Polizeibilanz: Corona hat Einfluss auf die Kriminalität in Brandenburg

Häusliche Gewalt hat in der Corona-Krise zugenommen (Symbolbild).
Jan-Philipp Strobel/dpa„Grenzüberschreitende Kfz-Kriminalität ist durch die Schließung der Grenzen zu Polen faktisch unterbunden.“ In Ostbrandenburg sei die Zahl der Autodiebstähle und der Wohnungseinbrüche gesunken.
Keine konkreten Zahlen bei häuslicher Gewalt
Im Bereich der häuslichen Gewalt ist laut Präsidium hingegen „eine leichte Zunahme beim Einsatzgeschehen“ zu verzeichnen. Hier gibt es aber aus dem Land auch andere Schilderungen. Andreas Büttner, Landtagsabgeordneter aus der Uckermark und Innenexperte der Linksfraktion, sagte zum Beispiel am Donnerstag, dass ihm von offizieller Stelle über eine Vervierfachung der Einsätze wegen häuslicher Gewalt in dem nördlichen Landkreis berichtet worden sei.
Doch konkrete Zahlen etwa zum Vergleich mit dem Vorjahreszeitraum möchte die Polizei auf Nachfrage nicht nennen. Zwar betrachte man im Präsidium die Kriminalitätsentwicklung seit einigen Wochen durchaus mit dem Fokus auf mögliche Auswirkungen der Corona-Krise. Allerdings seien die gewonnenen Daten bislang noch nicht belastbar. Kurzfristige Effekte würden mitunter zu einer Verzerrung des Gesamtbildes und gegebenenfalls zu falschen Rückschlüssen und Sicherheiten führen, gibt der Polizeisprecher zu bedenken. So sei es möglich, dass sich ein angezeigter Straftatbestand nach den Ermittlungen nicht bestätigt. „Mit Hilfe dieser Zahlen lassen sich lediglich vorsichtige Tendenzen ablesen.“
Die Berliner Polizei ist hier nicht so zurückhaltend und veröffentlicht konkrete Daten. Demnach gab es in der Stadt zum Beispiel in der Woche bis Ostersonntag 332 Notrufe wegen häuslicher Gewalt. Ein Anstieg um 54 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, damals waren es 215 Einsätze.
Allein in der vergangenen Woche wurden indes knapp 61 Prozent weniger Taschendiebstähle als ein Jahr zuvor registriert, Wohnungseinbrüche gingen um 65 Prozent zurück. Auch der Diebstahl von Autos sank drastisch (minus 77 Prozent).
Insgesamt wurden in der vergangenen Woche laut Polizei in Berlin 6590 Straftaten erfasst, das waren gegenüber der gleichen Woche im Jahr 2019 rund 18 Prozent weniger. Auch bei Sexualstraftaten gibt es einen deutlichen Rückgang: Wurden in der Vorwoche 51 Fälle angezeigt, waren es in der Vergleichswoche des Vorjahres 33 mehr.
Bei Diebstählen lag die Zahl der erfassten Fälle in der Vorwoche bei knapp 2500 – ein Rückgang um mehr als 26 Prozent. So wurden rund 28 Prozent weniger Fahrräder gestohlen. Polizeipräsidentin Barbara Slowik verwies darauf, dass es auch Bereiche gebe, in denen die Zahl der Delikte gestiegen sei, etwa bei Kellereinbrüchen. Mancher stelle erst jetzt fest, dass schon vor längerer Zeit eingebrochen wurde. Es würden überdies mehr Brandstiftungen beobachtet. „Menschenleere Straßen machen Gelegenheiten“, sagte die Polizeipräsidentin.
Die Polizei beobachte außerdem, dass sich mit den Kontaktbeschränkungen der sogenannte Enkeltrick in einen „Sohn-Tochter-Trick“ wandele: Ältere Menschen bekommen laut Slowik die Mitteilung, dass ihre Kinder, die sie längere Zeit nicht gesehen haben, im Krankenhaus lägen – dann werde Geld verlangt.
Die Tücken der Statistik
Es ist wirklich nicht so einfach, das aktuelle Kriminalitätsgeschehen mit dem des Vorjahres zu vergleichen. Das zeigt ein Beispiel aus Berlin. So ist dort laut Polizei zuletzt die Zahl der Notrufe wegen häuslicher Gewalt im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um mehr als 50 Prozent gestiegen, die Zahl der Anzeigen aber lediglich um 15 Prozent. Woran liegt das, und welche Zahl ist statistisch aussagekräftiger? Brandenburgs Polizei setzt deshalb bevorzugt darauf, nur die Zahl der fertig ermittelten Straftaten miteinander zu vergleichen. Denn hinter mancher Anzeige könnte auch eine ganz andere Straftat stecken oder gar keine. ⇥mat
