Raub in Berlin-Spandau: Überfall auf Rossmann-Filiale in den Arcaden – das Urteil

Die Verkäuferin, die der Angeklagte bei seinem Raub am im Juni 2024 in der Filiale von Rossmann in den Spandau Arcaden bedrohte, leidet noch immer unter den Folgen. Richterin Kerstin Ritz verkündete am am Landgericht Berlin das Urteil.
Roland Becker- 27-Jähriger überfällt Rossmann in Spandau nach Gefängnisentlassung; Urteil: 2 Jahre, 10 Monate Haft.
- Angeklagter Mohammad N. droht Kassiererin mit Messer, raubt 1398,80 Euro, übersehen große Scheine.
- Polizei nimmt Täter nach Flucht fest; Kokain und Cannabis im Blut nachgewiesen.
- Hintergrund: Obdachlos, drogensüchtig, abgebrochene Entziehungskuren, schwierige Familienverhältnisse.
- Verkäuferin leidet weiterhin psychisch; Täter muss Entziehungskur machen.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Antonia D., Kassiererin der Rossmann-Filiale in den Spandau Arcaden, dürfte an jenem Dienstag (25. Juni 2024) schon an den Feierabend gedacht haben, als eine knappe Stunde vor Ladenschluss kurz nach 20 Uhr plötzlich ein Mann vor ihr stand und ihr einen Rucksack mit der Aufforderung zuwarf, „Mach voll! Gib das Geld raus!“. Seine Forderung unterstützte der Mann, indem er die Frau mit einem Messer bedrohte und ankündigte zuzustechen, falls sie seiner Forderung nicht nachkomme.
Geistesgegenwärtig warf die Verkäuferin den Rucksack zurück in seine Richtung und floh. Der 27-jährige Räuber bediente sich daraufhin selbst. Mit dem Messer öffnete er die Kasse und raubte exakt 1398 Euro und 80 Cent. Doch dabei übersah er etwas Wesentliches.
Spandau: Räuber ließ den Großteil des Geldes in der Kasse
„Die großen Scheine hat er übersehen“, wird Staatsanwältin Anke Schülke an diesem Mittwoch (30. Oktober 2024) später in ihrem Plädoyer anmerken. Weshalb der obdachlose Mann mit afghanischer Staatsbürgerschaft auf den größeren Teil der möglichen Beute verzichtete, bleibt offen. War es, weil er schon wieder erheblich unter Drogen stand?
Aus dem Knast war er tags zuvor mit einem Entlassungsgeld gekommen, das der Süchtige am für seinen Drogenumschlag berüchtigten Leopoldplatz im Wedding sofort in Kokain umsetzte. Am Tag darauf war das Geld alle, die Sucht nach dem Kokain aber wieder da.
Spandau: Einen Teil der Beute sofort in Kokain umgesetzt
Nach dem Überfall, der von einer Videokamera aufgezeichnet wurde, floh Mohammad N. etwa drei Kilometer weit bis zum Brunsbütteler Damm. Wo auf dem Weg dorthin er bereits wieder Kokain gekauft hatte, bleibt unklar. Als ihn die Polizei gegen 21 Uhr festnahm, fehlten von der Beute bereits gut hundert Euro. Bei einer Blutuntersuchung nach der Inhaftierung wurden bei ihm Kokain und Cannabis nachgewiesen.
Vor den Richtern gibt der Angeklagte zu, den Überfall begangen zu haben. An Details aber könne er sich nicht mehr erinnern. Er hat nur einen Wunsch: „Lassen Sie mich frei. Ich möchte arbeiten gehen, heiraten und mir ein Leben aufbauen.“ Ein frommer Wunsch.
