Inkontinenz in Brandenburg: Arzt-Tipps zu Botox, Blasen-Band und weiteren Therapien

Inkontinenz ist ein Tabu-Thema. Viele Betroffene trauen sich kaum noch aus dem Haus. Am Lesertelefon haben Ärzte aus Brandenburg Fragen zu Therapien beantwortet.
Oliver Voigt- Ärztliche Telefonaktion: Urologen aus Brandenburg erläutern Diagnostik und Therapien.
- Zentrale Schritte sind Ursachenklärung, Urodynamik und Ultraschall von Blase und Prostata.
- Behandlung je nach Befund: Medikamente, TVT-Band, Pessar, Botox, Neuromodulation – auch im Alter.
- Bei nächtlicher Inkontinenz werden Herzfunktion und Restharn geprüft, teils helfen Katheter.
- Kinder mit Einnässen brauchen Urincheck, Ultraschall und Miktionsprotokoll – Biofeedback möglich.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Inkontinenz in all ihren Formen schränkt Millionen Menschen in ihrem Alltag ein. Doch für Betroffene besteht eine Besserungschance von 80 bis 90 Prozent, hebt die Deutsche Kontinenz Gesellschaft hervor. Wie die Ursachen einer Inkontinenz diagnostiziert werden und wann Medikamente oder chirurgischen Eingriffe Linderung bringen, haben die Urologen Dr. Salah Al-Dumaini, Chefarzt der Klinik für Urologie am Klinikum Uckermark, und Dr. Sören Promnitz, Chefarzt der Klinik für Urologie am Klinikum Markendorf, bei einer Telefonaktion beantwortet.
Mein Mann, Mitte 80, leidet nachts an starker Inkontinenz. Wie schaffe ich es, dass er die Ursachen abklären lässt?
Indem Sie ihm erklären, dass man ihm nur helfen kann, wenn die Ursache der Inkontinenz bekannt ist. Es geht auch um den Schutz der Nieren. Vielleicht benötigt Ihr Mann dann künftig keine Vorlagen mehr.
In seinem Alter kann es sehr gut sein, dass die Prostata die Blasenentleerung behindert. Der Urologe wird den Urin und per Ultraschall die Blase untersuchen. Wenn sich die Blase nicht vollständig leert und nur wenig Urin drinbleibt, kann mit Medikamenten gut geholfen werden. Bleibt die Harnblase voll (Resturin), muss die Prostata entfernt werden. Das erfolgt transurethral, also über die Harnröhre.
Arzt rät: Prostata messen
Ich hatte vor vielen Jahren eine Krebsoperation an der Blase, habe Chemotherapien bekommen. Jetzt muss ich mich immer beeilen, sobald ich Harndrang verspüre. Das schränkt mein Leben stark ein. Könnte durch einen Eingriff etwas Besserung erfolgen?
Ich würde zwei Wege sehen, die Sie mit Ihrem Facharzt besprechen sollten. Bei einer gezielten Suche wäre der erste Schritt eine Prostatamessung. Ist dies ohne Auffälligkeiten, gibt es heute gute medizinische Möglichkeiten, um in die Blase zu schauen, ob dort alles in Ordnung ist.
Vielleicht findet man Irritationen, entscheidet, ob vielleicht eine Ruhigstellung der Blase erfolgen sollte, ob Medikamente helfen könnten oder ein Eingriff ratsam wäre. Sie müssen mit Ihren Ärzten erst den beschwerlichen Weg der Diagnose gehen, ehe ein zweiter Schritt in Richtung Hilfe erfolgen kann.
Am Tag habe ich meine Inkontinenz recht gut im Griff, anders in der Nacht, da muss ich häufig raus oder alle Vorlagen sind sehr nass. Kann man trotz meines fortgeschrittenen Alters von weit über 80 noch eingreifen?
Das Alter ist nicht erstrangig entscheidend. Wichtig ist die körperliche Konstitution. Anfangs sollte eine Untersuchung der Prostata erfolgen, ob vielleicht eine Veränderung vorliegt. Danach sollten Sie über Ihren Hausarzt oder Kardiologen etwaige Herzprobleme abklären.
