Der Zucker in Polen ist ja teurer als bei uns! Das stellen derzeit immer mehr Brandenburgerinnen und Brandenburger fest, die beim Einkaufen im Nachbarland Polen eigentlich sparen wollen. Zumindest, wenn ihnen der aktuelle Wechselkurs der Währungen zum Umrechnen der Preise geläufig ist. Dieser lag zu Beginn dieser Woche bei 4,75 Złoty für einen Euro.
Tatsächlich erreichte die Inflationsrate zwar in Deutschland im Juli die neue Rekordmarke von 7,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. In Polen lag sie aber sogar bei 15,6 Prozent und war damit mehr als doppelt so hoch. Die Suche nach den Ursachen, für die immer höheren Lebenshaltungskosten und das bange Rätselraten, um wie viel die Preise erst im Herbst oder Winter steigen werden, sind deshalb aktuell die meistdiskutierten Themen im Nachbarland.

Speiseöl fast doppelt so teuer wie vor einem Jahr

Der größte Preistreiber unter den Lebensmitteln ist das Speiseöl. „Es kostet aktuell 75 Prozent mehr als vor einem Jahr“, berichtet die Zeitung „Gazeta Wyborcza“. Und tatsächlich: Am Montag dieser Woche (22. August) kostete das preisgünstigste Rapsöl im polnischen Grenzort Słubice umgerechnet 2,10 Euro. Im benachbarten Frankfurt (Oder) gab es die gleiche Flasche bei einem der Discounter dagegen schon für 1,29 Euro. Die eigentlich beliebteste Öl-Marke „Kujawski“ ist für manche Polen inzwischen unerschwinglich geworden, denn sie kostet sogar 2,73 Euro je Liter.
Rationiert: "Maximal zehn Kilo Zucker pro Käufer" steht auf Polnisch auf den roten Schildern.
Rationiert: „Maximal zehn Kilo Zucker pro Käufer“ steht auf Polnisch auf den roten Schildern.
© Foto: Dietrich Schröder
Ähnlich in die Höhe geschnellt sind die Preis für Zucker. Während das Kilo in Brandenburg aktuell für rund 75 Cent in den Regalen steht, kostet es in Polen 1,05 Euro. Und obwohl das Nachbarland zu den größten Zuckerproduzenten in Europa überhaupt gehört, ist der Süßstoff in manchen Läden sogar ausgegangen. „Aktuell machen viele Polen aus den Früchten in ihren Gärten Marmelade oder Säfte für den Winter. Weil dazu viel Zucker gebraucht wird, hamstern die Leute auch noch“, berichtet eine Verkäuferin aus einem Geschäft der Marke „Biedronka“. Deshalb habe man jetzt eine Rationierung vorgenommen. „Je Kunde oder Kundin gibt es nur noch maximal zehn Klio Zucker“, erzählt sie.

Gaststätten haben auch die Preise angehoben

Auch beim Essen in polnischen Restaurants und Kneipen, das für viele Brandenburger zum obligatorischen Programm auf den Tagestouren ins Nachbarland gehört, schauen viele angesichts der Preise verwundert auf die Speisekarten. „Wir mussten aufgrund der gestiegenen Preise fast alle Gerichte um 8 Złoty (knapp 1,70 Euro) teurer machen“, gesteht die Chefin einer beliebten Gaststätte in Słubice. Und fügt gleich hinzu: „Bei euch in Brandenburg ist es ja auch teurer geworden.“
Die Verbraucherberaterin Karolina Wróblewska aus der Deutsch-Polnischen Verbraucherinformation in Frankfurt (Oder) gibt zu bedenken, „dass die deutschen Kunden im Vergleich zu den Polen aktuell sogar noch von dem sehr günstigen Złoty-Kurs profitieren“. Sie gibt den Rat, beim Einkaufen diesen Kurs immer im Blick zu haben. Gleichzeitig verweist sie darauf, dass die polnische Regierung schon im März die Mehrwertsteuer auf Lebensmittel auf null Prozent abgesenkt hatte. Diese Maßnahme wurde inzwischen – genau wie die Steuersenkung auf Benzin und Diesel - bis Ende Oktober verlängert. Und mittlerweile wird darüber spekuliert, dass es sich die PiS-Regierung eigentlich gar nicht leisten kann, ausgerechnet im kalten November die alten Steuern wieder einzuführen.
Apropos Sprit: Die Tankstellen sind momentan so ziemlich der einzige Ort, wo man in Polen garantiert sparen kann. Am Montag (22. August) kostete ein Liter Diesel umgerechnet 1,53 Euro und das Super Benzin E5 gab es für 1,39 Euro. Allerdings gibt es diesen maximalen Vorteil auch nur dann, wenn man die Spritpreise an den verschiedenen Tankstellen in Polen auch miteinander vergleicht.