Sollte das Flugjahr 2021 coronabedingt ähnlich schlecht laufen wie 2020, müssen die Steuerzahler dem Airport BER weitere 640 Millionen Euro an Nothilfen zuschießen. Darauf hat BER-Chef Engelbert Lütke Daldrup die Abgeordneten des Brandenburger Landtags am Montag im Flughafen-Sonderausschuss eingestimmt. Steigen die Fluggastzahlen am Schönefelder Großflughafen im kommenden Jahr zumindest wieder auf 50 Prozent des Niveaus vor der Krise, würde man trotzdem 540 Millionen Euro an öffentlichen Zuschüssen brauchen, rechnete Lütke Daldrup weiter vor. Er nannte im Ausschuss die Corona-Auswirkungen eine Katastrophe.

Auch ohne Corona säße der BER in der Schuldenfalle

Diese Zahlen waren nur einige der im Ausschuss verkündeten Hiobsbotschaften. Eine Studie zur Finanzlage der Flughafengesellschaft kommt nämlich zu dem Schluss, dass die Not schon vor Corona „weitaus gravierender als angenommen“ gewesen sei, sagte Hans Georg Gemünden, einer der Autoren der Analyse. Auch ohne die Pandemie säße der BER in einer „Schuldenfalle“ und wäre noch bis mindestens 2024 auf jährliche staatliche Hilfen angewiesen gewesen.

Die Leidtragenden sind die Steuerzahler

Gemünden konstatierte ein mangelndes Interesse der Landtagsabgeordneten an der Situation. Sie hätten das Recht und die Pflicht, sich zu informieren und für Transparenz zu sorgen. Das geschehe zu wenig. Die Leidtragenden seien die Steuerzahler. „Die Bürger haften für die BER-Finanzen“, betonte Gemünden. Er untermauerte seinen Appell für eine transparente Kontrolle der Vorgänge am BER mit dem Verweis auf den Wirecard-Skandal. Doch während sich umsichtige Aktionäre bei diesem Debakel durch Verkauf ihrer Anteile rechtzeitig aus der Affäre hätten ziehen können, seien die Steuerzahler auf Gedeih und Verderb an den BER gebunden.

Keine Vorwürfe an die BER-Führung

Er richtete jedoch keine Vorwürfe an die BER-Geschäftsführung. Der Flughafen werde von den Gesellschaftern – Bund, Berlin und Brandenburg – bei der Finanzausstattung seit zehn Jahren im Stich gelassen. Das räche sich jetzt. Es stehe außer Frage, dass dem Flughafen das benötigte Geld bereitgestellt werden müsse. „Gezahlt werden muss so oder so. Die Frage ist, wie das Geld am geschicktesten eingesetzt wird und wie Vertrauen hergestellt wird“, sagte der Wirtschaftsprofessor der TU Berlin. Hier seien jetzt auch die Parlamentarier gefragt.

Verschobene BER-Eröffnung kostet drei Milliarden Euro

Lütke Daldrup sagte, dass die Finanzprobleme von der 2012 verschobenen Eröffnung herrühren würden. Während die Baukosten auf sechs Milliarden Euro inklusive Lärmschutz gestiegen seien, habe es keine zusätzlichen Einnahmen gegeben. Die Belastungen dadurch würden bei insgesamt drei Milliarden Euro liegen. Das sei eine schwere Hypothek für die Flughafengesellschaft, betonte der BER-Chef.