Wenn nachts mehr Urin ausgeschieden wird und in höher Frequenz als am Tag, ist dies ein Hinweis darauf, dass das Herz am Tage ausgelastet ist, nachts dagegen für die Nieren arbeitet, um es vereinfacht zu erklären. Nach den Diagnosen kann vielleicht mit Medikamenten ein Gegensteuern erfolgen, oder Ihre Fachärzte finden andere Eingriffsmöglichkeiten.
Schrittmacher für die Blase
Seit zwei Jahren versuche ich, meine Blaseninkontinenz in den Griff zu bekommen. Medikamente, eine Spritze und ein Gerät, das am Fuß Nerven stimulieren sollte, haben nichts gebracht. Könnte ein Blasenschrittmacher etwas bringen?
Bevor entschieden werden kann, ob für Sie ein Blasenschrittmacher infrage kommt, muss die Funktionsfähigkeit Ihrer Blase untersucht werden: Wie funktionieren die Nerven der Harnblase und des Schließmuskels. Wie groß ist der Blasenspeicher?
Das erfolgt über die Urodynamik. Mit der Untersuchung zeigt sich, ob die Blase zum Beispiel zu klein ist und Sie deshalb ständigen Harndrang verspüren oder ob dies an den Nerven und Muskeln liegt. Der Blasenschrittmacher, auch bekannt als sakrale Neuromodulation, stimuliert die Nerven für die Steuerung der Harnblase. Er würde in einem urologischen Zentrum eingesetzt.

Dr. Salah Al-Dumaini, Chefarzt der Klinik für Urologie am Asklepios Klinikum Uckermark, berät Patienten, die unter Inkontinenz leiden.
Grit Mahnke/Asklepios Klinikum UckermarkIch bin 93 und habe eine vergrößerte Prostata, nehme Medikamente dagegen. Wie kann ich ein weiteres Fortschreiten der Inkontinenz gerade nachts verhindern und endlich mal mehr als zwei Stunden durchschlafen?
Erstens würde ich als Ihr Arzt mit einer Urinprobe feststellen, ob Entzündungszellen im Körper vorhanden sind. Dann sollten Herzprobleme ausgeschlossen werden, die stets mit stärkerer nächtlicher Harnproduktion verbunden sind. Dritter Vorschlag wäre, einen temporären Katheter über die Bauchdecke zu legen. Das ist in verschiedenen Varianten möglich. Voraussetzung ist nur, dass Sie keine Blutverdünner benötigen.
Dieser suprapubische Katheter ermöglicht Patienten, dass sie tagsüber ganz normal zur Urinausscheidung die Toilette benutzen. Nachts erfolgt über den Katheter die Ausscheidung, was einen ungestörten Schlaf ermöglicht. Diese Form der Katheterlegung lässt sich jederzeit rückgängig machen, wenn Sie damit nicht klarkommen sollten.
Nach einer Krebsoperation und Bestrahlung wurde bei mir ein Blasenkatheter durch die Bauchdecke gelegt. Ich habe oft starke Krämpfe – trotz Medikamenten. Auch die Urinableitung funktioniert nicht vollständig über den Katheter. Gibt es etwas, was mir besser helfen könnte, gerade gegen die Krampfschmerzen?
Bestrahlungen oder die Langzeitnutzung eines Katheters haben oftmals eine Schrumpfblase zur Folge. Die spürbaren Folgen sind oft Krämpfe – schon bei geringer Blasenfüllung. Spezielle Medikamente sollten dagegen helfen. Da dies bei Ihnen nicht in ausreichendem Maße der Fall ist, sollten Sie mit Ihrem behandelnden Arzt nach einer neuen Lösung suchen.
Als ersten praktischen Schritt empfehle ich Ihnen, darauf zu achten, dass die Katheterschläuche an keiner Stelle abgedrückt sind. Dann sollte Ihr behandelnder Arzt durch entsprechende Untersuchungen eine Blasenentzündung oder Blasensteine als Ursache ausschließen. Auch eine andere Kombination von Medikamenten könnte man prüfen.
