Rechtsextremismus
: Mit Energie gegen Nazis im Cottbuser Stadion

Laura Klement arbeitet seit Januar als Toleranz-Beauftragte für den FC Energie Cottbus. Was kann der Verein gegen Rechtsextremismus tun?
Von
Daniel Roßbach
Cottbus
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Will Netzwerke bauen: Laura Klement, Toleranz-Beauftragte in Cottbus

Daniel Roßbach/LR

Die Stelle ist neu. Bestrebungen gab es seit 2017, als es bei einem Energie-Spiel in Babelsberg rechtsextreme Ausschreitungen gab. Nach weiteren Vorfällen machte der DFB Druck. Das Sportgericht erklärte die Schaffung der Stelle zur Auflage. Grund waren antisemitische Vorfälle bei einem Spiel und die Ehrung eines gestorbenen Chemnitzer Neonazis im Cottbuser Stadion der Freundschaft.

Der Viertligist selbst hat nicht das Geld für den Posten. Klements Stelle wird zunächst für ein Jahr aus Mitteln des Landesprogramms „Tolerantes Brandenburg“ und der Flick-Stiftung gegen Rassismus finanziert. „Was ich vorhabe, sind vor allem Dinge, die die Mitarbeiter im Verein bisher neben ihren ursprünglichen Aufgaben zusätzlich gemacht haben“, sagt Laura Klement.

Mit rechtsextremen Umtrieben im Energie-Umfeld werden vor allem die Hooligan-Gruppe „Inferno Cottbus“ sowie ihre Nachwuchsorganisation „Unbequeme Jugend“ in Verbindung gebracht. Zwar hat sich „Inferno Cottbus“ offiziell 2017 aufgelöst, und gibt Auftrittsverbote für beide Gruppen. Doch den Jahresberichten des Brandenburger Verfassungsschutzes ist zu entnehmen, dass Strukturen  der Gruppen weiterhin bestehen. Auch rund um das Cottbuser Stadion sind sie weiterhin sichtbar. So wurde ein antirassistischer Slogan mit einer „Inferno“-Botschaft überschrieben.

Zusammenarbeit mit Fanprojekt

Für Klement steht fest, dass der Verein das Rechtsextremismus-Problem in seinem Umfeld nicht alleine lösen kann: „Dafür bedarf es eines Netzwerks“, betont die 28-Jährige. Dazu sollen das Fanprojekt und andere Träger gehören, die Kontakt zu Jugendlichen haben, aber auch der Verein Opferhilfe, der sich in der Region für Betroffene rechter Gewalt engagiert.

Mirjam Lüder, die das Cottbuser Fanprojekt leitet, zeigt sich erfreut über die neue Stelle. Sie erhofft sich „eine Stärkung unseres Standortes in der Kickerstube, und dass wir dafür einen kürzeren Weg zum FC Energie haben“. Der Verein und das Fanprojekt könnten gemeinsam Bildungsangebote entwickeln.

Auch Kontakte zu anderen Fußballvereinen mit ähnlichen Problemen sollen ausgebaut werden. Bisher hat Energie sich dazu mit Borussia Dortmund und dem Chemnitzer FC ausgetauscht. Für Daniel Maaß, seit Mai 2019 Anti-Rassismus-Beauftragter des CFC, stellt Laura Klement einen „absoluten Glücksgriff“ für Energie dar: „Weil sie die nötige Empathie, die Liebe zum Fußball und den Idealismus mitbringt, um diese Arbeit engagiert zu machen.“ Maaß, der seine Aufgabe darin sieht, den Chemnitzer Verein für die „positive, zivil-kulturelle Fanszene nahbar und für Rechte unattraktiv zu machen“, sieht Energie gut aufgestellt. Die Zusammenarbeit von Präsident Matthias Auth und Laura Klement mache einen sehr guten Eindruck.

Laura Klement möchte nun Ideen erarbeiten, mit denen das Umfeld des FC Energie für Rechtsextreme unattraktiv wird. Dazu könnten Aktionstage zu Antirassismus rund um Heimspiele und Projekttage in Schulen gehören, mit denen Jugendliche sensibilisiert und Rekrutierungs-Bemühungen vorgebeugt werden soll.

Dezidiert unterstützen möchte der FC Energie auch jene Fans, die sich aktiv gegen Rechtsextreme stellen. Mit der Gruppe „Energiefans gegen Nazis“ tausche sich der Verein inzwischen regelmäßig aus. Bei bisherigen Versuchen, das Banner der Gruppe bei Spielen aufzuhängen, kam es wiederholt zu Einschüchterungen. Laura Klement verspricht hier Hilfe. „Unsere Fans sollen die Werte des Vereins leben, das bedeutet eine antidiskriminierende Haltung in unserer Fankurve. Das möchten wir aktiv unterstützen.“