Schüsse in Berlin-Spandau: Fußgänger erschossen – Spekulation zu öffentlicher Hinrichtung

Im Ortsteil Falkenhagener Feld in Berlin-Spandau sind Schüsse gefallen. Die Polizei konnte vor Ort nur noch einen leblosen Körper auffinden. Der oder die Täter sind flüchtig.
Dennis Lloyd BrätschAm Montagnachmittag (6. Mai 2024) war ein Fußgänger auf der Straße Im Spektefeld im Spandauer Ortsteil Falkenhagener Feld unterwegs, als er wahrscheinlich aus einem fahrenden Auto heraus angeschossen wurde. Die Ermittlungen hat die Mordkommission des Landeskriminalamts Berlin und die Staatsanwaltschaft Berlin übernommen. Zu den Hintergründen der Tat treffen Polizei und Polizeigewerkschaft unterschiedliche Aussagen.
Den bisherigen Angaben zufolge seien am Montag (6. Mai) gegen 15.20 Uhr mehrere Notrufe bei der Polizei und Feuerwehr eingegangen, wonach Zeugen Schüsse gehört haben wollen.
Polizei findet leblosen Mann auf Bürgersteig in Berlin-Spandau
Laut Valeska Jakubowski, Pressesprecherin der Berliner Polizei, rückten die Einsatzkräfte wegen einer verletzten Person zur Kreuzung Im Spektefeld Ecke Hauskavelweg aus. Vor Ort entdeckten die Beamten einen leblosen Mann auf dem Gehweg.
Rettungskräfte und ein Notarzt konnten nichts mehr für den Mann tun. Trotz Reanimationsversuchen verstarb er noch vor Ort im Rettungswagen. Laut Deutscher Presse-Agentur soll auch eine Stichwaffe eingesetzt worden sein, die Polizeisprecherin machte dazu bislang keine Angaben.
Der Bereich um den Tatort wurde am Montagabend abgesperrt. Notfallseelsorger waren ebenfalls vor Ort. Schwer bewaffnete Beamte einer Einsatzhundertschaft haben die Umgebung abgesucht. Der oder die Täter sind, den bisherigen Erkenntnissen zufolge, flüchtig.
Schüsse in Berlin-Spandau: Ermittlungen aufgenommen
Auch zur Identität des Opfers und zu einem möglichen Motiv konnten bisher keine Aussage gemacht werden. „Ersten Ermittlungen zufolge besteht der Verdacht eines Tötungsdelikts“, so die Sprecherin weiter.
Mit weiteren Details hielt sich die Sprecherin am Abend zurück. „Das ist Gegenstand der laufenden Ermittlungen“, so Jakubowski weiter. Ob es sich um einen gezielten Anschlag handele, sei unklar.
Laut Polizei gibt es keine Hinweise zur organisierten Kriminalität
Die Polizei sieht laut Angaben der Deutscher Presse-Agentur vom Dienstag (7. Mai) zunächst keine Verbindungen zur organisierten Kriminalität. Auch die Staatsanwaltschaft erkennt aktuell keinen Zusammenhang mit dem Clan–Milieu. „Anhaltspunkte für Bezüge zur organisierten Kriminalität liegen nach den derzeitigen Erkenntnissen nicht vor. Die Ermittlungen laufen aber derzeit noch umfassend in alle Richtungen“, teilte eine Sprecherin der Berliner Staatsanwaltschaft am Dienstag mit.
Berichte, nach denen es sich bei dem getöteten Mann um einen 19–jährigen Flüchtling handelt, der in einem nahe gelegenen Heim wohnt, wollte die Staatsanwaltschaft „zum Schutz der andauernden Ermittlungen“ nicht bestätigen.
Polizei-Gewerkschaft spricht von öffentlicher Hinrichtung
Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) äußert sich hingegen anders. Sie sprach nach Angaben der Deutschen Presse-Agentur am Dienstagmorgen von einer „Hinrichtung“ mit Schüssen und verortete die Täter im Milieu der organisierten Kriminalität.
„Diese öffentliche Hinrichtung heute in Spandau zeigt uns, zu was Menschen in der organisierten Kriminalität fähig sind“, erklärt Benjamin Jendro, Sprecher des Berliner GdP–Landesverbandes. Bei Machtkämpfen innerhalb der organisierten Kriminalität sei Waffengewalt keine Ausnahme, ein Menschenleben nichts mehr wert.
Nach Angaben Jendros gab es in den letzten Wochen im Bezirk Spandau verstärkt Auseinandersetzungen zwischen Angehörigen verfeindeter Großfamilien, sogenannter Clans. „Jeder weiß, dass man in diesen Bereichen auch als junger Kerl zu vielem bereit ist, um sich Respekt, Anerkennung und Macht zu verdienen.“ Der Begriff Clankriminalität ist umstritten, weil er nach Ansicht von Kritikern Menschen mit Migrationshintergrund alleine aufgrund ihrer Familienzugehörigkeit und Herkunft stigmatisiert und diskriminiert.
Berlin-Spandau: Die Tat könnte von Zeugen gefilmt worden sein
Die 6. Mordkommission des Landeskriminalamtes Berlin hat die Ermittlungen dazu aufgenommen. Kriminaltechniker sichern derzeit Spuren. Wie Valeska Jakubowski mitteilte, werden auch Zeugen vor Ort befragt. Möglicherweise sei die Tat gefilmt worden, hieß es von Seiten der Polizei.
Polizei und Staatsanwaltschaft rufen mögliche Zeugen auf, sich zu melden und gegebenenfalls Fotos oder Videos auf folgendem Hinweisportal hochzuladen: https://be.hinweisportal.de/hauskavelweg.