Hilft all dies nicht, wäre eine Urindeviation möglich, sehr vereinfacht gesagt eine Umleitung. Dabei wird vom operierenden Urologen beispielsweise der Harnleiter nach außen verlegt und somit die Blase stillgelegt. Dies ist ein größerer Eingriff, der nur möglich ist, wenn Ihre körperliche Konstitution dies zulässt.
Therapie mit Blasen-Band
Vor über 15 Jahren habe ich gegen Blaseninkontinenz bei einer TVT-Operation ein Band eingesetzt bekommen. Das funktioniert jetzt immer weniger. Kann man dies ersetzen?
Ja, aber das muss natürlich individuell mit genauer Diagnose vorher abgesichert werden. Bei der TVT-Operation, fachlich Tension-free Vaginal Tape, wird bei Patientinnen mit Belastungsinkontinenz minimalinvasiv ein kleines Plastikband um die Harnröhre gesetzt. Um dieses Band bilden sich mit der Zeit körpereigene Fasern und so wirkt es bei Belastung – also Husten, Lachen, Springen – ähnlich einer Hängematte und verhindert ungewollten Urinverlust.
Mit zunehmendem Alter verändert sich der Körper weiter, es kann sein, dass sich der Beckenboden weiter senkt. Damit lässt auch die Stützfunktion des Bandes nach. Ein weiteres Band könnte gelegt werden. Das bisherige verbleibt unangetastet. Allerdings muss man davor andere Baustellen des Körpers ausschließen. Ihr behandelnder Gynäkologe kann entsprechende Untersuchungen vornehmen und dann überweisen.
Ich bin Mitte 50 und habe starke Blasenprobleme. Mein Arzt sagte mir, da müsse Botox gespritzt werden. Reicht das?
In einem ersten Schritt sollte dringend diagnostiziert werden, ob es sich um Stressinkontinenz handelt, also der Schließmuskel nicht mehr ausreichend arbeitet, oder um Dranginkontinenz. Ist der Unterschied klar, wird vom Arzt über die Therapie entschieden. Suchen Sie sich ein Beckenbodenzentrum zur Behandlung. Hilfe bringt nicht immer eine Operation, oftmals erreicht man auch mit Beckenbodentraining oder Neurostimulation gute Ergebnisse. Die Blase wird wieder in einen Rhythmus gebracht mit dem Ergebnis von mehr Lebensqualität.
Arzt erklärt Botox-Wirkung
Laut Diagnose habe ich eine therapieresistente überaktive Blase. Vor etlichen Jahren haben Botoxspritzen sehr geholfen. Allerdings war dafür immer eine einwöchige Behandlung nötig. Dann ist beim letzten Mal etwas schief gegangen und die Inkontinenz war schlimmer als vorher. Nun hat mir meine Frauenärztin wieder zur Botoxspritze geraten. Ich bin unsicher. Sind so viele Spritzen nicht gefährlich?
Botox wird in den Blasenmuskel gespritzt, um die Harnblasenmuskel zu entspannen. Damit gewinnen Patienten die Kontrolle über ihre Blase zurück. Eine höhere Dosis erhöht die Haltbarkeit im Körper.
Es kann sein, dass bei der letzten Botoxspritze die Dosis aber viel zu hoch war und die Nerven stattdessen vollständig gelähmt wurden. Das ist das einzige Risiko. In den vergangenen Jahren hat sich viel geändert. Die Behandlung findet jetzt an nur einem Tag statt und meist ambulant. Bei Botox sind keine Folgeprobleme bekannt. Das Medikament wird vom Körper abgebaut.
Eine andere Möglichkeit, wenn sie gut beweglich sind, ist der Einmalkatheterismus. Das heißt, Sie führen abends vor dem Schlafengehen einen Katheter in Ihre Blase ein, sodass sich diese vollständig entleert. Dann sollten Sie nachts wieder besser schlafen können. Eine Schwester zeigt Ihnen, wie es sauber geht. Eine operative Wiederherstellung der Anatomie ist auch minimalinvasiv möglich und wird in viele Kliniken angeboten.

Dr. Sören Promnitz, Chefarzt der Urologie am Klinikum Markendorf, rät, erst detailliert die Ursachen von Blasenschwäche zu klären.
