S-Bahn in Berlin
: Tunnelbau für S21 macht Berlin-Mitte zur Groß-Baustelle

Die S-Bahn S21 soll den Hauptbahnhof mit dem Südkreuz verbinden. Dafür ist ein Tunnelbau durch Berlin-Mitte unter dem Regierungsviertel nötig. Wann die Strecke fertig sein soll.
Von
Maria Neuendorff
Berlin
Jetzt in der App anhören
Blick in den Tunnel der neuen S21. Nach dem ersten Bauabschnitt, der am 15. Juni 2026 zwischen Gesundbrunnen und Berlin Hauptbahnhof eröffnet wird, ist der Ausbau bis zum Südkreuz geplant.

Blick in den Tunnel der neuen S21. Nach dem ersten Bauabschnitt, der am 15. Juni 2026 zwischen Gesundbrunnen und Berlin Hauptbahnhof eröffnet wird, ist der Ausbau bis zum Südkreuz geplant. Dafür gibt es schon eine Zeitschiene.

Monika Skolimowska/dpa
  • S21 verknüpft Hauptbahnhof mit Potsdamer Platz und später mit Südkreuz – Bau prägt Mitte.
  • Erster Abschnitt S15 startet Mitte Juni zwischen Gesundbrunnen und Hauptbahnhof.
  • Zweiter Abschnitt im Tunnel unter Regierungsviertel geplant; Planfeststellung läuft.
  • Bau nutzt getrennte Röhren, passiert Reichstag und Brandenburger Tor mit Schallschutz.
  • Dritter Abschnitt via Gleisdreieck und Yorckstraße bis Südkreuz geplant, Eröffnung später.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Wenn Mitte Juni die neue S-Bahn-Linie 15 von Gesundbrunnen zum Hauptbahnhof in Betrieb geht, ist das nur der Anfang für das Mega-Projekt S21. Die neue Nord-Süd-Verbindung soll weiter bis zum Potsdamer Platz führen und in einem dritten Bauabschnitt sogar bis zum Südkreuz verlängert werden.

Damit gibt es künftig erstmals eine direkte S-Bahn-Verbindung zwischen Hauptbahnhof und Potsdamer Platz. Der zweite 1,2 Kilometer lange Abschnitt wird dabei komplett als Tunnel unter dem Regierungsviertel geplant.

„Oberirdisch Gleise und Weichen zu bauen, ist nicht die große Kunst“, sagt Holger Ludewig, technischer Projektleiter des S21-Projekts. „Das Ganze unterirdisch dann auch mit Fluchtwegen, Brandmeldeanlangen und Notstromanlagen auszustatten, ist das, was uns hier maßgeblich beschäftigt.“

Neue S-Bahn zwischen Hauptbahnhof und Potsdamer Platz

Wie kompliziert das ist, zeigte schon der erste Bauabschnitt mit einem neuen provisorischen Haltepunkt unter dem Hauptbahnhof, der nach zahlreichen Hindernissen und Pannen mit neunjähriger Verzögerung an den Start geht und rund 800 Millionen kostete.

Für den zweiten Abschnitt zwischen Hauptbahnhof und Potsdamer Platz läuft gerade das Planfeststellungsverfahren. Man hoffe noch im Herbst auf grünes Licht vom Bundeseisenbahnamt, sagte Alexander Kaczmarek, zuständiger Konzernbevollmächtigter der Deutschen Bahn, auf einem Vor-Ort-Termin Ende der vergangenen Woche.

Für den Bau in geschlossener und offener Tunnelbauweise durch das Regierungsviertel würden modernste Technologien angewendet. „So wurde vorher noch nie gebaut“, betont Kaczmarek. Südlich des Hauptbahnhofs soll sich der Tunnel in zwei Röhren aufteilen. Die beiden S-Bahn-Stränge vereinen sich dann wieder südlich des Reichstagsgebäudes.

Die neue Trasse führt parallel zum Regional- und Fernverkehr sowie der U5 unterirdisch an mehreren Regierungsgebäuden vorbei. Passiert werden zum Beispiel das Paul-Löbe-Haus und der Reichstag. Zudem führt die S21 knapp westlich unter dem Brandenburger Tor sowie unter dem Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas hindurch.

So wird Berlin-Mitte über Jahre von Baugruben geprägt sein, die zeitlich nacheinander für die für Berlin übliche offene Tunnelbauweise ausgehoben werden. Eine wird sich vor dem Brandenburger Tor befinden, eine weitere mehrjährige Baustelleneinrichtungsfläche auf dem Spreebogenpark. Bäume müssen im Tiergarten und vor dem Brandenburger Tor gefällt werden.