Auf besonders schweren Raub, für den Mohammad N. an diesem Tag verurteilt werden wird, stehen fünf bis 15 Jahre Haft, im minderschweren Fall mindestens ein Jahr. Die Staatsanwältin fordert drei Jahre und zwei Monate Gefängnis. Der Angeklagte, dem die Richterin eine normale Intelligenz bescheinigt, dürfte ahnen, dass es mit dem Arbeiten und Heiraten in Freiheit so schnell nichts werden dürfte. Das auch deshalb, weil er in der Vergangenheit kein Interesse zeigte, Entziehungskuren durchzustehen. Zwei solcher Behandlungen brach er ab.
„Ich möchte nicht ins Krankenhaus“, sagt er auch jetzt und schüttelt mit dem Kopf, als er gefragt wird, ob er bereit sei, sich wegen seiner Drogensucht behandeln zu lassen. „Ich habe mir die Drogen inzwischen abgewöhnt. Ich habe die nur genommen, weil mein Leben so langweilig war“, will er der Vorsitzenden Richterin weiß machen.

Im ersten Stock der Spandau Arcaden befindet sich die Rossmann-Filiale, die Mohammad N. am 25. Juni 2024 überfallen hat. Zwar konnte der Täter über die Rolltreppe fliehen und danach von einem Teil der Beute noch Kokain kaufen. Doch eine Stunde nach dem Raub hatte ihn die Polizei bereits geschnappt.
Johannes LeichsenringLangweilig ist ihm demnach bereits seit sieben Jahren. Im Alter von etwa 20 Jahren, so berichtet es die ärztliche Sachverständige, habe Mohammad N. angefangen, fast täglich Kokain zu nehmen. Mal in Frankfurt/Main, mal in Hamburg, dann in Berlin schlug sich der Angeklagte als Obdachloser durchs Leben, wurde mehrfach straffällig. Wie er in diese Sackgasse seines Lebens geriet, bleibt vor Gericht teils im Nebulösen.
Raub in Spandau: Täter muss neben Haft in Entziehungskur
Bekannt ist nur, dass sich seine Eltern trennten, als der in Kabul geborene Mohammad N. zwölf Jahre jung war. Die Mutter ging nach Australien, er schaffte es irgendwie, aus Afghanistan zu seinem in Deutschland lebenden Vater zu kommen. Dieser habe ihn, als er 17 war, aus der Wohnung geschmissen. Etwa ein Jahr lebte er in einer Jugendeinrichtung, lehnte aber danach jegliche Unterstützung ab. Was in den Jahren danach folgte, fasst die Gutachterin in einem Satz zusammen: „Sein Leben war auf den Drogenkonsum ausgerichtet.“ Mohammad N. sei alles andere als motiviert, an seinem Leben etwas zu ändern. Ein Gespräch mit ihr habe dieser abgebrochen, „weil er sich bei meinen Fragen gelangweilt hat“.
Ob er sich jetzt besinnt und die ihm verordnete Hilfe annimmt, einen Ausweg aus seiner Drogensucht zu finden? Richterin Kerstin Ritz zeigt ihm dafür in ihrem Urteil einen durchaus als hart zu bezeichnenden Weg auf. Sie verurteilt ihn nicht nur wegen eines minderschweren Falles von besonders schwerem Raub – so kompliziert kann Juristendeutsch klingen – zu zwei Jahren und zehn Monaten Gefängnis. Sie verfügt zudem die sofortige Einweisung in den Maßregelvollzug, wo er sich einer Entziehungskur unterziehen muss. Die Richterin sieht die Gefahr, die von N. ausgeht, noch längst nicht als gebannt an. In seinem jetzigen Zustand sei zu befürchten, dass „er weitere vergleichbare Taten zur Beschaffung von Drogen“ begehen würde.
Die Verkäuferin Antonia D. arbeitet gut vier Monate nach dem Überfall weiter in der Rossmann-Filiale in den Arcaden von Spandau. Als Zeugin vor Gericht hatte sie ausgesagt, dass sie an dieser Kasse sitzend immer wieder den Täter vor sich sieht.

