Nach dem Rücktritt als Vorsitzende der ARD am Donnerstag wackelt nun auch der Intendantinnen-Stuhl von Patricia Schlesinger. Am Freitag meldete sich zuerst die Oppositionspolitiker im brandenburgischen Landtag mit Rücktrittsforderungen zu Wort. Der medienpolitische Sprecher der Linken, Thomas Domres, warnte vor einen Rücktritt auf Raten und forderte Konsequenzen auch für den Chefposten des Senders.
Der erste Rücktritt sei unvermeidlich gewesen, doch er reiche nicht. Dieselben Gründe, die Schlesinger als ARD-Vorsitzende untragbar machten, sprechen auch gegen ihren Verbleib im Intendantenamt. Das schlechte Krisenmanagement koste den Sender jeden Tag weitere Glaubwürdigkeit, so Domres.

Antworten nicht fristgerecht geliefert

Auch Dennis Hohloch forderte für die AfD-Fraktion am Freitag den Rücktritt Schlesingers. Er verwies darauf, dass der Hauptausschuss des Landtages ihr vor zwei Wochen einen Fragenkatalog zu den zahlreichen Vorwürfen gestellt hatte. Die Frist für die Antworten verstrich am Donnerstagabend, ohne dass sie in Potsdam eingetroffen wären. Hohloch sprach von einer „riesigen Respektlosigkeit“ gegenüber dem Parlament und forderte eine erneute Sondersitzung des zuständigen Hauptausschusses und einer Vorladung Schlesingers.
Zu einer ersten Sondersitzung waren weder die Intendantin noch die Rundfunkratsvorsitzende Friederike von Kirchbach oder Verwaltungsratschef Wolf-Dieter Wolf erschienen.

Chef des Hauptausschusses fordert Rücktritt

Gegenüber der Nachrichtenagentur dpa forderte auch der Vorsitzende des Hauptausschusses und SPD-Fraktionschef Daniel Keller den Rücktritt der RBB-Chefin. Wenn absehbar sei, dass es ein Fehlverhalten gab, müsse Schlesinger auch als Intendantin Konsequenzen ziehen, sagte er.

ARD-Intendanten wollten den konsequenten Schnitt

Schlesinger hatte am Donnerstag hausintern zunächst angekündigt, den ARD-Vorsitz Ende des Jahres auslaufen zu lassen und bis dahin keine politischen Termine in dieser Funktion mehr wahrzunehmen. Die Intendantin war Anfang Januar erst an die Spitze der Sender gewählt worden.
Bislang war es üblich, dass das Amt nach einem Jahr um ein weiteres verlängert wird. Offensichtlich reichte das Angebot Schlesingers den Spitzen der anderen ARD-Anstalten nicht aus, um Schaden von der Senderfamilie fernzuhalten.