Höppner. Es gehe um Prävention und Abschreckung. "Denn wir haben vermehrt komplexe und kritische Einsätze mit hohem Eskalationspotenzial." Insbesondere wenn Polizisten Gefahr drohe, sei das Mittel des "unmittelbaren Zwangs" wichtig.
Kritiker wie die Linken-Landtagsabgeordnete Andrea Johlige bezweifeln das. "Wir haben in Brandenburg kaum Einsatzlagen, bei denen Wasserwerfer Sinn ergeben. In den wenigen Fällen kann man sich von anderen Bundesländern einen leihen", findet sie. Das spare Kosten und verhindere, dass man sie "zu häufig herausholt, weil sie nun einmal vorhanden sind". Johlige betont, dass die angebliche Deeskalationsfunktion von Wasserwerfern eine Frage der Perspektive sei. "Das mag aus Sicht der Polizei so sein, Demonstranten empfinden sie jedoch eher als eskalierend."
Wie aus der Antwort des Innenministeriums auf eine Johlige-Anfrage hervorgeht, waren Brandenburger Wasserwerfer im vergangenen Jahr sieben Mal am Rande von sogenannten Hochrisiko-Fußballspielen in Cottbus beziehungsweise Babelsberg im Einsatz. Hinzu kamen die Anti-Kohle-Proteste im Herbst in der Lausitz sowie zwei auswärtige Einsätze bei Demonstrationen in Berlin und einer zur Waldbrandbekämpfung in Mecklenburg-Vorpommern. "Ich kenne die Argumentation der Kritiker, bin aber davon überzeugt, dass wir die Wasserwerfer brauchen", sagte Brandenburgs Innenminister Michael Stübgen (CDU). Ein wichtiger Grund sei die zunehmende Gewalt gegen Beamte. Auf die Ausleihmöglichkeiten in anderen Ländern zu verweisen, sei fragwürdig. "Wenn jedes Bundesland so denkt, gibt es gar keine Wasserwerfer." Nun sei Brandenburg ein Land, das gerne verleihe. Stübgen betonte, dass die Anschaffungskosten von einer Million Euro für einen WaWe10 vom Bund getragen werden.

10 000-Liter-Tank

Dieser Wasserwerfer-Typ ist mit einem beheizbaren 10 000-Liter-Tank ausgestattet und kann über zwei Rohre vorne jeweils 1200 Liter pro Minute bis zu 65 Meter weit werfen. Ein weiteres Rohr hinten erreicht mit bis zu 900 Litern pro Minute eine Wurfweite von 50 Metern.
Wichtig für die Abschreckung ist die Lautsprecheranlage: "Unterlassen Sie das Werfen von Steinen und anderen Gegenständen, sonst wird die Polizei dies mittels Wasserwerfern verhindern", hieß es am Donnerstag in einem Testlauf bei der Vorstellung des neuen Geräts.

Erst abgeschafft, dann zurückgeholt


Im Jahre 2012 hat Brandenburg seine Wasserwerferstaffel als unnötig und teuer abgeschafft. 2016 erfolgte die Rückbesinnung. Schlüsselerlebnis war eine Demo 2015 in Neuruppin, wo Linke und Rechte aneinandergeraten waren. Mit ein paar gezielten Wasserstößen aus einem in Hamburg geborgten Gerät konnten Störer gestoppt und die Lage beruhigt werden. Und so bestellte Brandenburg auf Kosten des Bundes wieder Wasserwerfer. Für ihren Unterhalt musste das Land 2019 rund 46 000 Euro bezahlen. Sind sie nicht im Einsatz, erledigen die zuständigen Beamten andere Polizeiaufgaben. mat