Prostata-Krebs: Bestrahlung oder Therapie - was hilft Männern besser?

Erkrankung der Prostata: Um die Gefahr eines möglichen Prostatakarzinoms einzuordnen, kommt dem PSA-Wert eine große Bedeutung zu. Ab wann setzt welche Behandlung ein?
Klinik für Prostata-Therapie Heidelberg/obs/dpa- Prostatakrebs: Jährlich 63.000 Neuerkrankungen in Deutschland – früh erkannt gut behandelbar.
- PSA-Wert entscheidend für Diagnostik und Therapie – Leitlinien empfehlen PSA-Screening ab 45.
- Therapien: Operation und Strahlentherapie gleichwertig; HIFU und Da-Vinci-OP als Alternativen.
- MRT-Fusionbiopsie erhöht Treffsicherheit bei der Diagnose – unnötige Biopsien werden vermieden.
- Nebenwirkungen von Bestrahlung und Hormonen wie Reizblase oder Gynäkomastie möglich.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Prostatakrebs ist in Deutschland unter Männern die mit Abstand häufigste Tumorerkrankung. Pro Jahr werden bundesweit etwa 63.000 Neuerkrankungen diagnostiziert. Diese Zahlen nennt das Robert Koch-Institut. In einem frühen Stadium entdeckt, ist Prostatakrebs gut behandelbar, und es bestehen gute Heilungschancen.
Worauf bei der Behanndlung zu achten ist, wann welche Therapie infrage kommt und inwieweit andere Erkrankungen zu berücksichtigen sind, darauf gingen Dr. Sören Promnitz vom Klinikum Markendorf und Ralph Schrader vom GLG-Klinikum Eberswalde am Lesertelefon ein.
Wie sicher sind die Aussagen, die ein PSA-Wert liefert?
Diesem Aussagewert vertrauen Urologen sehr. Auf dieser Grundlage wurden sogar in der gerade veröffentlichten deutschen S3-Leitlinie Prostatakarzinom die über Jahrzehnte bewährten Tastuntersuchungen für überflüssig erklärt.
Ab welchem PSA-Wert wird eine Therapie zwingend?
Regelmäßig werden bei mir vom Urologen PSA-Werte gemessen. Aber auch mein Hausarzt bietet diese zusätzliche Leistung an. Allerdings sind die Werte sehr unterschiedlich. Wie kann das sein? Je nach Labor sind Schwankungen möglich und normal, da die Institute unter Umständen unterschiedliche Testverfahren nutzen. Daher sollte man immer beim gleichen Testlabor bleiben.
Wichtig für Sie zur Vermeidung von Verunsicherung wäre meiner Meinung nach, dass Sie auf die Stabilität der Werte schauen. Es sollte kein signifikanter kontinuierlicher Anstieg erfolgen. Sprünge dagegen sind nicht ungewöhnlich. Die Beurteilung besprechen Sie dann ausführlich mit Ihrem Urologen.
Mein PSA-Wert liegt bei hohen 8. Es wurde eine Stanzbiopsie gemacht und eine Radikaltherapie der Prostata angeraten. Die habe ich abgelehnt, weil der Schließmuskel des Darms weggenommen würde und ich eine Stuhlinkontinenz befürchte. Ich habe mich jetzt mit der HIFU-Therapie mit Ultraschall in Heidelberg und der Behandlung mittels Da-Vinci-Computer beschäftigt. Was raten Sie, zumal ich auch noch Dickdarmkrebs hatte?
Bei einem PSA von 8 sollte man in Abhängigkeit vom Risiko (mittleres und hohes Risiko) eine Therapie in Erwägung ziehen. Eine Operation und eine Strahlentherapie werden in Bezug auf die Heilung des Prostatakrebs als gleichwertig eingeschätzt. Bei einer Vorerkrankung mit u.a. auch Bestrahlungsbehandlung des Darmkrebs sehe ich jedoch keine Indikation zur definitiven Bestrahlung des Prostatakarzinoms.
Inwieweit die HIFU-Therapie in Heidelberg für Sie infrage kommt, dazu müssten Sie direkt mit der Klinik Kontakt aufnehmen. Gegebenenfalls bleibt für Sie die Radikal-OP, die mit heilender Absicht durchgeführt wird, die einzige Alternative. An vielen Onkologischen Zentren erfolgt dies über eine roboterassistierte Operation wie Da-Vinci. Eine leichte Inkontinenz als Folge ist dennoch nicht auszuschließen, zumal das Risiko mit zunehmendem Alter etwas höher ist.
Prostata-Untersuchung in jungen Jahren - macht das Sinn?
