Restaurant in Berlin-Spandau
: Was das Gutshaus Neukladow so besonders macht

In Berlin-Spandau ist es einer der besonderen Orte: das Gutshaus Neukladow. Neben Essen und Trinken gibt es eine spannende Geschichte und viele Events.
Von
Johannes Leichsenring
Berlin-Spandau
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Das Gutshaus Neu-Kladow im Süden von Spandau: Im Garten lässt es sich im Sommer herausragend mit einem Kaffee verweilen.

Das Gutshaus Neukladow im Süden von Berlin-Spandau: Im Garten lässt es sich im Sommer herausragend mit einem Kaffee verweilen.

Miriam-Esther Owesle

Es gibt Orte, deren Bedeutung sich nicht auf den ersten Blick enthüllt. Ein solcher Ort ist das Gutshaus Neukladow. Warum gerade im Sommer ein Ausflug in den reizvollen Park mit Blick auf Havel und Wannsee lohnt und wieso sich dort (wo sich herausragende Persönlichkeiten die Klinke in die Hand drückten) deutsche Kulturgeschichte widerspiegelt.

Der Ort, der viele Jahre leer stand, wurde 2006 der Öffentlichkeit zurückgegeben und erwacht zunehmend aus seinem Dornröschenschlaf. Dafür sorgt unter anderem die Gastronomie, welche unter der Leitung von Mark Lackmann seit 2016 im Gutshaus betrieben wird. Das beschauliche Anwesen, in dem zeitweise Bismarcks Mutter, Wilhelmine Louise Mencken, gewohnt hatte, bietet mit seinen Kaminzimmern, der Terrasse und den Tischen direkt vor dem Haus viel Platz für seine Gäste.

Kaffee, Kuchen, Hausmannskost

Gastronomisch gibt es neben den üblichen Heiß- und Kaltgetränken verschiedene Kuchen und Torten der Berliner Konditorei Engelmann. Die Speisekarte wird durch Koch Gerard Cooray zumindest alle zwei Wochen variiert.

Neben klassischer Hausmannskost wie Königsberger Klopse oder Flammkuchen gibt es saisonal Gerichte. Im Winter werden Kamin-Dinner mit zwei bis drei Gängen angeboten, bei denen das einzige Licht das flackernde Feuer der Brennscheite und Tischkerzen ist.

Was das Gutshaus jedoch auch aus dem Dornröschenschlaf erweckte, ist eine Entdeckung von Miriam-Esther Owesle. Die freie Autorin und wissenschaftliche Leiterin der Guthmann-Akademie, der sie als Geschäftsführerin vorsteht, stieß vor über 15 Jahren auf einen schillernden Personenkreis. Dieser versammelte sich um Johannes Guthmann, der das Anwesen von 1910 bis 1921 zusammen mit seinem Partner, dem Schriftsteller Joachim Zimmermann, bewohnte.

Neu-Kladow als besonderer Treffpunkt

Miriam-Esther Owesle erforschte damals das Leben und Werk des Malers Max Slevogt, der noch heute als wichtiger impressionistischer Maler gilt. Bei der Arbeit stieß sie auf Guthmann, der eng mit dem Maler befreundet war. Schnell stellte sich heraus, dass der Sohn des Zementfabrikbesitzers Robert Guthmann ‒ auf dessen Firmengelände in Rüdersdorf heute die Cemex Deutschland ansässig ist ‒ das Gutshaus Neukladow zu einem Treffpunkt schillernder Gestalten werden ließ.

Neben Max Slevogt waren auch Maler Max Liebermann, Schriftsteller Gerhard Hauptmann, Politiker Walther Rathenau, Kunsthändler Paul Cassierer oder die Schauspielerin und Femme Fatale Tilla Durieux regelmäßig zu Gast auf dem Gutshof. Im Sommer fanden sich die Gäste bei Spaziergängen im Park ein oder zum Gespräch auf der Terrasse. Im Winter saß die Gesellschaft im Kaminzimmer zusammen und lauschte den Konzerten von Conrad Ansorge, einem der letzten Schüler von Franz Liszt.

Einblick in eine vergangene Epoche

Für Miriam-Esther Owesle steht eines fest: „Neukladow ist kein beliebiger Ort“. Dank der Aufzeichnungen Guthmanns lasse sich „ein großes Licht auf die Kultur- und Kunstgeschichte Berlins und Deutschlands werfen“. Der Ort sei eine Perle voller Anekdoten, von dem aus ein tiefer Einblick in eine vergangene Epoche geworfen werden kann.

Im Gutshaus Neu-Kladow im südlichen Spandau: Das Kaminzimmer mit Klavier wird vor allem im Winter für die Kamin-Diners genutzt. Einzige Lichtquelle ist an diesen Tagen das Feuer im Kamin und der Schein der Kerzen.

Im Gutshaus Neukladow im südlichen Spandau: Das Kaminzimmer mit Klavier wird vor allem im Winter für die Kamin-Diners genutzt. Einzige Lichtquelle ist an diesen Tagen das Feuer im Kamin und der Schein der Kerzen.

Mark Lackmann

Um dieses Erbe sichtbar zu machen, gründete Owesle 2013 den Neu-Cladower-Salon, bei dem Vorträge über Guthmann und seine Freunde gehalten werden und es Raum zum Austausch gibt. Da der Park für den Max Slevogt auch Inspirationsquelle war und er als Vertreter der Freilichtmalerei dort einige seiner Bilder gemalt hatte, ist es nur folgerichtig, dass die Guthmann Akademie einmal im Jahr Kunstschaffende und Kunststudierende einlädt zu einem gemeinsamen Malen unter freien Himmel zusammen zukommen.

Dieses Jahr findet das sogenannte Pleinair vom 3. bis zum 9. Juni in der Parkanlage statt. Das sei nicht nur für die Künstler und Künstlerinnen eine schöne Gelegenheit, den Ort kennen zulernen, findet Owesle. Auch für jene, die die Gaststätte und das Anwesen einmal besuchen möchten, ergebe sich die Möglichkeit, den Geist des Ortes zu entdecken.

Auch die Betreiber des Restaurants halten an dieser Tradition fest. So veranstaltet der Gaststätteninhaber Bork Meles im Sommer mehrere Musikveranstaltungen auf der Terrasse. Neben einem russischen Abend mit entsprechender Verpflegung und Musik wird es ein jiddisches Chorkonzert und einen Swingabend geben. Am Klavier sitzt stets der in Kasachstan geborenen und in Moldawien und der Ukraine aufgewachsenen Haus-Pianist Konstantin Nazarov, der auch in den Wintertagen die Kamin-Dinners musikalisch begleitet.

Guten Appetit, Brandenburg!
Jeden zweiten Donnerstag um 16.00 Uhr
Von der Lausitz bis ins Oderbruch, vom Havelland bis in die Uckermark - Brandenburg ist keineswegs die kulinarische Wüste, als die das Land oft geschmäht wird.