RE1 in Berlin
: Bahn-Sperrung trifft Tausende Pendler härter als angekündigt

Die RE1-Baustelle in Berlin bremst Pendler aus Frankfurt (Oder) und Brandenburg aus. Viele Züge enden schon vor der Stadtgrenze. Das sorgt für Kritik und wirft Fragen auf.
Von
Maria Neuendorff
Berlin
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Reisende warten auf Bahnsteig 2 des Bahnhofs Zoologischer Garten auf die Ankunft des Regionalexpress RE1 der ODEG mit Fahrtziel Frankfurt (Oder). (zu dpa: «RE1 in und um Berlin: wochenlange Ausfälle und Umleitungen») +++ dpa-Bildfunk +++

Reisende warten am Bahnhof Zoo in Berlin auf den Regionalexpress RE1 der ODEG nach Frankfurt (Oder). Die Strecke ist derzeit wegen Bauarbeiten auf der Stadtbahn unterbrochen.

Sören Stache/dpa
  • RE1 ist in Berlin zwischen Charlottenburg und Ostbahnhof bis Dezember 2026 unterbrochen.
  • Züge aus Frankfurt (Oder) enden meist in Erkner, nur jeder zweite fährt stündlich bis Ostbahnhof.
  • Kritik: Pendler verlieren Zeit, S-Bahn braucht 32 Minuten statt 16 Minuten auf Erkner–Ostbahnhof.
  • Land betont volle Bestellung der Züge – zusätzliche Fahrten seien wegen Infrastruktur nicht möglich.
  • Informationspannen sorgen für Ärger, teils fuhren weniger Züge als auf Aushängen angekündigt.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Der Regionalexpress RE1 kann wegen Bauarbeiten in Berlin zwischen Charlottenburg und Ostbahnhof bis Dezember 2026 nicht fahren. Die Linie wurde deshalb geteilt, teilt der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) mit.

Heißt: Züge aus Richtung Frankfurt (Oder) enden in Berlin-Ostbahnhof. Aktuell fährt allerdings nur der Zug, der ursprünglichen in Brandenburg an der Havel endet, bis Ostbahnhof. Die Züge auf der Strecke von Frankfurt (Oder) nach Magdeburg enden schon in Erkner.

Das heißt, dass nur jeder zweite Zug aus Frankfurt die Menschen zum Ostbahnhof - also so nah wie möglich an die Baustelle - bringt. Diese Züge fahren im Stundentakt, nicht mehr wie üblich im Halbstunden-Takt.

RE1 fährt nur noch stündlich nach Berlin-Ostbahnhof

„Wenn die Leute schon in Berlin auf die S-Bahn umsteigen müssen, warum bringt man sie dann nur nach Erkner, zumal die RE1-Züge ja im Berufsverkehr auch so sehr voll werden?“, fragt Sven Hornauf (BSW). Der brandenburgische Landtagsabgeordnete pendelt wie viele seiner Kollegen von Frankfurt nach Potsdam und hat zu dem Thema schon mehrere parlamentarische Anfragen gestellt. „Welche Gründe liegen vor, dass aktuell nur einmal je Stunde der RE1 von Frankfurt (Oder) bis Berlin Ostbahnhof fährt“, heißt es in einer der Anfragen.

Eine Antwort steht noch aus. Hornauf vermutet, dass das Land schlicht vergessen habe, die Züge bei Linienbetreiber Odeg sowie die entsprechenden Gleise-Berechtigungen bei der Bahntochter DB InfraGo zu bestellen.