Ich bin zwar erst 37 Jahre alt, habe aber gehört, dass es das richtige Alter für eine Prostata-Vorsorge sei. Zumal vor einiger Zeit Fußballer von Hertha BSC dafür geworben haben. Wie gehe ich vor?
Wenn Sie sich jetzt schon mit diesem Thema beschäftigen, ist das in Ihrem Alter eine Ausnahme. Viele Männer warten viel zu lange. Ich empfehle Ihnen neben einer urologischen Beratung die neue S3-Leitlinie Prostatakarziom aus dem Leitlinienprogramm Onkologie, das im Internet veröffentlicht ist. Im Kapitel 4 (ab Seite 40) geht es um die Früherkennung und Diagnostik, eine Übersicht findet sich auf Seite 53.
Das Vorgehen zur Früherkennung hat sich ein wenig geändert. Es läuft darauf hinaus, dass der primären Bestimmung des PSA-Werts ein höherer Stellenwert beigemessen wird. Die Bestimmung wird Männern ab 45 Jahren empfohlen. Früher wurde rektal, digital untersucht. Die PSA-Bestimmung als Screeninguntersuchung ist aber noch keine Kassen-, sondern eine IGEL-Leistung.
Wenn Sie keine Beschwerden haben und es in Ihrer Familie keine Fälle gibt, könnten Sie mit der Untersuchung noch etwas warten.
Bereits 2008 hatte ich wegen eines Prostatakarzinoms eine Totaloperation. Seitdem ist der PSA-Wert relativ konstant, stets niedrig. Mein Urologe meinte, dass eine regelmäßige Untersuchung nicht mehr notwendig sei, auch wegen meines Alters von 75 Jahren. Stimmt das so?
Bei der Entfernung des Prostatakarzinoms wurde das Tumorgewebe komplett entfernt, was man an den stets niedrigen PSA-Wert von kleiner 0,01 bei Ihnen sieht. Deshalb kann ich die Aussage Ihres behandelnden Urologen durchaus nachvollziehen. Allerdings sehe ich keinen „Schaden“ darin, wenn Sie an der Gewohnheit für einen alljährlichen „Uro-TÜV“ festhalten, da auch andere Erkrankungen für Sie relevant werden könnten wie beispielsweise Nierensteine.
Mitte des Jahres wurde ich wegen Prostatavergrößerung operiert, dabei wurden wenig Krebszellen – unter ein Prozent – entdeckt. Der Onkologe will erst einmal abwarten, der Urologe will bei dem PSA-Wert von sechs eine Biopsie durchführen. Wovon sollte ich meine Entscheidung abhängig machen?
Ohne Ihre Werte genau zu kennen, würde ich so kurz nach einer Operation zum aufmerksamen Abwarten raten. Eine Biopsie kann gerade nach einer Operation vielleicht nur eine Entzündung nachweisen. Wichtig ist allerdings die Kontrolle des PSA-Wertes. Dieser darf nicht eskalieren, er sollte konstant bleiben.

Ralph Schrader ist Chefarzt der Klinik für Strahlentherapie am GLG-Klinikum Eberswalde und Experte bei der Behandlung von Prostatakarzinomen in Bezug auf eine Bestrahlung.
Annegret KrügerVorteile einer Magnetresonanztomographie (MRT)
Bei mir wurde in regelmäßigen Abständen ein immer wieder schwankender PSA-Wert zwischen 9 und 15 gemessen. Im Vorjahr war ich bereits zu einem MRT, wobei aber nichts Auffälliges gefunden wurde. Jetzt soll dies noch einmal erfolgen und auch eine Biopsie, irgendwie gleichzeitig. Was passiert dabei?
Bei diesen hohen PSA-Werten muss eine Diagnostik erfolgen und da beginnt Ihr Urologe natürlich mit einer – in dem Fall – modernen und kombinierten MRT-Fusionbiopsie. Im ersten Schritt erstellt ein Radiologe ein MRT der Prostata. Bei der Magnetresonanztomographie werden Strukturen und Gewebe des Körpers sehr gut bildlich dargestellt. Dabei zeigen sich, so bei Ihnen vorhanden, auffällige Veränderungen der Prostata.
Bei der folgenden Biopsie wird die im MRT auffällige Stelle im Ultraschall sichtbar gemacht. Dazu werden die MRT-Bilder mit den Ultraschallbildern kombiniert oder fusioniert. So sieht der behandelnde Urologe millimetergenau, wo die auffälligen Bereiche sind und er die Proben mit der eingeführten dünnen Biopsienadel entnehmen muss. Der Arzt entnimmt auffällige Zellen aus dem vielleicht vorhandenen Karzinom. Diese Gewebeprobe untersucht der Pathologe.
