Die sieben Jahre alte Nichtschwimmerin aus Berlin-Neukölln ist am 6. Juni 2016 während einer Klassenfahrt beim Baden im Werbellinsee ertrunken. Die Staatsanwaltschaft wirft den zwei Lehrerinnen und zwei Erzieherinnen vor, die ihnen zur Obhut anvertrauten Kinder nicht im Blick gehabt zu haben. Sie hätten es versäumt, angemessene Vorkehrungen für die Sicherheit ihrer Schüler zu treffen. Obwohl die Gruppe aus der großen Zahl von 72 Kindern bestand, an der Badestelle noch viele weitere Menschen waren und schlechte Sicht sowie Lärm für Unübersichtlichkeit sorgten, hätten die Angeklagten es unterlassen, sich den erforderlichen Überblick zu verschaffen.
Das tragische Ereignis sei laut Anklageschrift "vorhersehbar und vermeidbar" gewesen. Die Pädagoginnen hätten ihre Aufsichtspflicht verletzt. Die Gruppe habe an dem Tag um 15.30 Uhr mit dem Baden begonnen. Um 15.55 Uhr habe ein Kind eine unbeteiligte Lehrerin einer anderen Schule darauf aufmerksam gemacht, dass das Mädchen leblos im Wasser treibt. Am Abend starb Elif-Fatma im Eberswalder Krankenhaus.
Die Angeklagten erklärten zu Prozessbeginn, sich nicht äußern zu wollen. Die Nebenklage erhob in einer verlesenen Erklärung Vorwürfe gegen die Leiterin der Neuköllner Grundschule. Diese habe die Ermittlungen massiv behindert, indem sie die Existenz von schriftlichen Gedächtnisprotokollen der beteiligten Pädagoginnen verschwieg, kritisierte Rechtsanwalt Kerem Türker. Erst ein Jahr nach dem Ereignis habe sie in einer richterlichen Befragung eingeräumt, dass es diese Protokolle zu dem Ereignis gibt. Sie seien dann von der Polizei im Schulsekretariat sichergestellt worden. "Nachdem diese Protokolle bekannt waren, konnte ziemlich zeitnah Anklage erhoben werden", sagte Türker.
Der Anwalt betonte, dass die lange Verfahrensdauer für die Familienangehörigen sehr belastend sei. "Sie sind traumatisiert. Sie wollen jetzt lückenlose Aufklärung, wissen, welche Personen für den Tod ihrer Tochter verantwortlich sind." Zudem hätten sie die Hoffnung, dass sich die Angeklagten doch noch vor Gericht äußern.
Die Pädagoginnen arbeiten nach Einschätzung der Nebenklagevertreter nach wie vor an der Schule. Von Disziplinarverfahren gegen sie sei nichts bekannt.
Für den Prozess sind zehn weitere Verhandlungstage angesetzt. Mit einem Urteil wird am 27. Mai gerechnet.