Das Ministerium verneint das auf Nachfrage der Redaktion. „Wir haben alle Züge bestellt, die es braucht, und keinen vergessen“, betont Henry Doll, Sprecher des Infrastrukturministerium. „Mit dem bestehenden Konzept, die Züge des RE1 an die sehr häufig verkehrenden Züge der S-Bahn heranzuführen, werden die Folgen für die Fahrgäste bereits bestmöglich abgemildert.“

Fahrt mit S-Bahn dauert doppelt so lange

Allerdings geht die RE1-Fahrt von Erkner zum Ostbahnhof mit knapp 16 Minuten deutlich schneller. Die S-Bahn benötigt 32 Minuten. Könnte man noch Regionalzüge nachbestellen, damit sich die Situation für Pendler, die bis Dezember anhält, nochmal entschärft? „Die Länder können nur Zugfahrten in dem Umfang bestellen, wie sie auf der Infrastruktur beziehungsweise den Gleisen der DB Infra Go AG angeboten werden. Dies ist bereits im vorgesehenen Umfang erfolgt“, verneint Ministeriums-Sprecher Doll.

Das Land bestelle in der Regel „maximal", also soweit möglich, ohne Baustellen. Grund sei, dass sich Baustellen der DB InfraGO AG erfahrungsgemäß häufig ändern. „Wir als Land können dann nicht mehr bei den Bestellungen nachjustieren“, erklärt er.

Grund für die derzeit schwierige Situation für Pendler sei, dass sich zu der Instandsetzung der Stadtbahn weitere Bauarbeiten in Berlin-Köpenick sowie Eichgestell gesellen und parallel auch die Ostbahn (RB26) wegen Bauarbeiten teils gesperrt ist. „Das sind alles Themen des Infrastrukturbetreibers, auf die wir als Land leider keinen direkten Einfluss haben“, so Doll.

RE1: Ruf nach besserer Koordination

Landtagsabgeordneter Hornauf will das so nicht gelten lassen. „Mir geht es nicht darum, jemandem den schwarzen Peter zuzuschieben, sondern um die Frage der Kooperation“, betont der Politiker. Er fordert, dass sich das Land mit der DB InfraGO AG als Bauausführer und der Odeg frühzeitig zusammensetzt, um Bauarbeiten auf wichtigen Pendler-Strecken sowie die daraus resultierenden Fahrpläne so zu koordinieren, dass für die Pendler möglichst wenig Schaden entstehe.

Für die Koordination müsste man einen Fachmann beauftragen, der beispielsweise im brandenburgischen Verkehrsministerium angegliedert ist, und der sich regelmäßig mit den anderen Stellen abspricht, schlägt Hornauf vor.

„Es fuhr nicht mal das, was versprochen wurde“
Sven Hornauf
BSW-Landtagsabgeordner

Wie es in der Abstimmung zwischen InfraGO AG und Odeg läuft, könne man nicht beantworten, heißt es aus dem Ministerium. Es sei aber schon vorgekommen, dass InfraGO kurzfristig Baustellen abgesagt hat, ohne die Odeg fristgerecht zu informierten. Folge: Busse fuhren trotz offener Zugstrecke.

Auch beim Informationsfluss der aktuellen RE1-Sperrung lief nicht alles reibungslos. Auf Bahnhofs-Aushängen und auf der Odeg-Internetseite steht noch, dass stündlich zwei Züge zum Ostbahnhof fahren. „Die Leute standen auf dem Bahnsteig, und es fuhr nicht mal das, was ihnen versprochen wurde“, ärgert sich Hornauf. Er selbst ist inzwischen auf das Auto umgestiegen.

Von den Sperrungen auf der RE1-Strecke seien alleine rund 4000 Pendler aus Frankfurt betroffen. Werde die Regio-Fahrt zum Lottospiel, nehme auch Frankfurt Schaden.

Fahrpläne nach kurzer Zeit überholt

Der angesprochene Fahrplan auf der Odeg-Website sei der Regelfahrplan 2026 inklusive Baumaßnahmen, die vorab feststanden, erklärt Odeg-Sprecherin Swantje Mielke. Neue Maßnahmen und Änderungen würden gesondert veröffentlicht.

Bleibt die Frage, ob es bald wieder mehr Züge nach Ostbahn fahren. Der VBB und die InfraGo ließen entsprechende Anfragen unbeantwortet.

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