Die sehr gezielte Methode der Diagnostik hat gleich mehrere Vorteile, vor allem für die Patienten. Die Treffergenauigkeit ist hoch, unnötige Biopsien werden vermieden, und aussagekräftige Proben von klinisch signifikantem Prostatakrebs erleichtern zusammen mit weiteren erfassten Befunden beiden Seiten die Entscheidung, wie die künftige Behandlung erfolgen kann.
Ich hatte eine Prostataoperation. In der Auswertung des entnommenen Zellmaterials zeigte sich, dass fünf Prozent der Zellen krebsverdächtig seien. Was erwartet mich, wenn sich die Diagnose Prostatakrebs bestätigt?
Das kann man nicht mit erstens, zweitens, drittens beschreiben, denn auch die Diagnose Prostatakrebs heißt nicht unweigerlich Operation, Bestrahlung, Chemotherapie. Bei den festgestellten fünf Prozent schon gar nicht. Außerdem hängt dies von weiteren individuellen Werten ab, beispielsweise der Aggressivität des Karzinoms, ausgedrückt im Gleasonscore oder wie man auch aktuell sagt, der ISUP-Gruppe.
Der Vergleich stimmt vielleicht nicht so ganz, aber stellen Sie sich dies so vor wie die Richterskala für Erdbeben. Je mehr, desto schlimmer ist das Erdbeben. Ein Gleason von zum Beispiel sechs in weniger als fünf Prozent der betroffenen Zellen nach einer Prostataausschabung wäre noch okay. In dem Fall würde ich als behandelnder Arzt, abhängig auch vom Alter des Patienten und damit der Gefahr, die jede Operation bedeutet, vorschlagen: beobachten und abwarten. Steigen der PSA-Wert und der Gleasongrad oder einer dieser Faktoren stetig, muss mehr getan werden. Bei höheren Gleasongraden steigert sich die Aggressivität des Tumors, und man sollte dann eine definitive Therapie starten.
Prostata nur beobachten oder doch operieren?
Ich bin bereits operiert wegen Magen- und Bauspeicheldrüsenkrebs. Jetzt wurde aufgrund eines steigenden PSA-Wertes eine Biopsie der Prostata durchgeführt. Diese ergab leider Prostatakrebs mit Gleason von summiert 9. Eine Skelettszintigraphie hat zum Glück keine Auffälligkeiten gezeigt. Mein Arzt rät trotzdem zum Beobachten. Reicht das oder sollte ich mich operieren lassen?
In Ihrem Fall muss man wirklich alle Baustellen beachten und ableiten, was Vorrang hat und dies ist unter Umständen nicht der Bereich des Urologen. Ihre behandelnden Ärzte prüfen, ob es noch andere Tumoraktivitäten von Magen- oder Bauchspeicheldrüsen gibt und besprechen dann den „Baustellenvorrang“ mit Ihnen. Ich sehe als bessere Alternative aufgrund des aggressiveren Prostatakarzinoms eine Strahlentherapie, sollten Ihre Vorerkrankungen als geheilt eingestuft werden. Aber das steht per Ferndiagnose am Telefon rein auf Erfahrungsbasis und soll Ihnen nur einen vielleicht möglichen Weg aufzeigen.
Aufgrund meines hohen PSA-Wertes würde ich gern ein PSMA-PET/CT durchführen lassen. Die Krankenkasse will das aber nicht bezahlen, weil Prostatakrebs im Vergleich zum Lungenkrebs nicht lebensbedrohlich sei. Wie verhalte ich mich?
Die neue S3-Leitlinie Prostatakarziom stellt auch die PSMA-PET/CT-Untersuchung mehr in den Vordergrund. Sie kombiniert mehrere bildgebende Methoden zur Diagnostik von Prostatakrebs und wird u.a. für Prostatakrebs mit höheren Risiken (z.B. PSA-Wert > 10, Gleason >= 8, lokal weit fortgeschrittene Tumore) empfohlen.
Auch wenn Ihr Wert etwas niedriger ist, könnte die Methode sinnvoll sein. Ihr Arzt könnte sich dazu mit einem Nuklearmediziner in Verbindung setzen oder Sie an ein ASV-Team (ambulante, spezialisierte Versorgung) überweisen.

Dr. Sören Promnitz ist Chefarzt der Klinik für Urologie am Klinikum Markendorf. Er beantwortet seit vielen Jahren Fragen von Lesern zum Thema Prostatakarzinom.
