Es ist eine Großaktion, die am frühen Morgen des 29. September in Berlin, Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt anläuft. Um 6 Uhr nehmen Polizeikräfte gleichzeitig mehr als 40 Wohnungen, Clubräume und selbst Gefängniszellen ins Visier. Spezialeinsatzkommandos und Einheiten der GSG 9 sind im Einsatz. Denn es geht gegen eine berüchtigte kriminelle Organisation: die Hells Angels.
Grund für die Polizei-Aktion ist ein Verbot, das die Senatsverwaltung von Berlin ebenfalls am Morgen erlassen hat. Es geht gegen den Verein „Hells Angels Motorcycle Club Berlin Central“ („HAMC Berlin Central“) einschließlich seiner Unterstützergruppierung „MP 81 Berlin Central“, wie die Senatsverwaltung kurz nach Beginn der Aktion mitteilt. Die Gruppe gilt als Ersatzorganisation des bereits vor Jahren verbotenen „Hells Angels Motorcycle Club Berlin City“. Offensichtlich hatten sich die Rocker nicht um das Verbot gekümmert, sondern einfach neue Vereine gegründet, zuletzt den nun erneut verbotenen Charter Berlin Central.

16 Durchsuchungen gegen Rocker in Brandenburg

Was hat das alles mit Brandenburg zu tun? Eine Menge. Denn der Berliner Rockerclub hat Verbindungen weit über die Hauptstadt hinaus. So steht beispielsweise in Cottbus derzeit ein ehemaliger Profi-Boxer vor Gericht, der zumindest zeitweise Mitglieder der Berliner Hells Angels gewesen sein soll und unter anderem in jenen Wettbüro-Mord involviert war, der mit dazu beigetragen hat, dass der Berliner Ableger der Rockerszene tief stürzte.
So verwundert es nicht, dass der Brandenburger Süden auch diesmal Teil der polizeilichen Aktion gegen die Hells Angels ist. Laut Polizei gab es unter anderem Durchsuchungen in Cottbus, Luckau und Forst sowie in der JVA Cottbus-Dissenchen.
„Insgesamt wurden in 16 Wohn- und Einfamilienhäusern sowie Nebengelassen als auch in zwei Justizvollzugsanstalten im Land Brandenburg Beschlüsse der Verwaltungsgerichte Cottbus, Frankfurt (Oder) und Potsdam umgesetzt“, bestätigt Polizeisprecher Mario Heinemann. Neben Spree-Neiße und Dahme-Spreewald seien auch die Landkreise Barnim, MOL und Teltow-Fläming betroffen gewesen.

Razzia gegen Rocker: Spezialkräfte aus sechs Bundesländern in Brandenburg im Einsatz

Dabei kamen nicht nur Beamte aus Brandenburg, sondern auch aus anderen Bundesländern zum Einsatz. „Insgesamt waren 345 Polizistinnen und Polizisten, darunter Spezialkräfte aus sechs Bundesländern in Brandenburg im Einsatz“, so der Leiter der Pressestelle beim Polizeipräsidium in Potsdam.
Festgenommen wurde keiner der ins Visier der Ermittler geratenen Rocker und Unterstützer des Vereins. Es wurden aber zahlreiche Beweismittel sichergestellt. „Kurz- und Langwaffen, Vereinsinsignien, mehrere Kräder und Datenträger“, zählt Heinemann auf.

Das sind die Folgen des Vereinsverbots gegen Berliner Hells Angels

Berlins Innensenatorin Iris Spranger (SPD) zeigt sich zufrieden mit den Ergebnissen der Aktion: „Das heutige Verbot stellt klar, dass wir nicht wegschauen, wenn eine neu geschaffene Organisation an die Stelle eines bereits 2012 verbotenen Vereins tritt und diesen ersetzt. Unser Blick richtet sich auch auf all diejenigen, die versuchen, wirksame Vereinsverbote zu unterwandern, um unter diesem Deckmantel ihre kriminellen Aktivitäten fortzusetzen.“
Was hat das nun für Auswirkungen?: „Es ist ab sofort verboten, Kennzeichen des Vereins und seiner Unterstützergruppierung zu verbreiten oder öffentlich zu verwenden“, teilt die Senatsverwaltung mit. Das Vereinsvermögen sei beschlagnahmt worden. 42 Personen seien von der Durchsuchungen betroffen gewesen, wie eine Berliner Polizeisprecherin sagte. Ziel sei die Sicherstellung von Beweisen gewesen. Von Festnahmen war zunächst nicht die Rede, auch Haftbefehle hätten nicht vorgelegen.
Korrektur: In einer vorhergehenden Fassung des Textes wurde auch von Durchsuchungen in Frankfurt (Oder) geschrieben. Bestätigt wurden nur Razzien in Cottbus-Spree-Neiße, Dahme Spreewald. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.