Prozess: Als falscher Polizist Fürstenwalder Wohnung gestürmt

Langes Vorstrafenregister: Joe K. mit seinem Anwalt Jan Dollwetzel am Freitag in Saal 207 am Frankfurter Landgericht
Mathias HausdingDrei Stunden dauerte das Martyrium am Abend des 7. Februar 2019 in der Fürstenwalder Innenstadt. „Er hat mich gefoltert und mit dem Tod bedroht“, sagte das männliche Opfer später bei der Polizei. „Ich habe ihn angefleht, gebettelt, dass er uns in Ruhe lässt“, erklärte die junge Frau. Da die beiden Vietnamesen kein Geld in ihrer Wohnung hatten, zog der Angreifer irgendwann ab und versuchte, in ein anderes Haus ganz in der Nähe einzubrechen. Verständigt haben sich Angreifer und Opfer kurioserweise zum Teil mittels einer Übersetzungs–App, da die Vietnamesen der deutschen Sprache nicht mächtig waren.
Am Freitag nun musste sich der 28 Jahre alte Joe K., ein in Berlin geborener und dort auch lebender Deutscher, für diese und andere Taten vor dem Landgericht Frankfurt (Oder) verantworten. Der mittelgroße, schlanke Mann mit einer markanten Tätowierung unter dem rechten Auge legte mit gleichgültiger Miene ein Geständnis ab, zumindest soweit er sich an seine Taten erinnern kann oder will.
Er begann mit jenem Verbrechen, von dem er noch weiß. Zwei Monate nach dem Fürstenwalder Übergriff ist er nämlich in Frankfurt (Oder) bei einem Pflegedienst eingebrochen, hat einen Safe aus der Wand gerissen und mitgenommen sowie sich die Schlüssel eines Autos gegriffen und den Wagen ohne Führerschein nach Berlin kutschiert, wo er von der Polizei gefasst wurde und die Beamten im Anschluss laut Protokoll eine Stunde lang auf übelste Art beleidigte, was sein nächstes Vergehen in einer schier endlosen Reihe war.
Joe K. ist ein ständig Alkohol und Drogen konsumierender Intensivtäter, ohne Schulabschluss und ohne Job, der nach eigenen Angaben jeden Tag an 100 bis 150 Euro kommen muss, um seinen Stoff bezahlen zu können. Sein Vorstrafenregister umfasst 20 Einträge, darunter mehrjährige Jugendstrafen unter anderem wegen räuberischer Erpressung und schwerer Körperverletzung. Erst in der vergangenen Woche ist der derzeit in U–Haft sitzende Mann in Berlin neuerlich zu knapp zwei Jahren Haft verurteilt worden.
Beim Frankfurter Pflegedienst und den beiden Fürstenwalder Vietnamesen handelte es sich offenbar um Zufallsopfer. In das Büro des Pflegedienstes stieg er ein, als er an der Oder zu Besuch bei einer Freundin war und im Vorbeigehen sah, dass das Fenster angeklappt war. Und in die Fürstenwalder Wohnung drang er wohl schlicht deshalb ein, weil er es konnte.
Um eine Spielothek zu besuchen, war er von Berlin aus angereist. Die Haustür war offen oder mit einem kleinen mitgeführten Brecheisen leicht aufzuhebeln, und die nicht abgeschlossene Wohnungstür hat er vermutlich mit einem Draht geöffnet. Hier blieben seine Aussagen vage. Es tue ihm leid, aber er habe an dem Tag acht Dosen Cola–Whisky getrunken und könne sich an nichts mehr erinnern.
Die Verteidigung ist zufrieden
Wie die beiden Opfer den Überfall verarbeitet haben, konnte das Gericht nicht in Erfahrung bringen. Sie seien an einen unbekannten Ort umgezogen und stünden deshalb nicht als Zeugen zur Verfügung, bedauerte der Vorsitzende Richter Dirk Kreckel. Zumindest wurden sie äußerlich nicht schwerer verletzt. Ihre Verletzungen konnten im Krankenhaus ambulant versorgt werden.
Wie bestraft man einen offensichtlich unbelehrbaren Intensivtäter? Mit Rücksicht auf seinen Alkoholpegel zum Tatzeitpunkt und die vergleichsweise leichten Verletzungen der Opfer, verhängte die Kammer für die Taten in Fürstenwalde und in Frankfurt eine Gesamtfreiheitsstrafe von drei Jahren und vier Monaten, was genau dem Antrag der Staatsanwaltschaft entsprach. Die Verteidigung zeigte sich damit sehr zufrieden und erklärte noch im Gerichtssaal den Verzicht auf Rechtsmittel gegen das Urteil.