Sophie KellerBlut im Urin - muss eine zweite Biopsie wirklich sein?
Wegen eines erhöhten Risikos für ein Prostatakarzinom wurde bei mir 2024 ein MRT durchgeführt, das einen unauffälligen Befund von PI-RADS 2 ergeben hat. Trotzdem sollte ich im April eine Fusionsbiopsie durchführen lassen. Diese hat weder eine Entzündung noch ein sichtbares Karzinom gezeigt. Jetzt schlägt der Urologe eine weitere Fusionsbiopsie vor. Darauf habe ich keine Lust, weil ich nach der ersten Biopsie lange Zeit mit Blut im Urin zu kämpfen hatte und doch nur die PSA-Werte hoch sind …
Auch hierzu gibt die S3-Leitlinie Empfehlungen. Das MRT gewinnt einen höheren Stellenwert. Ab einem Befund von PI-RADS 4 bis 5 wird eine Fusionsbiopsie empfohlen. Ob man das, wie bei Ihnen vorgeschlagen, schon nach ein, zwei Jahren wiederholen muss, sollten Sie direkt mit Ihrem Urologen besprechen. Die Entscheidung für die Durchführung trifft nach entsprechender Aufklärung immer der Patient. Der PSA-Wert sollte auf alle Fälle weiter beobachtet werden.
Ich gehe regelmäßig zur Vorsorge. Mein früherer Arzt hat oft den PSA-Wert kontrolliert, der zuletzt bei 1,48 lag. Der neue Arzt sagt, dass eine weitere Untersuchung so schnell nicht nötig sei. Die letzte liegt fünf Jahre zurück.
Laut der aktuellen Leitlinie stellen PSA-Werte unter 1,5 ein niedriges Risiko dar, eine Kontrolle in fünf Jahren wäre ausreichend. Insofern reagiert Ihr Arzt korrekt. Eine neue Untersuchung in diesem Jahr würde wieder möglich sein.
Ich habe eine Prostata-Bestrahlung erhalten und mache mir Sorgen um Nebenwirkungen. Ich habe in einer Hüfte eine Coxathrose und im selben Bein ein sekundäres Lymphödem nach einer Melanom-Operation vor vielen Jahren. Kann sich die Bestrahlung darauf negativ auswirken? Das Ödem hat sich seitdem extrem verschlechtert, ich kann nur noch mit Hilfsmitteln laufen.
Wegen der Coxathrose sehe ich eher keine Probleme. Der Leistenkanal ist bei der Bestrahlung des Prostatakarzinoms kein Zielvolumen. Man kann negative Folgen, d.h. eine Zunahme des bestehenden Lymphödems nach Therapie Ihres Melanoms in Ihrer Jugendzeit nach der jetzt erfolgten Prostata-Bestrahlung dennoch nicht ausschließen.
Bei einer Prostata-Bestrahlung muss der Arzt deshalb genau wissen, was damals passiert ist und die damaligen Therapien berücksichtigen. Das ist leichter, wenn Therapien, u.a. auch Radiotherapien, erst maximal 20 Jahre zurückliegen würden, weil der Arzt noch auf Unterlagen zurückgreifen kann.
Bestrahlung nach Prostata-Problem: Ist häufiger Gang zur Toilette normal?
Seit mehreren Jahren habe ich Probleme mit der Prostata. Nachdem an zwei Stellen Krebs festgestellt wurde, hat mir der Arzt zu einer Behandlung geraten. Ich habe mich für eine Strahlentherapie entschieden, die im Februar zu Ende ging. Dennoch muss ich nachts zweimal die Toilette aufsuchen. Ist das normal? Und muss ich Hormontabletten wirklich noch zwei Jahre lang nehmen?
Es ist richtig, dass Sie die Hormontabletten noch diesen langen Zeitraum nehmen sollten. Sie haben häufig auch Nebenwirkungen, unter anderem Schwitzen und Gewichtszunahme. Gelegentlich treten auch Schmerzen und Schwellungen in den Brüsten auf. Zur Verringerung der Beschwerden durch die Gynäkomastie kann auch eine Bestrahlung beider Brüste mit wenigen Bestrahlungssitzungen durchgeführt werden.
Die nächtlichen Toilettengänge können mit der Strahlentherapie zusammenhängen. Gelegentlich haben Patienten Probleme mit einer Reizblase. Möglich sind als Ursache aber auch Herz-Leistungsstörungen, welche eine Nykturie, nächtliches Wasserlassen, verursachen. Sie sollten das noch einmal ärztlich klären lassen.



