Schule in Spandau: Chaos durch Elterntaxis befürchtet – Anwohner wehren sich

Auf dem Weidenweg in Staaken, ein Ortsteil von Berlin Spandau, ist es derzeit schon so eng, dass aneinander vorbei fahrende Autos teilweise auf den Gehweg ausweichen müssen. Wenn die geplante Schule fertig ist, könnte die hoch frequentierte Straße zwischen Heerstraße und Nennhauser Damm eine Bring-und-Abhol-Zone werden.
Jessica NeumayerEine Schule im Spandauer Ortsteil Staaken ist noch nicht einmal gebaut und sorgt schon für Unmut. Grund dafür sind nicht die Bauarbeiten, denn bisher ist die vorgesehene Fläche zwischen Wiesenweg und Weidenweg nur plan gemacht. Auslöser des Ärgers sind die Vorstellungen des Bezirks zum zukünftigen Verkehrskonzept.
Die Bauarbeiten für die neue Grundschule haben 2024 begonnen. Zum Schuljahr 2026/27 sollen dort 432 Schülerinnen und Schüler lernen. Das bedeutet auch, dass viele Kinder jeden Morgen zur neuen dreizügige Grundschule an der Heerstraße gebracht werden.
Verkehrschaos auf dem Weidenweg erwartet
Das Anhalten auf der Heerstraße als Bundesstraße ist nicht möglich. Somit werde Elterntaxis auf den Weidenweg ausweichen. „In der Straße herrscht schon jetzt Verkehrschaos“, sagt Michael Müller. Seit 24 Jahren wohnt er im Weidenweg.
„Als wir hier gebaut haben, war hier überall noch Wildnis." Die Wege wurden dementsprechend angelegt. Damals sei die Breite der Wege ausreichen gewesen. „Da war hier auch noch keine Schule geplant“, sagt Müller.

Die Grundschule am Weinmeisterhorn hat eine ausgewiesene Kiss and Go Zone – ein Bereich am Eingang der Schule, in dem Kinder von Elterntaxis nur abgesetzt werden dürfen. Solch ein Parkverbot könnte es für die neu geplanten Schule am Weidenweg in Staaken auch geben.
Jessica NeumayerAuf der knapp sechs Schritte breiten Fahrbahn fällt es entgegenkommenden Autos schwer, aneinander vorbeizukommen. „Die Autos fahren regelmäßig mit zwei Rädern auf dem Bordstein.“ Den schmalen Gehweg müssen sich Fußgänger und Kinder, die Fahrrad fahren, teilen. „Wie soll das erst werden, wenn hier morgens Kinder zur Schule müssen?“, fragt sich Müller.
Der Weidenweg ist eine 30er-Zone, die jetzt schon von vielen Autofahrern genutzt wird, um von der Heerstraße zum Nennhauser Damm oder umgekehrt abzukürzen. So umgehen sie den 1,5-Kilometer-Umweg über die Ecke, an der beide Straßen aufeinander treffen. „An Tempo 30 hält sich hier eh keiner“, sagt Müller. Gegen die Raser sei es hingegen ganz praktisch, dass die Straße so schmal ist.
Weidenweg als beste Möglichkeit für Elterntaxis
Eine Verkehrsuntersuchung des Bezirks sieht jedoch im Weidenweg die beste Möglichkeit, um Elterntaxis das Bringen und Abholen ihrer Kinder zu ermöglichen. Argumente dafür sind, dass die Straße vom Nennhauser Damm sowie von der Heerstraße aus befahren werden kann. Laut Untersuchung wird zwischen 7 und 8 Uhr mit zirka 50 Elterntaxis gerechnet.
Die Verkehrsuntersuchung schlägt vor, in beide Richtungen ein temporär beschränkte Absetzzone einzurichten. „Das heißt, alle Anwohner müssen morgens um sieben ihre Autos umparken“, sagt Müller. Vor allem die Nachbarn in Schichtarbeit würde das hart treffen. Wo die Autos hin sollen, kann er sich nicht vorstellen.

Der Weidenweg im Ortsteil Staaken in Berlin Spandau dient schon jetzt als Durchfahrtsstraße für Autofahrer, die zwischen Nennhauser Damm und Heerstraße abkürzen wollen. Zukünftig sollen in der Straße temporäres Parkverbot herrschen, damit bis zu zirka 50 Elterntaxis morgens ihre Kinder bringen können.
Jessica NeumayerMit seinen Zweifeln ist Müller nicht alleine. Inzwischen haben sich mehr als 50 Anwohner zusammengefunden und die Initiative „Intelligente Verkehrslenkung Staakener Dorfkern“ gegründet. Neben ihren Parkplätzen sei der Initiative vor allem die Verkehrssicherheit wichtig, betont sie in ihren Mails an den Bezirk. Diese liegen der Redaktion vor. „Nach unserem Erachten wäre dann die Frage leider tatsächlich nicht, ob, sondern wann ein Kind zu Schaden käme.“
Gegenvorschläge für mehr Verkehrssicherheit
Gegenvorschläge der Initiative wären, den Weidenweg ebenso wie den parallel liegenden Wiesenweg zu einer verkehrsberuhigten Straße zu machen, um den Weg zur Schule für Kinder sicherer zu gestalten – vor allem für Kinder, die mit dem Fahrrad zur Schule kämen.
Elterntaxis könnten nach der Vorstellung der Initiative über die Heerstraße abgewickelt werden, wo auch der Eingang der Schule sein wird. Neben den Vorschlägen aus der Verkehrsuntersuchung, die Nebenfahrbahn auf der Heerstraße in Höhe der Hausnummer 575 als Halteplatz zu nutzen oder den nahegelegenen Rewe-Parkplatz, sieht die Initiative weitere Ausweichmöglichkeiten in der Heerstraße.
Sie fordert analog zur südlichen auch auf der nördlichen Seite der Heerstraße die Errichtung von Absetzflächen. Die Seite „westlich der Bushaltestelle, ab zirka Hausnummer 592, wird zurzeit ‚wild‘ beparkt“, heißt es im Gegenvorschlag der Initiative.
Fehlende Parkplätze als Problem für Anwohner und Lehrer
Das Verkehrskonzept für die neue Schule ist nicht nur in Bezug auf Elterntaxis ein Thema im Rathaus. Aus der jüngsten Bezirksverordnetenversammlung (17. Juli 2024) wurde eine Anfrage von Die Linke zum Thema Parkplätze zur Diskussion in den Ausschuss gegeben.
Zusätzlich zur Schule wird nämlich auch eine Sporthalle mit drei Feldern und Zuschauertribüne gebaut, die auch für den Vereinsport genutzt werden kann. Parkplätze dafür sind jedoch nicht vorhanden. Laut Untersuchung wird es auf dem Gelände zwei barrierefreie Parkplätze geben. Benötigt werden jedoch alleine schon für die zirka 50 Lehrkräfte im Durchschnitt 25 Parkplätze.