Um die Schallbelastung beispielsweise am Denkmal für die ermordeten Sinti und Roma Europas zu minimieren, wird das Tunnelbauwerk dort mit einem Masse-Feder-System versehen. So sollen laut Bahn am Denkmal weder Vibrationen noch eine Schallbelastung auftreten.

Südlich des Brandenburger Tors können die Planer dann auf einen rund 400 Meter langen bestehenden Tunnel zurückgreifen. Es handelt sich um eine zweigleisige Kehr- und Abstellanlage nördlich des Potsdamer Platzes. Der historische Tunnelabschnitt wird „Heuboden“ genannt, weil er sich über den regulären Streckengleisen des Nordsüd-Tunnels befindet, die in den 1930er-Jahren als Vorleistung für eine nie vollendete S-Bahn-Linie gebaut wurden.

Mit dem 2. Bauabschnitt zwischen Hauptbahnhof und Potsdamer Platz sollen vor allem der bestehende Nord-Süd-S-Bahn-Tunnel der S1 und S2 und der Bahnhof Friedrichstraße entlastet werden, der spätestens im Berufsverkehr an seine Kapazitätsgrenzen stößt.

Letzter Abschnitt bis Südkreuz

Doch bis die ersten Züge auf diesem zweiten Abschnitt rollen, wird allerdings noch ein Jahrzehnt vergehen. Nach aktuellem Stand sei mit der Eröffnung Mitte, Ende der 2030er Jahre zu rechnen, so Ludewig. Die Zeitschiene für den dritten Bauabschnitt vom Potsdamer Platz zum Südkreuz reicht der Bahn zufolge bis Mitte der 2040er Jahre. Der 2,1 Kilometer lange Streckenteil über die beiden S-Bahnhöfe in der Yorckstraße (Yorckstraße und Großgörschenstraße) wirkt dabei fast noch ambitionierter als die anderen beiden, da er auch das Gleisdreieck anschließen soll.

Blick in die neue Zwischenebene im Hauptbahnhof in Berlin, von dort geht es hinunter auf den Bahnsteig 22, von dem aus ab 15. Juni S-Bahnen der S15, dem ersten Abbschniitt der S 21 zum Gesundbrunnen fahren.

Blick in die neue Zwischenebene im Hauptbahnhof in Berlin, von dort geht es hinunter auf den Bahnsteig 22, von dem aus ab 15. Juni S-Bahnen der S15, - dem ersten Abschnitt der S 21 - zum Gesundbrunnen fahren.

Sören Stache/dpa

Der über hundert Jahre alte Bahnhof mit den U-Bahnlinien U1, U2 und U3 soll so zu einem der größten Umsteigepunkte zwischen S- und U-Bahn werden. Für den S-Bahn-Anschluss soll unter dem heutigen Hochbahn-Hof der BVG an der Grenze zwischen Schöneberg und Kreuzberg ein neuer S-Bahnhof gebaut werden. Das Kuriose an der Stelle ist, dass die U-Bahn (Untergrund-Bahn) dort oberirdisch fährt, während die S-Bahn (Stadtschnellbahn) unterirdisch verkehrt.

Die S21 soll am Rande des Gleisdreieckparks entlangführen, um den Flächenverbrauch möglichst gering zu halten, heißt es von der Bahn. Im weiteren Verlauf Richtung Süden/Südosten kommt die S21-Strecke dann aber an die Oberfläche und nutzt unter anderem bestehende Trassenführungen, um die Bahnhöfe an der Yorckstraße anzubinden.

S-Bahnhof Yorckstraße wird neu gebaut

Die heutigen Halte der S1 und S2 werden allerdings neu errichtet. Im letzten Teilabschnitt ist dann noch der Bau der sogenannten Cheruskerkurve zur Anbindung des Bahnhofs Berlin Südkreuz vorgesehen.

Auch ohne durchgängigen Tunnelbau wird der dritte Bauabschnitt ebenfalls anspruchsvoll sein. Weil er oberirdisch durchs Wohngebiet führt, werde man bei den Planungen nochmal vor ganz andere Herausforderungen gestellt, sagt Kaczmarek. Zum Beispiel, was den Schallschutz angeht.

Pendeln

Warum kommt die Bahn zu spät? Was bringt ein Tempolimit auf der Autobahn? Und wie sieht die perfekte Innenstadt für Radfahrer und Fußgänger aus? Wir berichten über Mobilität in unserer Region - und darüber hinaus.