Sophie Keller/Klinikum MarkendordIch muss selbst am Tage mehrere Vorlagen tragen, nachts reichen sie gar nicht aus. Ich bin Mitte 80, laut einer Ärztin habe ich eine Blasensenkung. Gibt es eine Möglichkeit, dass ich wieder ohne Vorlagen auskomme?
Bei einer Blasensenkung wird die Blase nie ganz leer. Im Schlaf haben Sie keine Kontrolle über Ihren Schließmuskel, Sie verlieren deshalb Urin. Sie können sich beim Gynäkologen ein Pessar in der Vagina einsetzen lassen. Es stützt und hebt die Blase und die Harnröhre an, sodass die Entleerung einfacher wird.
Obwohl ich neben dem Bett einen Toilettenstuhl zu stehen habe, schaffe ich es oft nicht rechtzeitig dort rauf, weil der Urin beim Wachwerden einfach losläuft. Der Urologe meinte, ich hätte auch eine Blasensenkung. Er hat mir Medikamente verschreiben wollen, aber das mag ich nicht. Ich bin verzweifelt, weil ich erst Mitte 60 bin.
Aus hygienischen Gründen und um Infektionen zu vermeiden, ist es immer günstiger, Medikamente zu nehmen statt Vorlagen. Wenn Sie unter einer Blasenabsenkung leiden, dann ist eine operative Wiederherstellung der Anatomie nötig.
Zuerst muss der Urologe schauen, ob sich die Blase vollständig leert. Das erfolgt mit dem Ultraschallgerät oben vom Bauch aus. Mit einer transvaginalen Ultraschalluntersuchung in der Vagina sieht der Arzt, ob und wie weit das Becken gesunken ist. Dann entscheidet er, ob man die Blase in einer kleinen Operation neu fixieren kann. Vielleicht hilft Ihnen auch der Einmalkatheterismus.
Einnässen bei Kindern
Seit einiger Zeit pullert unsere Enkeltochter beim Schlafen wieder ein. Sie ist traurig, rennt am Tag gefühlt alle fünf Minuten auf die Toilette. Wir machen uns Sorgen, weil sie bald eingeschult wird.
Bei Kindern ist die Entwicklung der Blase erst zwischen dem vierten und sechsten Lebensjahr abgeschlossen. Manchmal ist es so, dass Kinder direkt vor der Einschulung Stressprobleme haben und das zu häufigen Miktionen und Einnässen führt.
Wichtig ist, das Kind zu beruhigen, dass das Einnässen nicht schlimm ist und dies verschiedene Ursachen haben kann. Um die genaue Ursache zu finden, gibt es drei Wege: Der Urin wird auf eine Infektion hin untersucht, mittels Ultraschalls wird untersucht, wie weit sich die Blase entleert, und ein Miktionsprotokoll gibt dem Arzt viele Hinweise, wo die Ursachen der Funktionsstörung zu finden sind. Dort wird unter anderem eingetragen, wie oft das Kind pullert, wie viel und in welchen Situationen es den Urin nicht halten kann. Liegt eine desorientierende Funktion bei der Blasenentleerung vor, lässt sich diese trainieren. Dieses Training nennen wir Biofeedback. Das Kind kann die richtige Entspannung bei der Miktion gut lernen. Mit Medikamenten kann man die Blase auch beruhigen.
Ich leide unter Stuhlinkontinenz. Ich war beim Hausarzt, aber es wurde nichts weiter gemacht. Gibt es für mich im fortgeschrittenen Alter von über 80 überhaupt noch Hilfe?
Auf alle Fälle würde ich erst einmal eine Bestandsaufnahme, also eine wirkliche Diagnose anregen. Machen Sie einen Termin beim Proktologen, also dem Facharzt für Enddarmleiden. Dieser kann zum Beispiel eine Druckmessung des Schließmuskels durchführen. Mit einer Enddarmspiegelung lassen sich andere Ursachen ausschließen. Die Diagnoseergebnisse und Ihre körperliche Konstitution ergeben dann ein Bild für helfende Behandlungen.



